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Dracula im Gewölbekeller

Robert Iwanetz / 21.09.2016, 10:28 Uhr - Aktualisiert 21.09.2016, 10:55
Dahme/Mark (MOZ) Brandenburg traut sich wieder. Selten war die Zahl der Eheschließungen mit fast 13000 Paaren im Jahr so hoch wie heute. Um den Tag zum schönsten im Leben werden zu lassen, muss viel organisiert werden. In einer Serie stellen wir Ihnen besondere Orte vor, wo die Hochzeit zum Erlebnis wird.

In unserer MOZ-Serie suchen wir Orte in Brandenburg für den schönsten Tag des Lebens.
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Heiraten in der Schlossruine Dahme/Mark

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Die Treppe führt direkt hinab ins Mittelalter. Unten ist es dunkel, kühl und ein wenig gruselig. Die ältesten Gemäuer hier stammen aus dem zwölften Jahrhundert, damals war Brandenburg noch in slawische Stämme zersplittert. Auf den Gängen huschen Fledermäuse vorbei. Und dann steht man plötzlich in einer Kammer mit einem Holzsarg unter Leichentüchern. Doch Tilo Wolf, der durch den Gewölbekeller führt und sonst das Heimatmuseum in Dahme leitet, gibt gleich Entwarnung: "Das ist ein Überbleibsel von unserem 750-Jahr-Jubiläum als Stadt." Für die Feierlichkeiten wurden die Kellergemäuer im Schloss Dahme in ein Gruselkabinett für Kinder verwandelt. "Aktuell leben bei uns definitiv keine Blutsauger", versichert der Museumsleiter.

Doch auch ohne Vampire bietet die Schlossruine ein einzigartiges Ambiente: Wo einst ein prunkvolles Barockschloss stand, blickt man heute auf blankes Mauerwerk in den drei begehbaren Etagen. Im Eingangsbereich kann man am Abend direkt in den Sternenhimmel schauen - ein provisorisches Dach bedeckt nur Teile des Gebäudes. Das teure Inventar der Zimmer, in denen einst Herzöge lebten, ist fast vollständig abhanden gekommen.  Dadurch kann die Ruine heutzutage für Kulturveranstaltungen und Feiern aller Art genutzt werden - auch für Hochzeiten.

Eine Trauung in einer Ruine ist natürlich nicht jedermanns Sache: Einmal fragte ein Tourist Tilo Wolf: "Wie soll denn eine Ehe funktionieren, die schon in Trümmern beginnt?" Doch der spezielle Charme des Schlosses lockt viele Hochzeitsgesellschaften nach Dahme. "Wir haben hier Eheschließungen aus ganz Deutschland", erklärt die Standesbeamtin Denise Lehmann. Vor allem Paare aus Großstädten, die der dortigen Massenabfertigung in den Standesämtern entfliehen wollen, kommen ins südliche Teltow-Fläming. "Bei uns haben sie auf Wunsch das ganze Schloss für sich", sagt die 25-Jährige.

Wer die Kaution und Miete begleicht, bekommt am Freitag den Schlüssel und muss ihn erst am Montag wieder abgeben. In der Zwischenzeit kann das gesamte Schloss, inklusive Obergeschoss und Gewölbekeller für die Feierlichkeiten genutzt werden. Die Trauung selbst findet in einem großen Saal im Erdgeschoss statt. Ansonsten muss aber von der Beleuchtung, über die Musik bis zur Gastronomie alles selber organisiert werden. In der Ruine gibt es nur Toiletten und Stromanschlüsse. Dafür darf frei dekoriert werden: "Die Schlagbohrmaschine muss aber zu Hause bleiben, unser Schloss steht unter Denkmalschutz", sagt Tilo Wolf.

Dass überhaupt Feiern in der Ruine möglich sind, verdankt man umfassenden Sicherungsmaßnahmen, die das Schloss vor dem Einsturz bewahrten. Dabei musste der Eingangsbereich mit einem Stahlskelett versehen werden. Seit den 90er-Jahren sind allein 1,9 Millionen Euro in den Erhalt der Bausubstanz geflossen. Ursprünglich hatte der Herzog Friedrich zu Sachsen-Weißenfels im Jahre 1711 mit dem Bau des Schlosses auf den Resten einer mittelalterlichen Wasserburg begonnen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Decken und Wände entfernt, um eine Polizeischule im Schloss unterzubringen.

Ab 1956 wurden die Umbauarbeiten fortgeführt. Ein neuer Dachstuhl lag bereits vor der Schlossruine zum Einbau bereit. Doch die SED-Führung entschied, die vorgesehenen Mittel stattdessen in den Braunkohletagebau zu investieren. So wurde das Schloss ohne Dach sich selbst überlassen. Später plädierten etliche Bewohner von Dahme für einen Abriss. Dass sich in diesen Mauern später einmal ewige Liebe geschworen wird, hätte wohl keiner von ihnen je für möglich gehalten. "Heute", sagt Standesbeamtin Denise Lehmann, "sind wir froh, dass wir diesen einzigartigen Trauungsort unseren Paaren anbieten können".

Daten, Preise, Unterkunft

Lage:

Die Schlossruine befindet sich in Dahme/Mark im südlichen Teltow-Fläming. Lübbenau ist rund 40 Kilometer entfernt. Nach Berlin sind es 100 Kilometer.

Kapazität:Im Trausaal im Erdgeschoss finden bis zu 150 Gäste Platz.

Übernachtung:

Direkt gegenüber der Schlossruine befindet sich das Hotel & Restaurant "Am Schlosspark" mit 40 Zimmern.

Trauungsorte:

Wer sich nicht in der Schlossruine trauen lassen möchte, kann auf das Trauzimmer oder den Trausaal im Rathaus ausweichen - oder in die Kulturherberge in der ehemaligen Klosterkirche.

Preise:

Die Tagesmiete für die Schlossruine beträgt 200 Euro. Dazu kommt eine Kaution von 200 Euro.

Besonderheit: Hinter der Ruine befindet sich der ehemalige Schlossgarten, der heute als öffentlicher Park genutzt wird. Auf dem sieben Hektar großen Areal befindet sich unter anderem ein Tiergehege mit über 27 Arten. (iwa)

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