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Garlitz reiht sich in Märkische Dichterstraße ein

Garlitz wird in die Märkische Dichterstraße einbezogen und erhält eine Plakette, wie sie bereits an der Stadtbibliothek in Rathenow zu finden ist.
Garlitz wird in die Märkische Dichterstraße einbezogen und erhält eine Plakette, wie sie bereits an der Stadtbibliothek in Rathenow zu finden ist. © Foto: Manuela Bohm
Manuela Bohm / 31.08.2019, 03:45 Uhr
Garlitz (MOZ) Der Ort Garlitz, zur Gemeinde Märkisch Luch gehörend, liegt in dem Amt Nennhausen - beschaulich möchte man sagen. Der Ort ist durch Zufahrtsstraßen mit seinen Nachbardörfern Mützlitz, Barnewitz, Buckow und gar Marzahne verknüpft. Ganz andere Anknüpfpunkte werden am kommenden Sonntag verdeutlicht. Der Ort erhält eine Plakette, neben den von Platzierungen bei Dorfwettbewerben. Und doch ganz anderer Natur. Garlitz wird Teil der Märkischen Dichterstraße.

Erst vor wenigen Wochen wurde Ribbeck ein Teil der Dichterstraße. Der Kulturförderverein Mark Brandenburg, der das Projekt initiierte, hätte sich die Einbeziehung des Ortes für dieses Jahr aufgehoben, in dem das Jubiläum 200 Jahre Theodor Fontane begangen wird.

Nun kommt auch Garlitz hinzu. Aber warum? Liegt es an den kulturellen Aktivitäten im Ort? Vor zwei Jahren gestalteten die Dorfbewohner eine Bühne und brachten ein erstes Schauspiel auf diese. Nun soll das zweite folgen. "Hochzeit in Garlitz" heißt es und lehnt sich an ein literarisches Werk an. Günter de Bruyn schrieb als seine erstes literarische Erzählung "Hochzeit in Weltzow". Aber was haben "Weltzow", Garlitz und de Bryun mit einander zu schaffen?

Günter de Bruyn, geboren am 1. November 1926 in Berlin, war nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft Landarbeiter in Hessen bevor er 1946 in Potsdam zum Neulehrer ausgebildet wurde. In der Zeit bis 1949 wirkte er als Lehrer - als Dorfschullehrer. Die Erlebnisse und Erfahrungen,  die er in diesem märkischen Dorf seiner ersten Anstellung gewann, verarbeitete er in "Hochzeit in Weltzow". Davon weiß Gudrun Lewwe zu berichten, denn das märkische Dorf in dem de Bruyn unterrichtete hieß nicht "Weltzow" sondern Garlitz. "Er hat hier seine Liebe gefunden und auch geheiratet", berichtet die Ortsvorsteherin.

Der 2004 gegründete Heimat- und Kulturverein nahm Kontakt mit dem Dichter auf. Im Jahr drauf, so berichtete es Lewwe, kam es zu einem Treffen in Garlitz - mit ehemaligen Schülern. "Es war, als hätten sich alle schon ewig gekannt. De Bruyn kam mit seiner Familie. Es war ein herzliches Treffen", erinnert sich Gudrun Lewwe. Bei dem damaligen Treffen gab es auch eine Lesung in der Kirche, von der viele im Ort lange zerrten, meint die Ortsvorsteherin. Zum Schauspiel "Hochzeit in Garlitz" haben die Garlitzer den Dichter eingeladen. Der Schriftsteller selbst, 92-jährig, wird nicht dabei sein. Aber sein Sohn habe zugesagt.

Mit der Plakette und dem Anschluss an die Märkische Dichterstraße möchten die Garlitzer aber nicht nur an "ihren" Dichter erinnern, sondern an jene, die aufschrieben, was im Dorf geschah und die Geschichte bewahrten. Als Beispiel führt Gudrun Lewwe den Pastoren  Curtius an, der im Ort wirkte. Für das erste Schauspiel "Garlitz 1416" sei aus seinen Aufzeichnungen einiges mitgenommen worden.

"Wichtig ist uns, dass wir mit der Plakette uns nicht nur auf das besinnen, was war. Wir wollen weiterhin Kultur in unserem Dorf leben", sagt Lewwe. Kulturreihen sollen belebt und fortgeführt werden. Eine Lesung unter Eichen für Kinder sei gut angenommen worden. Hörspiele in Kirche, Filmfestival der Generationen und die Krimi-Reihe sind nur einige Schlagworte.

Garlitz reiht sich am 8. September, 14.00 Uhr in die Märkische Dichterstraße ein und wird verbunden mit Orten wie Schloss Wiepersdorf (Achim + Bettina Arnim), Werder (Christian Morgenstern) und Frankfurt/Oder (Heinrich von Kleist). In Erkner wird an den schlesisch-stämmigen Autor Gerhardt Hauptmann erinnert, in Rathenow an Joachim Christian Blum, in Bohsdorf an Erwin Strittmatter, in Nennhausen selbstverständlich an Friedrich de la Motte Fouqué, in Guben an Klaus Herrmann und in Lehnitz an Friedrich Wolf. Angermünde erinnert an Ehm Welk, in Falkenberg bei Kyritz werden jene Autoren der Region gewürdigt, die in niederdeutscher Sprache schreiben. Im Herbst soll in Rheinsberg mit einer weiteren Plakette an Kurt Tucholsky erinnert werden, der  mit der Erzählung "Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte" literarisch erstmals auftrat.

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