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Interview
Kontra K: "Worte sind meine schärfste Waffe"

Seine Vorbilder sind Mohammed Ali, Mike Tyson und Oasis: Hier rappt Kontra K beim Helene Beach.
Seine Vorbilder sind Mohammed Ali, Mike Tyson und Oasis: Hier rappt Kontra K beim Helene Beach. © Foto: René Matschkowiak
Jan-Henrik Hnida / 29.07.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 29.07.2019, 15:32
Frankfurt (Oder)= (MOZ) Kontra K wuchs in Berlin auf. Bereits mit 13 Jahren begann er Musik zu machen. Nun ist der Künstler in der deutschen Rap-Szene ganz oben angekommen. Bevor Kontra K am Sonnabend beim Helene Beach Festival auftrat, sprach er mit der MOZ.

Kontra K, warum rappst Du, was ist Dein Antrieb?

Ich mache gerne Musik und mag es, meine Gedanken zu Papier zu bringen. So drücke ich mich aus, kann zeigen, was mich bewegt.

Verarbeitest Du auch Deine Vergangenheit – wie Deine Kindheit? Dein Vater soll ja im Berliner Untergrund tätig gewesen sein ...

Zum Teil, ja. Ich kanalisiere solche Sachen durch meine Musik. Es wird viel über mich erzählt und geschrieben. Die Wahrheit liegt in meinen Songtexten. Ich verkörpere das gerne und stehe dazu. Mein Vater ist trotz allem mein Vorbild und wir haben ein super Verhältnis.

Wie sah Deine Jugend denn aus?

Am Anfang bin ich noch rosig aufgewachsen. Dann kam der Einbruch, bei meinen Eltern ist strafrechtlich was vorgefallen. Es war dann plötzlich nicht mehr so viel Geld da und das behütete Elternhaus weg. Da ist dann das Küken zu einer Hyäne geworden.

Was heißt das?

Nur so viel: Ich war zu dumm für das große Geld auf der Straße und zu schlau für den Knast.

Und wie kamst Du zum Rappen?

Seitdem ich 13 Jahre alt bin, mache ich Musik. Die US-Rapper B.I.G. und 2Pac inspirierten mich. Es waren die coolen Sounds und Texte, die ich ebenso machen wollte.

Hast Du zu Hause mit Freunden gerappt? Wie fing es an?

Wir haben unsere eigenen Studios gebaut. Die Kabinen zimmerten wir aus Holzplatten zusammen. So nahmen wir unsere Tapes auf, vierspurige. Musik machen war unser Traum. Bei anderen gab es Plan B und C – bei mir nur A: Musiker werden.

Haben Dich Deine Eltern dabei unterstützt?

Ja, die ganze Zeit. Und wenn sie dann noch sehen, dass ihr Sohn vor 14 000 Leuten spielt, die seine Texte mitsingen, sind sie einfach stolz, dass ich es geschafft habe. Ohne dabei abgehoben zu sein oder die teuerste Karre zu fahren.

Wovon handeln Deine Songtexte?

Vom Leben. Es ist manchmal schön und manchmal grausam. Wenn bereits ein paar Menschen wegen meiner Inhalte ins Nachdenken kommen, ist das gut. Ich glaube an das Schicksal. Jedes Leben ist ein Kampf – man muss stark sein. Ich kämpfe auf der Bühne mit Worten – und mit den Fäusten als Sport beim Boxen. Letzteres hat mich Demut und Fairness gelehrt.

Wann kam Dein Durchbruch im Musikgeschäft?

Ich hatte ein stetiges Wachstum. Deswegen war es nie so, dass ich durch die Decke gegangen bin. Ich hatte immer wieder Punkte in meiner Karriere, wo ich merkte, dass es vorwärts geht: Von 200 auf 400 Zuschauern, dann 800 – und immer so weiter.

Was hat es mit dem Titel Deines neuen Albums "Sie wollten Wasser doch kriegen Benzin" auf sich?

Viele Menschen werfen einen zurück. Wenn Du Deinen Kopf gerade aus dem Wasser streckst, versuchen Dich einige wieder unterzutauchen. Dagegen wehre ich mich, das "Benzin" bedeutet: jetzt erst recht. Ich wehre mich und mein Erfolg gibt mir Recht.

Du bist ja jetzt selbst Vater. Wie erziehst Du Dein Kind?

Erstmal versuche ich es aus der Öffentlichkeit fern zu halten. Es soll nichts mit dem Gangster-Image zu tun haben. Ich hole es von der Kita ab, spiele mit ihm Fußball. Man sollte zu Hause nicht den Rocker raus hängen lassen, sondern Vorbild sein.

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