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Bürgermeister sieht die Innenstadt gestärkt

Die Kräne drehen sich: Um Kaufland als Mieter gewinnen zu können, muss das Angebot an Parkplätzen erweitert werden. Derzeit entsteht ein Parkdeck.
Die Kräne drehen sich: Um Kaufland als Mieter gewinnen zu können, muss das Angebot an Parkplätzen erweitert werden. Derzeit entsteht ein Parkdeck. © Foto: Roland Becker/HGA
Roland Becker / 20.12.2016, 08:45 Uhr
Hennigsdorf (OGA) Traditionell nutzt Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) einen der letzten Arbeitstage vor Weihnachten, um im Pressegespräch zurück- und vorauszuschauen. Das nehmen wir in diesem Jahr zum Anlass, auf einiges, was die Stadt derzeit bewegt, genauer zu schauen. Heute: der Handel in der Innenstadt.

Es zieht wieder Leben ein ins Hennigsdorfer Einkaufszentrum Ziel. Ins sanierte Erdgeschoss sind bereits zahlreiche Geschäfte zurückgekehrt, einige neue werden folgen. Voraussichtlich im Frühjahr öffnet mit der Kaufland-Filiale der erhoffte Frequenzbringer, der das seit mittlerweile zehn Jahren vor sich hin darbende Einkaufszentrum auf Dauer in die schwarzen Zahlen führen soll.

Für den Bürgermeister ist das ein gutes Zeichen. "Es ist ein großer Glücksfall, dass Kaufland Interesse an der Innenstadt gezeigt hat." Er deutet an, dass es bis dahin ein langer Weg war. Über Jahre habe Kaufland zwar Interesse an Hennigsdorf, aber eben eher an einem Standort auf der grünen Wiese gezeigt. "Der Postplatz ist Hennigsdorfs 1A-Lage", konstatiert der Bürgermeister. Nur: Mit dem Niedergang des Ziel-Centers "war die Situation dort, vorsichtig gesagt, nicht befriedigend", fügt Schulz hinzu.

Ein Rückblick: Als am 3. April 1995 die Havelpassage eingeweiht wurde, hatte Hennigsdorf das, was seit einem halben Jahrhundert vermisst worden war: ein Stadtzentrum. Die neue Fußgängerzone mit all den kleinen Geschäften verbindet seither den Post- mit dem Havelplatz, an denen jeweils ein Einkaufszentrum seine Pforten öffnete.

Der Postplatz hatte damals die Nase vorn. Wer zwischen Busbahnhof und S-Bahn pendelte, machte schnell mal einen Abstecher ins Ziel. Doch die Vorteile dieser 1A-Lage schmolzen mit jeder Geschäftsschließung dahin. Während im Ziel ab etwa 2010 eher gähnende Leere herrschte, konnte sich der von Schulz als 1B-Lage bezeichnete Havelplatz halten. Die dortige Storchengalerie, bis zur der die Laufkundschaft vom Bahnhof in der Regel gar nicht vordringt, ist bis heute deutlich besser ausgelastet - und das auch im Obergeschoss. Mancher sagt hinter vorgehaltener Hand, dass das auch an extrem niedrigen Mieten liegen soll.

Wie aber wird die Storchengalerie die Wiedergeburt des Ziels verkraften? Der Bürgermeister ist sich sicher: "Die Gewichte werden sich verschieben. Man wird Veränderungen spüren." Dafür gibt es am Havelplatz seit einiger Zeit bereits erste Anzeichen. Seitdem die mittlerweile verkaufte Supermarktkette Kaiser's ihre Filiale schloss, gelang es nicht, diese große Fläche neu zu vermieten. Wer in der Pressestelle des Vermieters, der Berlinovo, nachfragt, bekommt zwar stets zu hören: "Es gibt Interessenten." Doch sollten diese wirklich vorhanden sein, sprangen sie bislang regelmäßig ab. Nun droht dem Havelplatz neues Ungemach. Der Textildiscounter Voegele, dessen Schaufenster eine breite Front der Storchengalerie einnehmen, zieht ins Ziel. Auch im Obergeschoss stehen bereits zwei Ladenflächen leer.

"Der Eigentümer der Storchengalerie muss sich Gedanken machen, wie er sich mit der Gewichtsverschiebung auseinandersetzt", mahnt Schulz. Gleiches gelte für die gegenüberliegende Geschäftszeile. Er hofft, dass die Geschäftsinhaber der Storchengalerie ihr Engagement beibehalten. Die dort existente Werbegemeinschaft - das Ziel hat bislang kein Pendant dazu - könnte in schwieriger werdenden Zeiten gegensteuern. Aktionen zur jährlichen Hennigsdorfer Festmeile und der Stollenanschnitt zur Adventszeit weisen da die Richtung, in die es verstärkt gehen muss.

Bleibt die Fußgängerzone zwischen beiden Plätzen. Allen Unkenrufen zum Trotz behauptet die sich ganz gut. "Da gibt es kaum Leerstand", freut sich der Rathaus-Chef. Und nicht nur das, auch die Qualität des Branchenmixes hat ein wenig zugelegt. Die jüngeren Neueröffnungen haben den Einheitsbrei aus Handyläden und Shops für Billigbekleidung ein wenig aufgebrochen. Bestes Beispiel ist die Boutique Zeitgeist. Wegen der Bauarbeiten im Ziel ist die Inhaberin aus der Not heraus in die Havelpassage gezogen - und bleibt dort. Das Ziel möchte sie aber nicht missen. Dort eröffnete sie dieser Tage eine weitere, unter anderem Namen firmierende Boutique.

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