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Im Zuge der Sanierung der Sietzinger Kirche kann sogar mehr gemacht werden als zunächst geplant. Der Baubetreuer informierte.

Freudenbotschaft
Neue Fenster und mehr Stühle

Ines Weber-Rath / 04.06.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 04.06.2019, 09:50
Sietzing (MOZ) Wolfram Schwelgin war mit guten Neuigkeiten nach Sietzing gekommen: Am Tag vor Himmelfahrt habe die Denkmalbehörde nicht nur den Farbwunsch der Sietzinger Kirchengemeinde fürs Kirchendach gebilligt. – Die neuen Biberschwänze werden in klassischem Naturrot leuchten. Und zwar auch auf dem Kirchenschiff, das bislang mit Betonziegeln gedeckt ist. Die Behörde habe auch grünes Licht für neue Fenster im Kirchenschiff gegeben. Sie werden den kleinteiligen Originalen, vierflügeligen nachgestaltet, freute sich der Bauleiter. Der Fensterersatz war bis dahin nicht Bestandteil des Sanierungskonzeptes gewesen.

Der Bauplaner vom Hoppegartener Büro IBS informierte die im Schatten der Bäume auf dem Dorfplatz versammelten Gäste des Freundeskreis der Fachwerkkirche Sietzing im Rahmen des diesjährigen PflanzenCafés über den Stand der Sanierungsarbeiten an der 1803 erbauten Kirche.

Hier passiert die Ausnahme

Deren hölzerne Turmspitze ist abgenommen worden. Sie soll komplett saniert werden. Das erfordere ein hohes Maß an Zimmermannskunst. Denn zur Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes dürfen nur historische Materialien, wie Holznägel und -Zapfen verwendet werden, erklärte Wolfram Schwelgin.

Für ihn ist es ein "Riesengeschenk und eine große Ausnahme", dass die Sietzinger Kirche "in einem Zug" saniert werden kann. Die Fördermittel von EU und Land sind dafür bewilligt worden. – Dank einer sehr aktiven Kirchengemeinde und eines ebenso stark engagierten Fördervereins, wie der Baubetreuer betonte. Insgesamt stehen rund 600 000 Euro zur Verfügung, um das Wahrzeichen des Dorfes vor dem weiteren Verfall zu retten.

Schwelgin erläuterte den interessiert lauschenden Gästen, wie es bei der Sanierung jetzt weiter gehen soll: Die Idee, den Turmaufsatz auszufachen, wie er es nach dem Anbau 1883 einst war, sei verworfen worden, so der Experte. Nicht zuletzt aus Kostengründen. Die durch Pilze und Insekten stark geschädigten jetzigen Hölzer sollen im Bestand saniert werden.

Besonders große Schäden weise der Glockenstuhl auf, so der Baubetreuer, dessen Büro das Sanierungskonzept schon vor über zehn Jahren erarbeitet hatte. Der Glockenstuhl müsse auseinander gebaut und große Teile davon müssten erneuert werden, so Wolfram Schwelgin.

Nach dem Turm werden sich die Bauhandwerker aus der Region – allesamt aus Fachfirmen für denkmalgerechte Arbeiten – das Kirchenschiff vornehmen. Dessen Schäden seien unter anderem auf das überformte, zu hohe umgebende Gelände zurückzuführen. Eine Gelände-Regulierung ist deshalb vorgesehen, legte der Baubetreuer dar. Er informierte, dass alle Gefache neu ausgemauert werden – mit alten und zum Teil neuen Ziegeln.

Die sogenannte Schwellenlage über dem gemauerten Sockel wird statt des jetzigen Kiefernholzes originalgetreu wieder aus Eiche hergestellt. Und der Zugang zur Kirche soll zumindest barriereärmer werden. Barrierefreiheit lasse sich nicht erreichen, so Wolfram Schwelgin.

Für die Nutzung als Veranstaltungsraum ist eine wesentliche Veränderung von großer Bedeutung: In zwei Anbauten, an der Nord- und Südseite des Turms, werden ein WC und eine kleine Teeküche Platz finden.

Auch das Innere der Kirche wird nicht bleiben, wie es ist: "Die Wand zur Winterkirche, die in den 50-er Jahren eingebaut worden ist, kommt raus. Dadurch kann der Altar wieder an seinen angestammten Platz am Ostgiebel zurück kommen", erklärte der Bauplaner. Statt des Betonfußbodens werde der einstige Ziegelboden wieder auferstehen, sagte er.

Mehr Sitzplätze für Besucher

Inzwischen sei das Gestühl schon ausgebaut. Es wird in einer Gramzower Werkstatt aufgearbeitet. "Und vermutlich wird es um zwei Reihen ergänzt", kündigte Wolfram Schwelgin an. Er rechnet im zweiten bis dritten Quartal kommenden Jahres mit der Fertigstellung der Kirchensanierung. Denn die verwendeten historischen Materialien, die nicht frostbeständig verbaut werden können, machten Baupausen unbedingt nötig, erklärte er. Die begeisterten Zuhörer bedankten sich mit großem Applaus für die Ausführungen.

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Wolfram Schwelgin Farbewunsch EU Baubetreuer Denkmalbehörde

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