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Herzoperation im HD-Großformat

Hans Still / 06.11.2016, 18:30 Uhr
Bernau (MOZ) Hunderte Zuschauer im Audimax des Paulus-Praetorius-Gymnasiums und Tausende weitere Gäste via Internet - der 24. Tag des Herzzentrums in Bernau entwickelt sich mehr und mehr zu einem Mega-Event. Der Live-Besuch im Operationssaal übt offenbar große Faszination aus.

In der Pause greift sich Reinhard Klonz sofort einen Apfel und verzichtet auf den angebotenen Kaffee. Der mit seiner Frau Kristina aus Zossen angereiste 70-jährige Rentner setzt den Wissenzuwachs der letzten zwei Stunden sofort um. "Wenn man mal live sieht, wie die Aortenklappe mit Kalk zugesetzt ist, dann beginnt das Nachdenken. Meine Frau hat mich während der Operation ständig ermahnt, weniger fett zu essen."

Dank geradezu beeindruckender hochauflösender Technik können die Besucher des Herztages die Operation an einer Aortenklappe wirklich hautnah verfolgen. Die Klappe in der Größe eines Ein-Euro-Stückes flimmert im HD-Großformat über die Leinwand, aber genau das wollen die 450 Gäste offenbar sehen. Während Operateur Dr. Thomas Claus mit seinem Team im Hybrid-OP des Immanuel Herzzentrums Präzisionsarbeitet leistet, kommentiert Professor Johannes Albes im Gymnasium das Geschehen. Wenn wundert es, vor allem beim Ablösen der Kalkablagerungen scheint atemlose Stille das Audimax zu beherrschen. "Wundern Sie sich nicht, normalerweise geht es im OP nicht so ruhig zu. Das übliche Geschnatter entfällt heute mal", lockerte Albes die Stimmung im Stile eines Moderators auf. Natürlich verzichtete der Mediziner nicht darauf, neben den vielen medizinischen Erläuterungen eine Verhältnisgleichung zwischen Lebenswandel und Gesundheitszustand mit den Einflussfaktoren Ernährung und Bewegung aufzustellen.

Schon zuvor hatte Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) das Auditorium genutzt, um Brandenburger Gesundheitspolitik vor dem Hintergrund zunehmender Alterung und sozialer Probleme, befeuert von einem zunehmenden Fachkräftemangel, zu erläutern. "Die Zukunft der flächendeckenden Gesundheitsvorsorge besteht in Kooperationen und vernetzten Angeboten", sagte sie und fordert Klinikbetreiber, Krankenkassen und Kommunen auf, diesen Weg gemeinsam zu beschreiten. Dabei lobte sie ambulante Angebote der Krankenhäuser. So sei das Immanuel-Klinikum mit dem MVZ in Klosterfelde ein Vorreiter. Auch die Telemedizin und das Schwester-Agnes-Prinzip (steht für besonders geschulte Krankenschwestern, die Ärzte entlasten sollen) wären geeignet, um auf dem flachen Land medizinische Standards zu erhalten.

Eine Podiumsdiskussion mit zwei Patienten des Klinikums führte den Zuhörern schließlich vor Augen, wie hochmoderne Operationsmethoden der Herzchirurgie und der Kardiologie helfen können, gesundheitliche Probleme wenigstens zurückzudrängen, um den Weg in einen lebenswerten Alltag zu ebnen, der nicht von täglichen Schmerzen und Gebrechen geprägt ist. Anja Ziemke (47 Jahre) etwa leidet unter schwerem Rheuma. Die Medikamente führten schließlich zu einer inneren Zerrissenheit der Hauptschlagader. "Es war ein schwerer Eingriff, das Herz wollte sich lange nicht erholen, und wir alle wussten nicht, wie es ausgehen wird", berichtete Professor Albes und rührte damit die Patientin zu Tränen.

Jürgen Hecker (62 Jahre) erlebte, ebenfalls durch verschiedene Krankheiten verursacht, einen Rückgang der Leistungsfähigkeit des Herzmuskels auf gerade noch zehn Prozent. Heute benötigt er zwar trotz künstlicher Unterstützungssysteme eine akkubetriebene Pumpe und kämpft noch immer mit Schmerzen. Aber auch er kann zumindest wieder seinen Alltag aus eigener Kraft gestalten, was er mit seinen kurzen Bemerkungen bestätigte.

Ebenfalls mit großem Interesse wurde die Vorstellung von Julie Schönemann aus Berlin, Sophia Schmidt aus Schönwalde bei Berlin und Paul Siebensohn aus Wensickendorf aufgenommen. Sie studieren an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MBH), einer staatlich anerkannten Hochschule in kommunaler Trägerschaft und in privater Rechtsform. Das Besondere daran: Die Studierenden gehen mit den Sponsoren einen Vertrag ein, der ihnen Unterstützung beim Studium garantiert.

Im Gegenzug verbleiben die ausgebildeten Ärzte später an den Krankenhäusern, deren Protektion sie genießen durften. "Die Mediziner von morgen", lobte Professor Christian Butter das Modell.

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