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Für jeweils 700 000 Euro werden die Wehre Golzow und Letschin generalüberholt und erhalten separate Fischaufstiegsanlagen

Gewässerregulierung
Land erneuert zwei große Stauanlagen

Ulf Grieger / 12.03.2019, 07:00 Uhr
Golzow/Letschin (MOZ) Das Landesamt für Umwelt (LfU) lässt für jeweils 700 000 Euro die beiden Wehre in Letschin und Golzow erneuern. Beide Projekte werden vom Deichverband Oderbruch geplant und realisiert.

Als die beiden Wehre am Richtgraben und am Letschiner Hauptgraben in den 1970er-Jahren gebaut wurden, lief die Komplexmelioration des Oderbruchs auf Hochtouren. Im Sinne der Intensivierung der Flächennutzung wurden kleinere Gräben geschlossen, um große zusammenhängende Fläche zu schaffen, die durch tiefere und breitere Gräben melioriert wurden. Die große Agrartechnik sollte bessere Einsatzmöglichkeiten bekommen. Dabei spielte im Oderbruch die Be- und Entwässerung nach den Bedürfnissen der Kooperativen Abteilungen Pflanzenproduktion (KAP) und den LPG die entscheidende Rolle. Es wurde mit Dränrohren und großen Regneranlagen gearbeitet. Die neuen Wehre ermöglichten ein flexibleres Reagieren auf trockene und  nasse Bedingungen. Vielerorts sind damals die Häuser gerissen.

Inzwischen spielen auch andere Parameter bei der Flächenbewirtschaftung eine wesentliche Rolle. Und die Wehranlagen weisen erhebliche technische Mängel auf. Deshalb sind jetzt Ersatzneubauten der Wehre zweckmäßig, informiert  Thomas Frey vom Präsidium des Umweltamts. An beiden Standorten wird parallel zur Erneuerung der technischen Anlagen  die Fischdurchgängigkeit hergestellt. Mit der Planung für die jeweils 700 000 Euro teuren Vorhaben wurde 2017 für beide Anlagen wurde der Deichverband beauftragt. Das Wehr Letschin befindet sich derzeit in der Vorplanung und das Wehr Golzow/Richtgraben in der Entwurfsplanung. Der Bau ist für das Wehr Richtgraben derzeit ab 2020 geplant. Anschließend folgt das Wehr Letschin ab 2021.

Das Wehr Letschin dient vor allem der Unterhaltung des Hauptgrabens, erklärt Martin Rudolf, Bereichsingenieur in der Außendienststelle des Landesumweltamtes im Bad Freienwalder Deichhaus. Einige Wehre im Oderbruch würden in den Wintermonaten ohnehin geöffnet. Die sei wichtig, um im Falle eines Binnenhochwassers, wenn  viel Wasser möglichst schnell aus dem Bruch gepumpt abgeführt werden muss, nicht Gefahr zu laufen, dass die Schütze genannten Wehrschilder festfrieren. Das jeweilige Stauziel, also der Pegelstand oberhalb des Wehres, werde zwar vom Landesumweltamt verantwortet. "Das erfolgt  aber in enger Absprache mit dem Landkreis, dem Deichverband und den Landwirtschaftsbetrieben", betont Martin Rudolf. Die Betriebe melden für gewöhnlich beim Kreis an, welche Bewässerungswünsche sie im Jahr haben. Auch daran bemessen sich die Stauziele. Weiterhin geht es um die für die jährliche Krautung notwendigen Pegelhöhen. Die großen Vorfluter werden meist vom Deichverband von Booten aus gekrautet, benötigen einen Mindestpegel. Einen Staubeirat, wie er gelegentlich gefordert wird, gebe es zwar nicht, so Rudolf. Aber der Gewässerbeirat des Kreises spreche grundsätzliche Fragen durch und gebe Richtlinien des Handelns.

Das Wehr in Golzow habe neben  der Gewässerunterhaltung auch noch eine andere, wichtige Funktion. Errichtet im Richtgraben kurz unterhalb des Abzweiges des Schleusengrabens vom Alten Strom, reguliert man damit die Wassermenge, die weiterhin nach Norden im Richtgaben fließt. Beim Friedrichsauer Bahnhof vereinigt er sich mit dem Genschmarer Seeabfluss zum Hauptgraben. Hinzu kommt die Menge Wasser, die über den Schleusengraben nach Westen zur Gusower Alten Oder fließt.

Die Regulierungsmöglichkeiten beider Wehre müsse erhalten blieben, betont Rudolf. Deshalb könne man sie auch nicht, wie beim Manschnower Mühlwehr, durch eine raue Rampe ersetzen. "Die Entscheidung, wo welche technische Lösung umgesetzt wird, ist ganz von der jeweiligen Situation abhängig", erläutert der Wasserbauspezialist.

Jedes Wehr, aber auch jede raue Rampe, sei ein Hindernis für  Tiere, die zum Laichen oder zur Nahrungssuche in den  Altgewässern der Oder auf Wanderschaft sind. Im Oderbruch sind einschließlich des großen Hohensaatener Wehres in den vergangenen Jahren viele Fischtreppen gebaut worden. So wird das auch Letschin und Golzow erfolgen.

Diese Fischtreppen werden, ähnlich wie am Zechiner Wehr in Höhe Freibad, in Nebengräben angelegt. Über diese Anlagen könnten künftig auch die Quappen wieder im Oderbruch häufiger anzutreffen sein. Dort galten sie vor allem vor der Trockenlegung des Unteren Oderbruchs bis 1753 als "Brotfisch" und waren massenhaft heimisch.

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Stauanlage Thomas Frey Deichverband Martin Rudolf Wehr

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