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Erst war das Wasser wieder zu niedrig, dann zu hoch, nun Warten auf Reparatur. Die Saison gestaltet sich erneut schwierig.

Oderschifffahrt
Zefir kommt nicht vom Fleck

Harren im Hafen Słubice besserer Zeiten: Zefir-Barkeeper Patryk Guenther und zwei altgediente Binnenschiffer – Tadeusz Raduchała und Leon Cynk (v.l.). Insgesamt gibt es vier Kapitäne auf der Zefir. Alle drei Wochen ist Schichtwechsel.
Harren im Hafen Słubice besserer Zeiten: Zefir-Barkeeper Patryk Guenther und zwei altgediente Binnenschiffer – Tadeusz Raduchała und Leon Cynk (v.l.). Insgesamt gibt es vier Kapitäne auf der Zefir. Alle drei Wochen ist Schichtwechsel. © Foto: Nancy Waldmann
Nancy Waldmann / 15.06.2019, 09:30 Uhr - Aktualisiert 16.06.2019, 09:25
Frankfurt (Oder) (MOZ) Oderschifffahrt ist ein hartes Brot im 21. Jahrhundert. Die Kapitäne der Zefir Tadeusz Raduchała und Leon Cynk – zusammengerechnet haben sie 111 Binnenschifferjahre im Logbuch – können davon ein Lied singen. Wartend stützen sich die braun gebrannten Männer aus Cigacice und Nowa Sól auf das Geländer. Zwei Monate sitzt ihr Ausflugsschiff, auf dem sie drei Wochen im Monat wohnen, nun schon in Słubice fest.

Erst stand das Wasser zu niedrig – die Zefir braucht 110 Zentimeter. Dann stand es zu hoch. "Für die Zefir ist Hochwasser bis 4,50 Meter kein Problem. Aber die Anlegestellen waren bis vor zwei Tagen überflutet", sagt Leon Cynk. Kostrzyn zum Beispiel, wo die Zefir am Wochenende einlaufen sollte zum Fischfest. Nach Górzyca und Krosno konnten sie auch nicht. Die Zwangspause nutzte die Mannschaft, um drei Teile der elektronischen Steuerung auszubauen und und zur Reparatur nach Stettin zu geben. Nun wäre der Wasserstand gut – 1,81 Meter am Donnerstag – aber jetzt verspäten sich die Teile.

Laut Fahrplan wären sie diese Woche in Eisenhüttenstadt. "Früher konnten wir alles selbst machen. Aber mit den Schiffen ist es wie mit den Autos", sagt der 79-jährige Tadeusz Raduchała.

Dutzende Millionen Tonnen Kohle, Zement und Erz wurden in 70er Jahren von Schlesien bis Stettin verschifft. Jetzt fahre man eine Woche auf der Oder und treffe niemanden. "Da kann einem keiner helfen, wenn man auf Grund gelaufen ist", sagt er. Viel Wasser in der Oder bedeutet auch, das der Strom viel Sand mit sich führt.

Einer der neuralgischen Punkte liegt unter der Stadtbrücke an der Einfahrt zum Słubicer Hafen. Der Pfeiler sei beim Bau der Brücke ungünstig platziert worden, erklären die Kapitäne wie im Chor. Er steht mitten im Strom und bei viel Wasser häufe sich da der Sand in der Fahrrinne auf. "Das Löwenwerder müsste bis zum Brückenpfeiler reichen, dann wäre das kein Problem", sagt Raduchała. Die Wasserwacht in Słubice prüft zwar täglich den Wasserstand, kann die Stelle aber mit dem Boot "Kaska" nicht säubern. Solche Arbeiten müssten extra ausgeschrieben werden, so die Wacht. "Die müssten das nur für uns machen", sagt Cynk.

Die Kapitäne erzählen wie früher der Fluss reguliert wurde. Bei Niederschlag wurde Wasser in Rückhaltebecken im oberen Flusslauf gesammelt, um es bei zu wenig Wasser in den Strom zu lassen. So war für eine gleichmäßige Fließgeschwindigkeit gesorgt. Jetzt seien die  Rückhaltebecken in Schlesien verschlammt. Und auch die Buhnen würden auf polnischer Seite nicht gepflegt. "Wie wollen die die Oder auf Schifffahrtsklasse IV heben?", fragt Raduchała und spielt auf die Pläne der polnischen Regierung an, die die Oder wieder als Wasserstraße mit 2,80 Meter Wasserhöhe ausbauen will.

Die beiden alten Kapitäne haben noch einen jungen Mann mit an Bord. Patryk Guenther ist der Kellner an der Bar und wartet auf Gäste. Es gibt Kaffee, kalte Getränke und Bier.

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