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Im Institut für Mikroelektronik Frankfurt (Oder) arbeiten über 300 Menschen, ein guter Teil davon Wissenschaftler. Jeden Tag forschen sie an innovativen Lösungen für die Luft- und Raumfahrt, die Biotechnologie, die Automibilindustrie oder die Medizin. Finanziert wird das jährlich gut 30 Millionen teure Prestigeprojekt vom Land Brandenburg, dem Bund und aus Fördermitteln der EU.

© Foto: Heinz Köhler

Elektromobilität
Surrend mit dem E-Auto durch Frankfurt (Oder)

Jan-Henrik Hnida / 12.02.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 12.02.2020, 10:46
Frankfurt (Oder) (MOZ) Es ist Rot an der Kreuzung im Zentrum. Der Fahrer rechts neben mir schaut aus seinem Mercedes rüber, spielt mit dem Gas. Die Ampel springt von Gelb auf Grün – ich bin Erster.

Denn solange der Benziner noch mit seiner Drehzahl beschäftigt ist, hat der Elektromotor sofort seine Leistung abrufen können. Auf leisen Rädern surrt der Renault Zoe die Straßen entlang. Warnende Geräusche gibt er nur von sich, um Fußgänger beim Abbiegen auf sich aufmerksam zu machen.

Mit dem baldigen Bau von Teslas Gigafactory in Grünheide schaute sich die MOZ in der Oderstadt in puncto Elektromobilität um. "Können Sie Automatik fahren?", ist die erste Frage von Frank Krienke, Leiter der MOZ-Hausverwaltung, als ich mir zum ersten Mal unser Elektroauto ausleihen möchte. Ja, kann ich. P steht für Parken, R für Rückwärts und D für Dauer – also vorwärts. Und alles mit dem rechten Fuß.

Seit Jahresbeginn hat die MOZ zwei batteriebetriebene Dienstfahrzeuge mit einer Leistung von 52 Kilowattstunden. Die 70 PS schaffen 135 km/h in der Spitze. Nach Berlin-Mitte und zurück wird es im Winter knapp. Die volle Batterie reicht für 250 Kilometer, doch nur die Standheizung lässt bereits 20 Kilometer des E-Tanks schrumpfen. Zeigt die Seite www.ladenetz.de in der Hauptstadt mindestens 30 Ladepunkte an, muss das E-Vehikel von Königs Wusterhausen bis nach Frankfurt durchhalten, denn erst beim IHP in Markendorf kann wieder geladen werden.

Immerhin hat sich die Zahl der Elektrofahrzeuge in der Oderstadt innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. 2018 waren es 19, nun sind es 44 E-Autos. Bei der Anzahl öffentlicher Ladesäulen hat sich weniger getan. Die am Marktplatz ist in 2013 die erste in Frankfurt gewesen. Später kamen im Parkhaus der Lennépassagen (erstes Deck) zwei Ladestationen hinzu. Diese werden von den Stadtwerken betrieben.

"Wir sind in Frankfurt Vorreiter in E-Mobilität", sagt Marvin Jahn. So selbstbewusst kann der 20 Jahre alte Assistent der Geschäftsführung bei Elektro-Jahn wohl zurecht auftreten, ist doch der Firmen-Fuhrpark in den vergangenen fünf Jahren auf sechs Elektro- und drei Hybrid-Fahrzeugen angewachsen. Auf dem Firmengelände  selbst gibt es zurzeit sieben Ladestationen, mit Aussicht auf weitere. Geschulte Mitarbeiter graben mehrere Löcher an einer Halle für die Ladepunkte. Drinnen steht ein großer Energiespeicher, mit dem nachts die Fahrzeuge mit Öko-Strom betankt werden. Zukünftig will Elektro-Jahn 80 bis 100 Prozent seiner Flotte elektrisch fahren lassen und beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur mithelfen. So vor kurzem in der Martin-Opitz-Straße geschehen, wo nun per RFID-Karte an einer Säule geladen werden kann.

Zurück im Frankfurter Zentrum: Die Stadtverwaltung hat noch kein Elektroauto in ihrem Fuhrpark stehen, berichtet die Stadt-Pressestelle. Dafür werde mit den Stadtwerken, der Stadtverkehrsgesellschaft und der städtischen Dienstleistungsholding "aktiv an der Erstellung eines E-Mobilitätskonzeptes für Frankfurt" gearbeitet. Die Motivation: den CO2-Fußabdruck minimieren und die Klimaschutzziele der Stadt unterstützen.

Einen Tesla hat die SVF bereits im Einsatz, zwei bis drei weitere Neuanschaffungen in 2020 sind geplant. Die Mitarbeiter von Stadtwerken und Netzgesellschaft nutzen seit Jahren neben Erdgas- ebenso Elektrofahrzeuge. Ergänzend werden demnächst drei E-Bikes für dienstliche Fahrten im Stadtgebiet eingesetzt. Bereits seit fünf Jahren gehören 19 Elektrofahrzeuge – so genannte Street-Scooter – im Frankfurter Zustellstützpunkt der Deutschen Post DHL zur Fahrzeugflotte, so Anke Blenn von der Berliner Pressestelle. Die Scooter werden in der Stadt sowie in umliegenden Orten bzw. Ortsteilen  – wie Booßen, Kliestow und in Lebus – bei der Auslieferung von Briefen und Paketen eingesetzt. Am Zustellstützpunkt werden die E-Fahrzeuge über Nacht wieder aufgeladen.

Die Europa-Uni will bei den in nächsten Jahren anstehenden Ausschreibungen für neue Dienstfahrzeuge – derzeit sind es zwei – prüfen, welche Antriebsart die umwelt- und klimafreundlichste ist, so Frauke Adesyian von der Uni-Pressestelle. Für die Mitarbeiter vom Markendorfer Klinikum wurden E-Ladestationen eingerichtet, an denen sie ihr Auto anschließen können, so Kati Brand von der Pressestelle des Klinikums. Bei der Brandenburger Polizei sind landesweit drei Elektrofahrzeuge sowie zwei Hybridfahrzeuge im Einsatz. Ab 2021 sollen weitere Fahrzeuge folgen.

Am Feierabend hänge ich unser MOZ-Auto auf dem Hof an unsere "Wallbox" (kleine Ladestation) – für vier Stunden.

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