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Mit To-do-Liste die Heimat entdecken

Er weiß, wie sauber und erfrischend das Wasser des Hohennauener-Ferchesarer Sees ist: Landespolitiker und Finanzminister Christian Görke badete schon darin.
Er weiß, wie sauber und erfrischend das Wasser des Hohennauener-Ferchesarer Sees ist: Landespolitiker und Finanzminister Christian Görke badete schon darin. © Foto: Ohlwein
Rene Wernitz / 16.04.2015, 16:31 Uhr
Rathenow (MOZ) Antalya, Ballermann und Warnemünde - irgendwie kennt man vieles schon. Indes ist für mich die Havelregion eine der exotischsten und fernsten Reiseregionen geblieben. Wieso? Weil sich Ausflüge in heimische Landstriche bestens verschieben lassen, auf Übermorgen, nächste Woche oder nächstes Jahr. Jetzt ist BUGA, Hunderttausende zieht es her. Und irgendwie stachelt das auch meinen touristischen Entdeckergeist an. Was ich sehen bzw. erleben will, was zu tun ist (englisch: to do), notiere ich auf einen großen Zettel, neudeutsch: To-do-Liste.

Essen steht nun ganz oben. Denn seit Jahren befahre ich mit Vorliebe die Landstraße über Marzahne, wenn es für mich als BRAWO-Redakteur zwischen Rathenow und Brandenburg an der Havel hin und her geht. Jedes Mal starre ich durch die Frontscheibe auf ein Schild, das in einer der beiden scharfen Kurfen in Mützlitz steht, einem der nachweislich ältesten Orte des Havellands, weil schon 1161 urkundlich erwähnt. Die Kreidetafel gehört dem Friesenhof, einer Gaststätte, die für Durchfahrende auf den ersten Blick kaum zu sehen ist. Um so besser liest sich, was auf dem Schild steht: Freitags ist Schnitzeltag! Sonntags gibt's Mega-Kohlroulade. Das will ich mir endlich schmecken lassen...

Bei Punkt zwei bin mir nicht sicher, was mir lieber ist: Steige ich an der Bundesstraße 188 bei Stechow-Ferchesar in eine einmotorige Maschine oder lieber in ein Segelflugzeug am Gollenberg in Stölln? Am besten beides. Oft genug hörte ich vom Fluggenuss oder las davon in der eigenen Zeitung. Im Motorflieger kann man nun sogar in anderthalb Stunden die gesamte BUGA-Havelregion von oben sehen. Wenn das doch der alte Lilienthal hätte auch erleben können. Er stürzte bekanntlich 1896 mit seinem Gleiter in Stölln ab.

Abtauchen steht derweil an dritter Stelle auf meiner To-do-Liste. Kaum zu glauben, seit Jahren schon will ich selbst mal in den Hohennauener-Ferchesarer See springen. Tat es aber nie. Von acht ständig geprüften EU-Badestellen im Landkreis Havelland befinden sich vier an diesem so sauberen und einladenden Gewässer, in Hohennauen, Semlin, Ferchesar und Wassersuppe. Auch der Kleßener See hat so eine EU-Badestelle, an der das Gesundheitsamt des Landkreises regelmäßig die Wasserqualität auf Mikroben, Eintrübungen und pH-Wert untersuchen und die Ergebnisse an Hinweistafeln mitteilen lässt.

Gülpe steht an vierter Stelle meiner Liste, allerdings nicht wegen seines nach ihm benannten Sees, sondern wegen der Sterne. Die Milchstraße habe ich in klarer Winternacht schon gesehen. Es war bitterkalt. Jetzt will ich länger als fünf Minuten unter freiem Sternenpark-Himmel ausharren. Ob die Perseiden im August oder der jetzt bis 25. April an der Erde vorbeiziehende Strom der Lyriden-Meteore Wünsche wahr werden lassen, wird sich zeigen. Ich freue mich auf jede Schnuppe in der westhavelländischen Dunkelheit. Die Kernzone des Sternenparks zieht sich bis Nennhausen, wo die Romantik zwar nicht erfunden, aber vor 200 Jahren intensiv gelebt wurde - Platz 5.

Schloss und Park sind Geburtsort der Undine, der Mutter aller märchenhaften Frauengestalten, die aus dem Wasser steigen. Friedrich de la Motte Fouqué hat die Quellnymphe im Jahre 1811 erfunden. Womöglich kann mir jemand vom Kulturverein in Nennhausen zeigen, wo sich Meister Friedrich von der romantischen Muse küssen ließ. Im Alten Gärtnerhaus kann ich mir sonntags eine Ausstellung über Fouqué ansehen. Ein Besuch des Parks bietet sich am 22. August an, wenn die Junge Philharmonie Brandenburg dort unter freiem Himmel zu einem Konzert gastiert. Ebenso musikalisch geht es am 5. September am Schloss in Kleßen zu. Das Gartenfest und das nahe Spielzeugmuseum sollten mich nun auch mal als Touristen in den Ort locken können. Platz 6 auf meiner Liste.

Außerdem muss ich den mit Abstand ältesten bekannten Havelländer kennenlernen. Dieser wurde schon vor rund 5.300 Jahren geboren. Sein Schädel kam 1967 in Milow ans Tageslicht. Inzwischen haben Experten dem Jungsteinzeitgreis ein Gesicht gegeben. Das ist in einem Filmbeitrag zu sehen, der im westhavelländischen Naturparkzentrum in Milow gezeigt wird.

Die NABU-Einrichtung am Zusammenfluss von Havel und Stremme ist insbesondere dafür bekannt, dass sie den hiesigen Lebensraum gut darstellt. Eine besonders wichtige Rolle spielt die Havel, von der aus man ganz andere Blickwinkel auf den hiesigen Naturpark gewinnen kann. Eine Kanutour kommt auf Listenplatz 7.

Auf 8 hätte ich am liebsten BMX-Fahren in der "Halle" auf der Rathenower Magazininsel gesetzt. Doch den Parcours traue ich mir nicht zu. Wohl aber eine sanfte Tour auf dem Havelradweg, der mich von Bahnitz und Milow kommend über Böhne mit seinem heimatgeschichtlich bedeutenden Schwedenhaus nach Steckelsdorf führt, wo es auch einen See gibt. Und ein legendäres Eiscafé. Eine Magnum-Portion Eis mit Sahne setzte ich auf Platz 9.

Die Liste lasse ich an dieser Stelle mit einem Besuch in einem Gotteshaus enden, am besten wenn Musik erklingt. Am meisten reizt mich dafür die frühere Wallfahrtskirche in Buckow bei Garlitz, die mit einem Fisch auf und einer Uhr im Turm, die täglich um 16.30 Uhr aufgezogen werden muss. Wer derweil zu Gotteshäusern pilgern, also zu Fuß gehen will, was mir aber zu anstrengend ist, kann sich via Internet auf http://kirchenwege-havelland.de eine Route zusammenstellen.

Wenn ich meine Liste brav abarbeite, dürfte ich danach von außergewöhnlichen Reisevergnügen berichten können.

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