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Auf dem "Döberitzer Weg"

Am Pritzerber Weg in Gräningen steht dieser alte Wegweiser. Es geht ins Grüne.
Am Pritzerber Weg in Gräningen steht dieser alte Wegweiser. Es geht ins Grüne. © Foto: wernitz
Rene Wernitz / 30.01.2017, 09:43 Uhr
Bamme/Gräningen (MOZ) Manch Durchreisenden erstaunt in Bamme der Straßenname "Döberitzer Weg". Ja, wo mag dieser wohl hinführen? Google Earth zeigt zwischen dem Grün der Bäume einen Weg, der sich tatsächlich nach Döberitz schlängelt. Ein Vermächtnis aus vorchristlichen Zeiten?

Obgleich erst im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt, weiß man über Bamme, dass der der heutige Ortsteil der Gemeinde Nennhausen uraltes Siedlungsgebiet darstellt. Ein slawischer Ringwall, außerhalb des Dorfs in Richtung Rathenow gelegen, stammt aus dem 7./8. Jahrhundert nach Christus und stellt ebenso ein Bodendenkmal dar wie ein Gräberfeld der Bronzezeit, mit der ein Zeitraum von etwa 2.200 bis 800 vor Christus gemeint ist. Jahrtausende davor gab es dort auch schon Siedlungen (Mittelsteinzeit/Mesolithikum). So steht es in der Denkmalliste auf www.bldam-brandenburg.de.

Die Landstraße, auf der man heute zwischen Brandenburg an der Havel und Rathenow pendelt, gab es vor tausend Jahren und früher so noch nicht. Die Menschen kamen wohl auf Pfaden bzw. ausgetretenen Wegen voran. Vielleicht folgt auch die L98 einem uralten Pfad. Bekannt ist, dass diese beim "Waldparkplatz" die "Alte Heerstraße" schneidet, auf der es nach Süden hin nach Spolierenberg geht. Ein paar hundert Meter weiter südlich von diesem Miniort kreuzt die "Alte Heerstraße", den Waldweg nach Döberitz, wo im Umkehrschluss vom "Bammer Weg" die Rede ist. Und noch weiter südlich von Spolierenberg erreicht man Seelensdorf, von wo aus man zu jener Landstraße kommt, auf der es nach Westen zu nach Pritzerbe und nach Osten zu nach Marzahne geht, und noch weiter südlich liegt Hohenferchesar. Interessant an diesem Ort ist die Tatsache, dass die dortige Hauptverkehrsachse auch "Heerstraße" heißt. Wer ihr in Richtung Süden folgt, kommt nach Brielow und sodann weiter zur Altstadt in Brandenburg an der Havel.

Man hat wohl davon auszugehen, dass das Gebiet, wo im Mittelalter Seelensdorf entstand (erst 1375 erstmals erwähnt), schon viel früher von einem Weg in Nord-Süd-Richtung durchzogen wurde, aus dem später eine Heerstraße wurde. Seelensdorf ist übrigens auch mit Gräningen durch einen Weg verbunden. Die Bammer Nachbarn haben Wissenschaftlern ebenso etwas zu bieten: "Bei archäologischen Untersuchungen sind unter anderem auch Funde aus der Bronze- und Eisenzeit in der Dorflage festgestellt worden", wie es 2007 im Amtsblatt Nummer 7 des Landkreises Havelland hieß. Im sechs Jahre zuvor veröffentlichten Amtsblatt Nummer 9 war bereits von Siedlungsplätzen der Jungsteinzeit (5.500 bis 2.200 vor Christus), der Römischen Kaiserzeit (27 vor bis 284 nach Christus) und aus der Slawenzeit die Rede gewesen. Immer gleiche Pfade beschreitend, dürften auch dort die Menschen über Generationen Siedlungen verbindende Wege geschaffen haben.

Wegebeziehungen, die es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch gab, erschließen sich im sogenannten Brandenburgviewer auf http://bb-viewergeobasis-bb.de. Die im Startmotiv gezeigte Karte des Landes Brandenburg zoomt man hoch bis in den gewünschten havelländischen Bereich. Sodann sucht man in der rechtsseitigen Legende nach "Historisches" und setzt ein Häkchen bei "Schmettaukarten (1767-87). Diese alten Karten werden sozusagen übergestülpt, wodurch man auch sehen kann, wie es früher tatsächlich durch den Wald von Gräningen nach Seelensdorf ging oder von Bamme nach Döberitz, wo ebenso Siedlungen aus der Bronze- und Jungsteinzeit archäologisch nachgewiesen sind.

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