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Ur-Briesener
44 Jahre Kommunalpolitik

Freut sich auf mehr Zeit zum Angeln: Gerd Schindler verabschiedet sich nach 44 Jahren aus der Kommunalpolitik.
Freut sich auf mehr Zeit zum Angeln: Gerd Schindler verabschiedet sich nach 44 Jahren aus der Kommunalpolitik. © Foto: Stefanie Ender
Stefanie Ender / 21.05.2019, 06:30 Uhr
Briesen (MOZ) Ein dickes Fell braucht jemand, der so lange wie Gerd Schindler in der Kommunalpolitik mitwirkt. "Sie dürfen nicht leicht besaitet sein", sagt der gebürtige Briesener, der sich für seine Gemeinde politisch einsetzt, seit er 25 Jahre alt ist. Damals, es war das Jahr 1975, wurde er stellvertretender, hauptamtlicher Bürgermeister.

Ab 1980 rutschte er vom Stellvertreter- auf den Bürgermeisterposten, wurde SED-Mitglied und fand keine Zeit mehr für seine Hobbys. "Ich hatte mich als Vorsitzender im internationalen Jugendclub engagiert und bin als DJ durch die Lande gezogen. Daraus wurde dann nichts mehr", erzählt er lächelnd. Wenn Gerd Schindler von seiner Zeit in der Kommunalpolitik spricht, tut er das direkt und ohne Umschweife.  "Und dann kam die Wende", sagt er. Sein Lächeln verschwindet. Er erzählt von aufgewühlten Zeiten und davon, dass die Abgeordneten im vereinten Deutschland die demokratische Streitkultur erst noch lernen mussten. "Damals wurden die Bürgermeister durch die Gemeindevertreter und nicht direkt durch die Bürger gewählt", erklärt Schindler, der das Rennen nicht gewann. Erst 1993 wurde er wieder zum Briesener Bürgermeister gewählt.

"Viele sind nach der DDR-Zeit aus der kommunalen Politik verschwunden", sagt er und lehnt sich in seinem Sessel in Kersdorf zurück. Er ist geblieben. Er hat weiter gekämpft, um seine Gemeinde zu verbessern. "Ich habe, obwohl ich in der SED war, keine Partei vertreten, sondern eine liberale Linie. Sonst wäre ich heute kein Bürgermeister mehr", sagt der noch bis zur Neuwahl eines Nachfolgers amtierende Chef. "Wer Bürgermeister werden will, muss das ehrlich und ohne Angst tun und seine privaten Interessen zurückstellen", erklärt Schindler. Gegenwind habe auch er viel bekommen, sogar enge Freunde wegen politischer Uneinigkeiten verloren.

Mit der DDR verschwand in Briesen auch das Hauptamt des Bürgermeisters. "Ich wollte trotzdem weiter machen. Während der ersten Jahre hatte ich unwahrscheinlich was erlebt und viel Spaß gehabt. So dachte ich mir, mache ich es eben als Hobby weiter", sagt Schindler. Seinen zu DDR-Zeiten absolvierten Studiengang habe er als ein Diplom zum Verwaltungswirt angerechnet bekommen. Mit einem Aufbaustudium hätte er in der Hierarchie klettern können: "Ich wurde gefragt, ob ich in die Kreispolitik möchte, lehnte das aber ab. Mir war es immer wichtig, hier in  der Gemeinde zu wirken", so der verwurzelte Briesener, dessen Vater schon im Ort geboren wurde.

"Bürgermeister Schindler kenne ich noch aus Kindertagen", sagt eine Briesenerin, die am Gartenzaun mit ihrer Freundin schwatzt. Besonders freuen sich die beiden Frauen, dass er sich für ein neues Hortgebäude eingesetzt hat. In seiner letzten Gemeindevertretersitzung am Donnerstag wurde er von den Abgeordneten beglückwünscht. "Gerd wir danken dir für eine so gute Zusammenarbeit", sagte Bodo Blume und überreichte ein Geschenk.

"Die schönsten Momente sind die, wenn ich merke, Bürger und Abgeordnete freuen sich über mein Engagement", sagt der 67-Jährige, der von sich sagt, zufrieden aus dem Amt zu gehen. Und wie geht es nach der Kommunalpolitik weiter? Schindler hat Reisepläne im Kopf und seine Angel auf Vordermann gebracht. "Ich kann mich bald wieder mehr meinen drei Enkeln und den Hobbys widmen", sagt er lachend. Als DJ wird er nicht mehr auftreten, er macht nur noch Privatdisco. "Die habe ich auf meinem iPhone", sagt er lachend.

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