Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bundespräsident
Steinmeier in Griechenland: Nazi-Verbrechen unvergessen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender kommen auf dem Eleftherios-Venizelos-Flughafen Athen an.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender kommen auf dem Eleftherios-Venizelos-Flughafen Athen an. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
dpa-infocom / 11.10.2018, 07:30 Uhr
Athen (dpa) Mit der Fahrt zu einem ehemaligen Konzentrationslager in der Nähe von Athen beginnt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier heute seinen Staatsbesuch in Griechenland. Danach ist ein erstes Treffen mit Präsident Prokopis Pavlopoulos angesetzt.

Auch Gespräche mit Ministerpräsident Alexis Tsipras und Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis sind vorgesehen. Im Beisein der beiden Präsidenten werden Familienministerin Franziska Giffey und ein griechischer Regierungsvertreter ein Abkommen über ein deutsch-griechisches Jugendwerk paraphieren.

Am Freitag reist der Bundespräsident zum Abschluss seines Besuchs gemeinsam mit Pavlopoulos in dessen Heimatstadt Kalamata.Im ehemaligen Lager von Chaidari will Steinmeier der griechischen Opfer während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gedenken. Von 1941 an fielen in Griechenland zahlreiche Menschen Gräueltaten der Deutschen wie Massenerschießungen zum Opfer. Allein 60.000 bis 70.000 jüdische Griechen wurden ermordet.

Im kollektiven Gedächtnis vor allem der Athener ist Chaidari als eine Art «Vorzimmer zum Tod» präsent. In den Jahren der Besatzung von 1941 bis 1944 wurden dort hunderte Widerstandskämpfer interniert, wieder herausgeholt und später in Vernichtungslagern etwa in Osteuropa hingerichtet. Von Chaidari aus starteten Transporte von Juden aus dem Süden und Westen Griechenlands nach Auschwitz.

Am stärksten in Erinnerung der Athener bleibt die Hinrichtung von 200 Widerstandskämpfern und Kommunisten am 1. Mai 1944. «Die Erde konnte das vergossene Blut nicht aufsaugen», sagten Augenzeugen nach der Befreiung.

Die Verantwortung für Verbrechen während der deutschen Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg dürfte deshalb bei dem Besuch Steinmeiers ein wichtiges Thema werden. Es wird damit gerechnet, dass die umstrittene Forderung nach Reparationszahlungen in dreistelliger Milliardenhöhe erneut vorgebracht wird. Das Thema belastet die deutsch-griechischen Beziehungen seit Jahrzehnten. Die Bundesregierung hält die Forderung durch ein Abkommen von 1960 für rechtlich erledigt.

Kompromissmöglichkeiten könnte es dagegen bei der griechischen Forderung nach Rückzahlung einer von Nazi-Deutschland erhobenen Zwangsanleihe geben. Hier ist von einer Summe von rund zehn Milliarden Euro die Rede - die Berechnung der Zinsen ist aber kompliziert und strittig.

Zur Entspannung des deutsch-griechischen Verhältnisses war beim Staatsbesuch des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck 2014 die Schaffung eines «Zukunftsfonds» und des jetzt auf den Weg gebrachten Jugendwerks vereinbart worden. Bisher sind in den Zukunftsfonds jährlich rund eine Million Euro geflossen. In Berlin heißt es, die Nachfrage übersteige die zur Verfügung stehenden Mittel.

Die Situation der jungen Menschen in Griechenland angesichts anhaltend hoher Jugendarbeitslosigkeit ist ein weiteres zentrales Thema während des Staatsbesuchs. Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender nehmen am Donnerstag an einer Diskussion über «Jugend in Europa» teil. An der Universität von Athen wird dem Bundespräsidenten die Ehrendoktorwürde verliehen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG