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Immobilie
Stadt Oranienburg will Haus vom Landkreis übernehmen und der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung stellen

Das 300 Jahre alte Gebäude bildet zusammen mit dem ehemaligen Forsthaus und dem Regine-Hildebrandt-Haus ein Denkmalensemble in der Sachsenhausener Straße.
Das 300 Jahre alte Gebäude bildet zusammen mit dem ehemaligen Forsthaus und dem Regine-Hildebrandt-Haus ein Denkmalensemble in der Sachsenhausener Straße. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 21.04.2020, 15:13 Uhr - Aktualisiert 21.04.2020, 20:42
Oranienburg (MOZ) Oranienburg. Die Stadt Oranienburg will dem Landkreis das denkmalgeschützte Gebäude in der Sachsenhausener Straße 2 abkaufen und wieder der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung stellen. Die hatte das von Schwamm befallene Haus 2017 verlassen und nutzt seither provisorisch ein Ladenlokal der städtischen Woba gleich gegenüber. Die Stadt würde dem Landkreis damit eine Bauruine sowie das Problem zur Unterbringung der Gemeinde abnehmen. "Deshalb wollen wir nur einen symbolischen Preis zahlen und hoffen auf weitere Förderung durch den Landkreis", sagt Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos).

Die Zeit für die Übertragung der Immobilie an die Stadt drängt. Denn Fördermittel zur Stadtsanierung, die für die Haussanierung verwendet werden sollen, stehen bereit und müssen noch in diesem Jahr ausgegeben werden. Landrat Ludger Weskamp (SPD) sagte am Dienstag, er unterstütze die Pläne der Stadt. "Der Landkreis hat ein großes Interesse daran, dass das stadtprägende Gebäude in der Sachsenhausener Straße erhalten bleibt", so Weskamp und sagte eine Unterstützung bei der Herrichtung des Gebäudes für die Jüdische Gemeinde zu. Allerdings muss auch die Gemeinde selbst noch zustimmen.

Balken von Schwamm befallen

Der Landkreis ist Eigentümer des mehr als 300 Jahre alten, unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkgebäudes, zu dem ein 240 Quadratmeter großes Grundstück gehört. Der Landkreis hatte das Haus 2003 per Erbbaurechtsvertrag der Jüdische Gemeinde "Wiedergeburt" Landkreis Oberhavel e.V. überlassen. Die Gemeinde mit ihren fast 150 Mitgliedern nutzte das Haus als Gemeindezentrum für Gottesdienste, als Büro und für Gemeindetätigkeiten. Als das Haus, in dem 2015 der damalige Bundespräsident Joachim Gauck zu Besuch war, 2017 saniert werden sollte, stellte sich heraus, dass Fachwerk und Dachbalken massiv von Schwamm befallen waren und dem Dach sogar der Einsturz drohte. Die Arbeiten ruhen seither, das Dach ist nur mit Folien abgedeckt, in den Hauswänden gibt es Löcher. Die Gemeinde hätte eine Sanierung nicht zahlen können, wurde aus dem Pachtvertrag entlassen und bekam bereits geleistete Sanierungskosten erstattet.

Seither bemüht sich die Gemeinde vergeblich um Ersatz. Zur Sprache kam dabei unter anderem das Grundstück an der Havelstraße, auf dem sich früher die Synagoge befand. Der Landkreis will die Fläche neben und hinter dem bestehenden dem Kreistagssaal mit zusätzlichen Büros und einem neuen Parlamentssaal, den künftig Kreistag und Oranienburger Stadtverordnetenversammlung nutzen sollen, neu bebauen. Nach jahrelangen Verhandlungen einigten sich Stadt und Kreis dazu auf einen Grundstückstausch: Der Kreis übernimmt die Brache zwischen Berliner Straße und Neringstraße, auf der zuletzt ein Haus der städtischen Woba gestanden hatte, dafür erhält die Stadt vom Kreis die ehemaligen OVG-Flächen in der Rungestraße. Für die Brache wird schon lange eine Einzelhandelsnutzung geplant. Die Notarverträge für den Tausch sollen am Freitag unterzeichnet werden.

Die Stadt ist ihrerseits um eine Lösung für die Jüdische Gemeinde bemüht, weil Stadt und Gemeinde sich beim Land um den Kauf der ehemaligen Polizeiwache in der Lehnitzstraße beworben haben. Die Stadt, die in dem Haus eine Kita einrichten will, hat ein kommunales Vorkaufsrecht. Das Land bat aber die Stadt darum, der Gemeinde ein Angebot zu machen. "Wir hatten nicht viele Optionen. Aber das Haus in der Sachsenhausener Straße wäre sicher eine sehr gute Lösung für die Gemeinde", sagt Laesicke. kd

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