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Pandemie
Neue App für Corona-Hilfe von Schülern in Neuenhagen

Jana Reimann-Grohs / 17.04.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 17.04.2020, 11:32
Petershagen-Eggersdorf/Hönow (MOZ) Wegen der gefürchteten Ausbreitung der Corona-Erkrankung "Covid-19" findet immer noch keine Schule statt. Dafür hält das Coronavirus derzeit viele Kinder und Jugendlichen zu Hause im Alltag mit Schulaufgaben und Vorbereitungen fürs Abitur auf Trab.

Den in den vier Wänden ihrer Elternhäuser "Gefangenen" kommt da jede Abwechslung gelegen, um sich von Pflichtaufgaben abzulenken – berichten zumindest zwei Schüler vom Einstein-Gymnasium Neuenhagen. Sie haben ein neues, digital gesteuertes Hilfsangebot entwickelt, um Abhilfe von Langeweile zu schaffen und nebenbei Gutes zu tun.

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Ab sofort kann jeder Betroffene in der Corona-Krise ihre Hilfe anfordern. Die Aufträge werden über ihre geschaffene App bei anderen Schüler verteilt. Von Botengängen und Einkäufen, Gassigehen mit Hunden, bis hin zur Erntehilfe bei Bauern in der Umgebung – es haben sich bereits 40 Helfer aus den 8. bis 12. Klassen des Einstein-Gymnasiums bereit erklärt, Unterstützung zu leisten. Die Schüler-Initiative mit großer Reichweite steht, wie viele andere Angebote auch, kostenlos zur Verfügung. Die Jugendlichen kommen aus den umliegenden Dörfern und können flexibel eingesetzt werden. Einige sind sogar motorisiert, um von einem Nachbardorf ins nächste zu fahren.

"Wir sind gespannt, ob unser Angebot angenommen wird und hoffen natürlich, dass sich möglichst viele bei uns mit unterschiedlichsten Bedürfnissen melden", sagt Schülersprecher Ansgar Reiff. Auch für den Sportboxer aus Eggersdorf (beim Boxklub Strausberg aktiv), begeisterten Leser von Sciencefiction-Romanen und neuerdings Hobbyschmied (der Schüler hat es sich selbst beigebracht) wäre solch ein helfender Einsatz eine Art Zeitvertreib und hielte seinen Tagesrhythmus aufrecht, berichtet er.

Ideen muss man haben

Not macht erfinderisch. Nicht, dass Ansgar Reiff und Enrico Nörenberg diese Umstände brauchten, um aktiv zu werden. Im Gegenteil: Sie sind sowieso ständig mit neuen zündenden Ideen am Werk. So bastelt Ansgar Reiff gerade an einem Hybrid-Raketenantrieb, mit dem er sich nach dem Abitur am renommierten MIT (Massachusetts-Institut für Technologie) in Cambridge (USA) bewerben möchte, um später in der Raumfahrt-Organisation zu arbeiten. Nur ungefähr 30 von 1000 Bewerbern werden jährlich angenommen, sagt der 18-Jährige. Nach mehreren Jahren Teilnahme beim Wettbewerb "Jugend forscht" und einem Auslandsjahr im amerikanischen Wisconsin wäre ein 48 000 Dollar-Stipendium am MIT für den Gymnasiasten trotzdem so etwas wie ein Sechser im Lotto. Dafür muss er jetzt die 11. Klasse wiederholen, während sein Kumpel Enrico kurz vor der Abiturprüfung in den Startlöchern zur Ausbildung als Anwendungsinformatiker mit Option auf ein Informatikstu-dium steht.

In seiner Freizeit programmiert Enrico Nörenberg aus Hönow-Dorf seit drei Jahren ständig Spiele oder Websites. Neben dem Lernen und Schlagzeug-Spielen geht der 18-Jährige derzeit sowieso für seine Eltern und Großeltern einkaufen, "um sie zu entlasten". Ansgars Vorschlag zur App-gesteuerten Schüler-Hilfe vor drei Wochen kam wie gerufen:  "Ich habe mich gefreut, auch mal ein Projekt zu machen, das nicht nur für mich, sondern auch für andere bestimmt ist."

Digitales Angebot

Beim Rasenmähen, Ende März, hatte Ansgar die Idee für eine digitale Steuerung von Hilfsangeboten. Mögliche einsetzbare Helfer für Menschen, die wegen der Corona-Krise nicht mehr außer Haus gehen können oder wollen, könnten doch über ein zentral gesteuertes Portal (die App) Aufträge entgegennehmen – war sein Plan. Nur zwei Tage später war die 25-Dollar-Lizenz bei Google gekauft, von Enrico das technische Gerüst dazu für Android- und Apple-Computersysteme gebaut, mit dem sich Jobs verteilen und annehmen lassen. Ansgar entwarf das Logo dazu. Die Entwicklung der App war dennoch bis heute eine Herausforderung, sagt Enrico Nörenberg: "Die Schwierigkeiten lagen für mich weniger im Programmierprozess selbst, als in der rechtlichen Abstimmung mit den App-Store-Anbietern."

Über Handzettel, Facebook und Instagram haben Ansgar und Enrico in den vergangenen zwei Wochen kräftig Werbung gemacht. Bisher hat sich niemand zurückgemeldet. Deshalb haben die Jungs bis zuletzt an der Bedienung gefeilt und ihren technischen Auftritt optimiert. Ab Sonnabend soll die Schüler-App aber öffentlich sichtbar sein und erste Aufträge verteilen.

Anforderung der Schüler-Hilfe über E-Mail: jobs@chelp.today oder Telefon: 0157 35925168

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