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Nur noch selten am Klavier
Christoph Eschenbach spielt am Sonnabend in Frankfurt

Das Instrument erweitern: Klavier und Dirigat gehört für Christoph Eschenbach zusammen.
Das Instrument erweitern: Klavier und Dirigat gehört für Christoph Eschenbach zusammen. © Foto: Manu Theobald
Christina Tilmann / 20.09.2019, 06:30 Uhr
Frankfurt (MOZ) Spätestens seit er 1982 mit Justus Frantz und Helmut Schmidt musizierte, kennt man ihn auch über den Konzertsaal hinaus. Der 1940 in Breslau geborene Christoph Eschenbach ist noch immer sehr aktiv: Gerade ist er zum Chefdirigenten des Konzerthausorchesters in Berlin ernannt worden, am Sonnabend spielt er in Frankfurt. Die Fragen stellte Christina Tilmann.

Herr Eschenbach, Sie  haben schon häufig mit dem Flötisten Stathis Karapanos zusammen musiziert. Wie sind Sie auf ihn aufmerksam geworden?

Stathis Karapanos hat mir schon vor ein paar Jahren auf Empfehlung das erste Mal vorgespielt. Ich habe ihm damals einige Vorschläge gemacht, wie er sich noch weiter entwickeln könnte. Nun hat er seinen höchsten Schritt auf der Leiter nach hartem, unerbittlichen Studium getan und ist ein fertiger Künstler.

Wie ist es, mit einem so jungen Künstler zusammenzuspielen? Empfinden Sie sich als Lehrer?

Es ist für mich immer wieder faszinierend, die Begabungen junger Künstler zu beobachten und zu verfolgen. Das Wort "Lehrer" ist da ein bisschen zu schwach. Besser ist die Bezeichnung "Mentor" und auf der Ebene, die Stathis Karapanos jetzt erreicht hat, ist das Zusammen-Musizieren eine einzige Freude.

Sie haben für Frankfurt ein ungewöhnliches Programm zusammengestellt. Was war der Leitgedanke?

Der Leitgedanke war Bach: Wir haben seine Sonaten gerade für CD aufgenommen; Barockmusik von der edelsten Art, wo der Flötist durch eloquente Phrasierung und Diktion zusammen mit besonders schöner Farbgebung ein erstklassiges Resultat erzielt. Demgegenüber fanden wir es interessant, dem Publikum einen spielerischen Kontrast aus der Opernwelt zu bieten, mit höchst virtuosem Anspruch: Die Fantasien über "Freischütz" des französischen Flötisten Claude-Paul Taffanel und diejenige über "Carmen" von Francois Borne. Auch der Anfang des Programms ist französisch: Das wunderbare Solostück "Syrinx" von Claude Debussy, überleitend in die drei Romanzen von Schumann, den Debussy besonders verehrte.

Zuletzt sind Sie ja mehr als Dirigent zu erleben – auch als neuer Chefdirigent des Konzerthausorchesters. Ist der Taktstock für Sie wichtiger als das Klavier?

Das Dirigieren war von meiner Jugend an wichtig: Ich wollte mein "Instrument" erweitern.

Sie sind weltweit auf Tour – gibt es so etwas wie eine (musikalische) Heimat für Sie?

Die musikalische Heimat ist jetzt Berlin geworden, mit seinem Reichtum an musikalischen Darbietungen wie in keiner anderen Stadt der Welt.

Was bedeutet ein Auftritt in Frankfurt für Sie?

Ich kenne Frankfurt (Oder) noch nicht. Aber die Oder kenne ich, denn ich bin in Breslau geboren. Insofern sehe ich dem Auftritt "an der Oder" und in der Stadt, die den Beinamen dieses Flusses trägt, mit großem Vergnügen entgegen.

"Das besondere Konzert": Konzerthalle "Carl Philipp Emanuel Bach", Frankfurt, Sonnabend, 19.30 Uhr, Karten Tel. 0335 4010120

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