Sie zählen und bestimmen die Tiere; vor allem aber spielen sie Taxi für ganz unterschiedliche Arten: Teichmolch, Moorfrosch, Knoblauchkröte ... die alle sind im Moment auf Wanderschaft. So ab März (je nach Wetter) machen sich die Tiere auf den Weg zu ihren Laichplätzen. In der Regel nehmen sie immer die gleichen. Und wenn ihnen dabei eine Straße im Weg ist, gucken sie leider nicht nach links oder rechts. Sie laufen einfach los - und werden oft zu Hunderten überfahren.
Deswegen hat der Nabu in Frankfurt schon vor 15 Jahren damit begonnen, an der Straße in Richtung Lossow Krötenzäune aufzustellen. Hier fließt auf der einen Seite der Straße ein kleiner Bach, in dessen Nähe unterschiedliche Arten wohnen. Ihre Laichplätze haben die meisten von ihnen dagegen in den Oderwiesen auf der anderen Seite. Und dazwischen fahren den ganzen Tag lang Autos ...
Ein Krötenzaun funktioniert so: Entlang der Zäune sind alle paar Meter Eimer in den Boden gegraben, in die die Tiere plumpsen. Sie werden dann vom Nabu über die Straße gebracht. Das gibt's nicht nur hier, sondern überall in Deutschland. Pro Jahr rettet das System Hunderttausenden Kröten und Fröschen das Leben, schätzt Giebermann. Aktuell sind einige schon auf der Rückreise: Sie haben ihren Laich abgelegt (aus dem erst Kaulquappen und dann neue Frösche und Kröten werden) und wollen jetzt wieder nach Hause. Dann plumpsen sie zum zweiten Mal in einen Eimer - und warten auf ihr Taxi.
Wer dort vorbeikommt, darf sich die Tiere ansehen, sollte sie aber nicht herausnehmen. Angefasst zu werden, ist Stress für die Tiere.
In diesem Jahr hätten sie bisher etwa 100 Frösche und Kröten über die Straße gebracht, schätzt Giebermann. Früher seien es viel mehr gewesen; dass die Zahl der Tiere zurückgeht, liegt vermutlich an der Umweltverschmutzung, ganz genau weiß man das noch nicht. Aber jedes einzelne gerettete Tier ist wichtig: Ein Erdkröten-Weibchen zum Beispiel kann zwölf Jahre alt werden und bis zu 8000 Eier legen - pro Jahr!
Neben den Autos haben Frösche und Kröten auch natürliche Feinde - Storch, Reiher und sogar der Fuchs verputzen sie gerne.
Der Mini-Frosch ist mittlerweile sicher auf die andere Seite gekommen. Statt panisch abzuhauen, sitzt er noch ein paar Minuten in der Sonne. Dann hüpft er langsam zu dem kleinen Bach, springt hinein und schwimmt davon. Bis nächstes Jahr!