Herr Wollenweber, was für Dinge werden eigentlich transportiert?
So ziemlich alles, was wir sehen, und vieles, was wir nicht sehen. Von Dosen-Erbsen über Fernseher bis hin zu Medikamenten. Und viele für uns unsichtbare Dinge, etwa Bauteile für Computer oder Autos.
Gibt es besonders schwierige Transporte?
Na ja, es gibt unterschiedliche Schwierigkeitsgrade: Lebensmittel, die gekühlt werden müssen wie Joghurt; Tiefkühlware, die zu keinem Zeitpunkt auftauen darf; Gefahrgut (etwa Chemikalien) und besonders wertvolle Sachen, etwa ein Laster voller Playstations.
Wie schützt man so etwas?
Zum Beispiel mit einem GPS-Sender; der sendet ein Signal, das verfolgt werden kann. Und der Laderaum könnte extra verschlossen werden, sodass eine unbefugte Person ihn gar nicht öffnen kann.
So, ich stell' mir vor, dass ich im Internet einen tragbaren CD-Player bestelle. Wie kommt der nun zu mir nach Hause?
Angenommen, dieses Produkt wird in einer Fabrik in China hergestellt. Von dort geht es per Laster oder Zug bis in den nächsten großen Hafen, wird dann mit dem Schiff nach Europa gebracht, etwa nach Rotterdam. Auf solch ein Hochseeschiff passen 20 000 Container! Von dort geht es wieder per Schiff, Laster oder Zug nach Deutschland und dann mit einem Transporter zum Kunden nach Hause.
Wie lange dauert das?
Von der Herstellung bis zur Haustür mindestens sechs bis acht Wochen.
Und wie kann es dann sein, dass ein großes Online-Warenhaus mir die Lieferung in einem einzigen Tag anbietet?
Amazon und ähnliche Anbieter haben riesige Lagerhäuser in ganz Europa; da werden viele Produkte auf Vorrat gelagert, damit sie das letzte Stück ihrer Reise dann ganz schnell schaffen.
Wahrscheinlich kann auf so einer Reise ziemlich viel schiefgehen, oder?
Die wichtigsten Risiken sind Beschädigung und Verlust, etwa durch Diebstahl. Für uns ist eine Verspätung natürlich auch ärgerlich - die meisten Bestellungen (95 Prozent) kommen aber pünktlich an.
Wie viele Laster fahren bei uns durch die Gegend?
In Deutschland sind 2,9 Millionen Lkw angemeldet. Man kann davon ausgehen, dass der Großteil davon täglich unterwegs ist. Dazu kommen zahlreiche ausländische Lkw.
Professor Jens Wollenweber arbeitet an der TH Wildau; er spricht bei der Frankfurter Kinderuni am 7. März, 16 Uhr; die Vorlesungen starten am 21. Februar; Infos und Anmeldung unter www. europa-uni.de/kinderuni