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Schock
Frankfurt trauert um Jörg Gleisenstein

Jörg Gleisenstein (1973-2019) im August 2018 bei einem Gespräch mit der Märkischen Oderzeitung, kurz nach seinem Amtsantritt als Dezernent für Stadtentwicklung.
Jörg Gleisenstein (1973-2019) im August 2018 bei einem Gespräch mit der Märkischen Oderzeitung, kurz nach seinem Amtsantritt als Dezernent für Stadtentwicklung. © Foto: Heinz Köhler
Thomas Gutke / 19.11.2019, 18:12 Uhr - Aktualisiert 20.11.2019, 07:05
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Nachricht erschüttert Angehörige, die Stadtverwaltung und das politische Frankfurt: Jörg Gleisenstein ist tot. Der Dezernent für Bauen, Stadtentwicklung und Umwelt verstarb am Montag völlig unerwartet im Klinikum Markendorf. Der Grünen-Politiker wurde nur 46 Jahre alt.

Jörg Gleisenstein befand sich nach ersten Erkenntnissen am Montagmorgen mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit, als akute gesundheitliche Probleme auftraten. Nach Angaben von Polizeisprecher Stefan Möhwald sei er dann offensichtlich auf dem Gehweg in der Lennéstraße zusammengebrochen. Passanten fanden Jörg Gleisenstein neben seinem Fahrrad liegend und setzten gegen 9.30 Uhr einen Notruf ab. Rettungskräfte brachten ihn ins Krankenhaus, "wo er trotz aller ärztlicher Bemühungen verstarb", wie die Polizeidirektion Ost bestätigte. Derzeit gebe es keine Hinweise auf ein Verkehrsunfallgeschehen. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei seien allerdings noch nicht abgeschlossen, so Möhwald.

Bereits am Montagabend ahnten viele Kommunalpolitiker, dass etwas passiert sein musste. Denn der für 17 Uhr angesetzte Wirtschaftsausschuss war kurzfristig und ohne Begründung abgesagt worden. "Wir waren unter diesen Umständen nicht in der Verfassung, eine Sitzung durchzuführen", berichtete Oberbürgermeister René Wilke später.

Er selbst sei am Montag im Laufe des Tages von einer Mitarbeiterin angerufen worden, die sich Sorgen machte, da Gleisenstein am Morgen nicht im Büro erschienen war. Im Klinikum habe er dann vom Tod seines Kollegen erfahren. "Wir alle sind tief geschockt. Er war so ein aufrichtiger, ehrlicher Kerl. Wir sind einfach nur sprachlos", so Wilke.

Jörg Gleisenstein war von 2008 bis 2018 Stadtverordneter für die Grünen, ehe er im Sommer 2018 als Dezernent berufen wurde. Zuletzt gehörte er zudem der Gruppe an, die in Potsdam für die Grünen den Koalitionsvertrag der neuen rot-schwarz-grünen Landesregierung mit aushandelte.

Am Dienstagmorgen versammelte der OB die Amtsleiter, um sie zu informieren. Dann veröffentlichte das Rathaus eine Medienmitteilung, in der René Wilke Angehörigen und Freunden im Namen der Verwaltung sein Beileid aussprach. "Mein Freund Jörg Gleisenstein lebt nicht mehr. Die Stadt Frankfurt (Oder) verliert damit einen Dezernenten, der seinen Fachbereich mit hoher persönlicher Glaubwürdigkeit und Zielstrebigkeit leitete. Die Stadtverwaltung verliert einen Kollegen, der fachlich und menschlich sowie mit enormem Fleiß stets überzeugte. Mit seiner inneren Ruhe, seinem feinen Humor und seiner großen Empathie war Jörg Gleisenstein ein Mann, der viel Gutes einzubringen hatte."

Auch Parteikollegen und Vertreter anderer Parteien reagierten bestürzt. Alena Karaschinski vom Grünen-Kreisverband schrieb am Dienstag: "Gestern erreichte uns die unfassbare Nachricht, dass unser Freund Jörg Gleisenstein, der Bündnisgrüne Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt, überraschend verstorben ist. Wir sind erschüttert und ringen immer noch um Fassung. Unsere Gedanken sind auch bei seiner Familie."

Kommunalpolitiker fassungslos

Jan Augustyniak, Vorsitzender der Frankfurter Linken, erklärte: "Der plötzliche Tod von Jörg Gleisenstein lässt uns traurig und fassungslos zurück. Mit Jörg haben wir einen Mitstreiter für eine bessere Welt verloren. Er war stets ein verlässlicher Partner und immer engagiert, wenn es darum ging, parteiübergreifende Verständigung zum Wohle der Menschen und für eine gerechtere Gesellschaft zu erreichen." Die Gedanken seien bei seinen Angehörigen und Freunden, politischen Weggefährten und Parteifreunden. "Jörgs Tod ist ein großer Verlust für alle, die ihn kannten, aber auch für unsere Stadt und unser Land. Wir werden Jörg nie vergessen!" Der Chef der Frankfurter CDU, Michael Möckel, hatte vom Tod von Jörg Gleisenstein bereits am Vorabend erfahren. "Wir sind schockiert darüber, dass jemand so plötzlich aus dem Leben geht. Seine ruhige, sachliche Art habe ich sehr geschätzt, er war stets verlässlich, nie polemisch, einfach ein angenehmer Zeitgenosse.  Er wird uns fehlen."

Auch der Sozialbeigeordnete und SPD-Unterbezirksvorsitzende Jens-Marcel Ullrich zeigte sich am Dienstag erschüttert. "Ich kann es noch nicht fassen, dass ein Mitstreiter an meiner Seite einfach nicht mehr da ist. Herr Gleisenstein war auch für die SPD ein immer verlässlicher Ansprechpartner, wenn es darum ging, unsere Stadt nach vorne zu bringen. Das Herz von Herrn Gleisenstein brannte parteiübergreifend für unsere Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger."

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