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Zum dritten Mal in Folge bleibt der Kreißsaal in Eisenhüttenstadt am Wochenende geschlossen.

Gesundheitspolitik
Hebammen dringend gesucht

Gut betreut: Hebammen helfen Schwangeren außerhalb und im Kreißsaal sowie vor und nach der Geburt.
Gut betreut: Hebammen helfen Schwangeren außerhalb und im Kreißsaal sowie vor und nach der Geburt. © Foto: Caroline Seidel/dpa
Janet Neiser / 05.12.2019, 17:30 Uhr - Aktualisiert 06.12.2019, 07:28
Eisenhüttenstadt (MOZ) Das dritte Wochenende in Folge wird der Kreißsaal des Städtischen Krankenhauses in Eisenhüttenstadt geschlossen sein. Von Freitag, 22 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, bleiben dort die Lichter aus und die Türen verschlossen. Der Grund? Hebammen-Mangel. Mit dem vorhandenen Personal – das Haus hat fünf Hebammen, eine davon war seit Mitte November krank – kann der Kreißsaal nicht durchgängig besetzt werden. Sechs Hebammen wären ausreichend.

Die Zukunft ist offen

Wie lange die Wochenend-Regelung gilt, steht derzeit in den Sternen. Zufriedenstellend ist dies für den Krankenhaus-Geschäftsführer keinesfalls: Till Frohne hält es für wichtig, dass Frauen der Region die Geburtshilfe-Betreuung auch künftig bekommen und es zu keiner weiteren Ausdünnung kommt. Zumal Eisenhüttenstadt auch die Frauen aus dem Bereich Guben betreut, wo es keine Geburtshilfe mehr gibt.

"Wir sind mit den umliegenden Krankenhäusern regelmäßig im Kontakt und haben um Unterstützung gebeten, aber da auch dort Hebammen fehlen, ist eine Kooperation nicht gegeben", erklärt Gisela Grinnus, Abteilungsleiterin Personal im Krankenhaus. Dass die Situation anderswo ebenfalls kritisch ist, zeigt der Fall, dass am vergangenen Freitag Eisenhüttenstadt um Hilfe bei der Besetzungen der Schichten im Kreißsaal aus dem Klinikum in Frankfurt gebeten wurde. "Das geht natürlich nicht", betont Till Frohne. Vor ein paar Jahren hingegen haben Eisenhüttenstädter Hebammen sehr wohl noch in Markendorf ausgeholfen.

Aktuell gibt es im Krankenhaus auch keine Bewerbungen von Hebammen. Der Markt scheint leer gefegt. Kontakt besteht mit fünf Personalagenturen, teilt die Personalchefin mit. Es habe auch schon Vorstellungsgespräche via Skype-Interview mit Hebammen aus dem europäischen Ausland gegeben. Bei den Bewerberinnen würden jeweils aber noch die Anerkennungs- und Prüfungsverfahren laufen, die Voraussetzung für eine Tätigkeit in Deutschland seien und erfahrungsgemäß noch einige Zeit dauern würden. "Aus Russland würden voraussichtlich bis zu vier Hebammen Ende Winter 2020 kommen, auch sie müssen dann noch die Anerkennungs- und Prüfungsverfahren durchlaufen. Deutschkurse werden sie bis dahin aber bestanden haben", erklärt Gisela Grinnus.

Vergütung wird aufgestockt

Nach der Schließung des Kreißsaals am Wochenende hatte es Kritik an der Bezahlung der Hebammen gegeben. Dazu teilt das Krankenhaus Eisenhüttenstadt mit: "Hebammen werden entsprechend unserem Tarifvertrag mit Ver.di vergütet. Für 2020 ist eine Aufstockung der Vergütung vorgesehen, tariflich, eventuell auch übertariflich, schon vor Neuverhandlung dieses Tarifvertrages."

Ein Beispiel aus Nauen (Havelland) zeigt, dass Druck seitens der Politik etwas bewegen kann. Dort wurde der Kreißsaal nach 14.Monaten Schließung wegen Personalmangels im November wiedereröffnet. Bürgermeister und Landrat hatten sich stark in der Sache gemacht. Eine Anfrage an das Rathaus Eisenhüttenstadt in Sachen Kreißsaal läuft.

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Werner Matzat 10.12.2019 - 16:55:03

Brauchen wir Hebammen aus Russland? - die Wirklichkeit heißt - mehr als 2000 Ärzte verlassen jährlich die Republik!

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht mindestens ein Unternehmer beklagt, vergeblich nach Personal zu fahnden. Dabei kann von einem Fachkräftemangel keine Rede sein – Unternehmen suchen einfach nicht richtig. Einer von ihnen ist Tom Völler. Der 27-jährige Mediziner forscht derzeit an der ETH Zürich; nach Ablauf seines Dreijahresvertrags will er zum Facharzt aufsteigen. Ob er dafür nach Deutschland zurückkehrt? Unklar. „Ich gehe dorthin, wo ich die besten Konditionen bekomme“, sagt der Familienvater. Dazu gehören für ihn neben einer Kinderbetreuung geregelte Arbeitszeiten und weniger Bürokratie. „Ich will als Arzt arbeiten“, sagt Völler, „nicht als Krankenhausorganisator.“ In Deutschland müssten Ärzte häufig Aufgaben übernehmen, die nichts mit der medizinischen Ausbildung zu tun hätten: Befunde anfordern, Verlegungen organisieren. In Großbritannien, nur zum Beispiel, würden derlei Arbeiten von Clinical Case Managern übernommen. Den Ärzten bliebe so mehr Zeit für ihre eigentliche Tätigkeit. Bürokratie, unzählige Überstunden und hohe Arbeitsbelastung sind die Hauptgründe, warum jährlich mehr als 2000 Ärzte die Republik verlassen. Sie stehen 4800 offenen Stellen für Ärzte gegenüber, die im Jahr 2016 der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wurden. Würden die Auswanderer bleiben, könnte der Mangel gemildert werden. (Artikel gefunden unter der Überschrift: Der Fachkräftemangel ist ein Mythos - von Kristin Schmidt, 01. November 2017) Quelle: https://www.wiwo.de/erfolg/management/fachkraeftemangel-der-fachkraeftemangel-ist-ein-mythos/20504844-all.html --- Die katastrophalen gesellschaftlichen Folgen, gerade auch von Eisenhüttenstädter Gesundheitspolitik, bei der Abwanderung von Fachkräften ins Ausland, werden dabei nicht einmal am Rande erwähnt wenn es um Deregulierung des Arbeitsmarktes und um explizite Lohnsenkung geht. Aber ist das nicht gerade der gewünschte Effekt der Globalisierung, immer dort die unregulierte Marktmacht zuzulassen wo es am billigsten ist? Ich muss bei diesem Artikel wieder einmal eine brutale Wahrheit aussprechen. Wir werden hier langsam zum Gespött in der Eisenhüttenstädter Agonie Zone. Noch weitere Fragen dazu?

Paul Müller 07.12.2019 - 11:04:06

Biber und Wolfsmanagern ...

... gehört die Zukunft ! :)

Mona Wahl 07.12.2019 - 10:48:38

ein schöner Beruf ----

und doch möchte kaum jemand vom ärztlichen Nachwuchs hier in Eisenhüttenstadt arbeiten...geschweige denn sesshaft werden...es gibt viele Gründe..(muss man hier nicht aufzählen...kann sich Jeder denken!!!).was in manchen Punkten auch nachvollziehbar ist.Ähnlich ist es bei neuen Ärzten in anderen Fachrichtungen, die medizinische Versorgung wird immer schwieriger ---

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