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Sommerserie
Schwimmende Putzteufel

Mario Merkel / 24.08.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 30.08.2018, 11:17
Frankfurt (Oder) Mit über 3000 natürlichen Seen ist Brandenburg das seenreichste deutsche Bundesland. Aber wie sieht eigentlich das Leben unter der Wasseroberfläche aus? Unsere Sommerserie lüftet einige Geheimnisse. Teil 9: die Filtrierer

Während Jäger wie Hecht und Barsch den Beutefischen aktiv nachstellen, Friedfische in Schwärmen fressend durch das Wasser ziehen, entwickelten einige Bewohner der Brandenburger Gewässer eine besondere Strategie der Nahrungsaufnahme. Auf Steinen oder Holz fest sitzend fischen sie das vorbeischwimmende Plankton aus der Wasserströmung. Dabei wenden die sogenannten Filtrierer durchaus unterschiedliche Methoden an. Die einen kämmen unentwegt mit ihren beweglichen Fangarmen das sie umgebende Wasser und sieben so die lebensnotwendige Kost aus. Die anderen pumpen das mit Nährstoffen geschwängerte Wasser in ihr Inneres und verwerten es.

Süßwasserschwämme, Muscheln und Moostierchen verbringen wahrlich Höchstleistungen und tragen einen unschätzbaren Wert bei der Reinigung der heimischen Gewässer bei. Zugegeben, bei meiner ersten Begegnung mit einem Süßwasserschwamm hatte ich keine Ahnung, was ich dort sah. Das kunstvolle Gebilde erinnerte eher an eine Pflanze. Sie hängen grünleuchtend an Zweigen toter Erlen und Weiden wie Misteln in unseren Bäumen. Sie kleben wie Eierkuchen platt und weißgelb an Holzpfählen und nackten Wänden. Oder sie bilden sich zu klumpenartigen Gebilden am Grund des Sees aus.

Bei genauem Hinschauen ist die typisch porige, schwammige Oberfläche zu erkennen. Schwämme sind sessile Tiere und durchaus häufig in Brandenburger Seen und Flüssen anzutreffen. Scheinen sie auf den ersten Blick zerbrechlich, überraschte mich, sie am Grund der Spree der Strömung trotzend anzutreffen. Eine wirkliche Augenweide sind bis zu einem Meter ausgewachsene, fingerförmige Süßwasserschwämme an Ästen alter im Wasser liegender Bäume. Vom einfallenden Sonnenlicht richtig in Szene gesetzt, sind sie eine unvergleichliche Pracht. Wenn zwischen ihnen stattliche Hechte ruhen, überzeugt die Schönheit der Unterwasserwelt.

Eingelagerte Algen zeichnen sich für die Grünfärbung der Schwämme verantwortlich. Eine erfolgreiche Symbiose, Schutz gegen Nahrung. Im Winter beginnen die Tiere zu „welken“. Sie verlieren ihre kräftige Färbung, und das aus Kieselsäure bestehende Skelett zerfällt. Kleine gelbe Perlen – die Brutknospen – werden in das Wasser entlassen und sichern die nächste Generation dieser bezaubernden Tiere.

Meist ragen nur die Siphons aus dem Sand. Die handtellergroße Teichmuschel hat sich mit ihrem kräftigen Fußmuskel tief eingegraben. Unentwegt pumpt sie das Wasser über die Kiemen in die Mundöffnung und scheidet es gereinigt wieder aus. Es lässt sich gut beobachten, wie Wassermilbe und Wasserfloh im Schlot der Muschel verschwinden.

Teichmuscheln zählen zu unseren heimischen Großmuscheln. Sie sind in der Regel Einzelgänger und für die Reproduktion des kleinen Fisches Bitterling als Kinderstube überlebensnotwendig. Die daumennagelgroße Dreikant- und Wandermuschel, häufige Vertreter der Kleinmuscheln, hingegen finden sich zu großen Kolonien zusammen und besiedeln nur jede erdenkliche feste Oberfläche, zum Leidwesen für Teichmuschel und Flusskrebs.

Muschelkolonien sind Tummelplatz für allerlei Kleingetier wie Garnelen, Flohkrebse und Grundeln. Muscheln laben sich am Plankton und stehen selbst ganz oben auf dem Speiseplan anderer Unterwasserbewohner. Mittlerweile sind auch Neuankömmlinge wie Quagga- und Körbchenmuschel in Brandenburger Seen zu beobachten.

Erst genaues Hinschauen offenbart die Faszination Moostierchen, ein Kleinstlebewesen des Süßwassers. Beim Tauchen fallen gallertartige, längliche Gebilde an Ästen und Wasserpflanzen auf. Sie scheinen auf den ersten Blick leb- und bewegungslos. Doch beim Betrachten der Bilder mit dem Makroobjektiv erkennt man das einzelne Moostier, welches geschützt in einer Chitinröhre lebt. Zum Fressen schiebt es seine hufeisenförmigen Fangtentakeln aus. Erbeutetes Plankton wird sofort zur Mundöffnung geführt und verwertet. Die Unterwasserwelt ist voller Leben.

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