Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Kulturerbesiegel Oderbruch

Kulturerbesiegel Oderbruch

Das Oderbruch ist der größte besiedelte Flusspolder Deutschlands. Mit der im 18. Jahrhundert begonnen Trockenlegung ist eine Kulturlandschaft entstanden, die zu den einzigartigsten Kleinlandschaften Europas zählt.

© Foto: Matthias Lubisch

Kulturerbe Oderbruch angenommen

Großes Interesse: Aus vielen Oderbruchdörfern waren die Gäste nach Letschin gekommen.
Großes Interesse: Aus vielen Oderbruchdörfern waren die Gäste nach Letschin gekommen. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 28.11.2015, 04:00 Uhr
Letschin (MOZ) "Eine Stunde Oderbruch" war das Motto der Auftaktveranstaltung zum Projekt "Kulturerbe Oderbruch", das sich die Beantragung des europäischen Kulturerbesiegels auf die Fahnen geschrieben hat. Ziele sind ein Leitbild, die Zusammenarbeit der Gemeinden und die touristische Vernetzung.

Von den Schönheiten, der Vielfalt und den Widersprüchen des Oderbruchs können viele ein Lied singen: Landwirte, Einwohner, Beamte, Gästeführer oder Gastwirte. Aber wenige können es so schön wie Heike Matzer und Kenneth Anders. Die beiden führten musikalisch in das Thema ein, indem sie sowohl die Schönheit der Oderbruchweiden als auch die allseits bekannten "Eigenarten" der Kleinstaaterei im Oderbruch besangen. Im Hintergrund lief eine Diashow mit originell bearbeiteten Oderbruchmotiven. Am augenfälligsten war dann eine gespielte Szene, in der es darum ging, ob die heutigen Oderbrücher überhaupt ihr "Kulturerbe Oderbruch" antreten wollen. Als die Antwort zunächst eher ablehnend war, wurde der Notar dann doch nach den Konsequenzen gefragt. "Die sind ganz einfach: dann wird wieder alles unter Wasser gesetzt. Diese Liquidation kostet nichts und ist ökologisch sinnvoll!"

Mit dieser Aussicht vor Augen war denn doch die Antwort klar: Die Erbschaft des Alten Fritz sollte angetreten werden.

Was im Einzelnen nicht so einfach ist. Michael Böttcher, der Letschiner Bürgermeister hatte beim Landschaftstag am 11. April in Wriezen die Initiative zum Projekt gestartet, warb darum, dass sich noch mehr Gemeinden anschließen. Ziel sei es, dass alle Kommunen zwischen Oderberg-Hohensaaten und Lebus-Küstrin mit im Boot sitzen und sich zu einem Leitbild bekennen, das dann auch Grundlage des Erbesiegel-Antrages werden kann.

Gudrun Wendt, sie betreut den Landschaftsfonds der Stiftung Oderbruch, machte deutlich, dass es nicht um eine romantische Verklärung überlebter Verhältnisse gehe. "Ich bin selbst in Altwriezen auf einem Bauernhof aufgewachsen und lebe dort heute noch. Die Landwirtschaft muss eine bedeutende Rolle in diesem Projekt spielen." Umso mehr bedauerte Michael Böttcher den Umstand, dass sich die größten Landeigentümer im Oderbruch, wie die KTG und Odega, noch nicht für die Initiative interessiert haben. Um so mehr freue er sich darüber, dass mit Martin Porath auch der Geschäftsführer des Gewässer- und Deichverbandes seine Mitwirkung in dem Prozess erklärt hat.

Tobias Hartmann und Heike Schönherr, beide arbeiten ehrenamtlich in der Akademie für Landschaftskommunikation an der Projekterstellung, benannten Themenfelder, die eine Rolle spielen müssten. Dazu gehören die Entwässerungsstruktur, die Denkmale, die handwerklichen Traditionen, die Kolonistenkultur und die aktive Zivilgesellschaft. Sie ermunterten die Teilnehmer, auch aktiv dazu beizutragen, die erzählte Geschichte zu bewahren und die als künftige Satelliten des Freilichtmuseum Altranft angesehenen Heimatstuben, Ateliers und Kleinmuseen zu unterstützen. "Möglicherweise ist es gar nicht das Ergebnis, das Erreichen des Kulturerbesiegels, das so entscheidend ist, sondern der Prozess dahin, das Bewusstwerden und das Selbstverständnis der Erbeaneignung", erklärte Heike Schönherr.

Kenneth Anders, er hat den Begriff der Landschaftskommunikation für solche Prozesse geprägt, warnte ausdrücklich davor, das Projekt als bloße Vermarktungsstrategie für Tourismus und landwirtschaftliche Produkte anzusehen. Dass Tourismus und Landwirtschaft von einem somit kreierten gemeinsamen Leitbild für das Oderbruch profitieren, sei lediglich ein wichtiger Nebeneffekt, nicht das Hauptmotiv.

Auf Nachfrage von Günter Dannegger aus Altlangsow, der auf die polnischen Anteile am Oderbruch hingewiesen hatte, versicherte Anders, dass dies durchaus im Blickfeld sei. Ohne die Randgebiete sei die Entwicklung des Oderbruchs ohnehin nicht darstellbar. "Aber die Antragsverfahren sind ohnehin sehr kompliziert. Wir werden auf die polnischen Partner zugehen, wenn wir wissen, was wir selbst wollen." Dieses Herangehen konnte Barnim-Oderbruchs Amtsdirektor Karsten Birkholz nur begrüßen. "Wenn wir heute mit unkonkreten Vorstellungen dort ankommen, dann hört man uns erst gar nicht an."

Auf Nachfrage von Martin Fritzsch, bis wann die nächsten Arbeitsabschnitte abgearbeitet werden sollen, machte Kenneth Anders deutlich, dass der Großteil ehrenamtlich erledigt werde. Die von den beteiligten Gemeinden in den Landschaftstfonds der Oderbruchstiftung eingezahlten Mittel dienten lediglich dazu, benötigte Gutachten zu finanzieren. Termine gebe es noch nicht.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG