Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Kulturerbesiegel Oderbruch

Kulturerbesiegel Oderbruch

Das Oderbruch ist der größte besiedelte Flusspolder Deutschlands. Mit der im 18. Jahrhundert begonnen Trockenlegung ist eine Kulturlandschaft entstanden, die zu den einzigartigsten Kleinlandschaften Europas zählt.

© Foto: Matthias Lubisch

Landeskonservator Jörg Haspel warb dafür, dass Eisenhüttenstadt mit Städten, die eine ähnliche Geschichte haben, zusammenarbeitet

Vorschlag
Kulturerbe im europäischen Verbund

Stefan Lötsch / 18.04.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 18.04.2018, 10:00
Eisenhüttenstadt (MOZ) Jörg Haspel, Direktor der Landesdenkmalbehörde in Berlin hat kürzlich im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR dafür geworben, dass sich Eisenhüttenstadt für das Europäische Kulturerbesiegel bewerben soll. Dafür sei aber eine Zusammenarbeit mit Städten, die eine ähnliche Geschichte haben, erforderlich.

Dass Eisenhüttenstadt irgendwann einmal auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe auftauchen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Bei einem Vortrag im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR hat Jörg Haspel, Landeskonservator und Direktor der Landesdenkmalbehörde in Berlin, jüngst diese Frage aufgeworfen. Haspel, der auch Vorsitzender der deutschen Sektion des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS) ist, der die UNESCO berät, machte deutlich, dass bei den Weltkulturerbestätten jetzt schon ein deutlicher Überhang in Europa besteht. Von den derzeit 1072 Stätten lägen alleine 42 in Deutschland. Für deutsche Bewerbungen sehe es da eher schlecht aus. Auch wenn Haspel nachwies, dass es in der Liste nicht nur bei der weltweiten Verteilung eine Umwucht zugunsten Europas und Nordamerikas gebe. So seien verschiedene Aspekte dort vielmehr nicht oder nur sehr gering berücksichtigt. Jörg Haspel nannte das Nachkriegserbe, auch der Bereich von Ost- und Mitteleuropa sei nicht repräsentiert.

Der Landeskonservator will damit Eisenhüttenstadt nicht eine kulturhistorische Bedeutung absprechen. Eisenhüttenstadt als Stadtdenkmal und Neugründung nach dem Krieg stehe in der Tradition urbaner Utopien, von Idealstädten bzw. Gründungsstädten. Als Beispiele nannte er Mannheim und Karlsruhe. Es handele sich um eine Neustadtgründung nach dem 2. Weltkrieg wie Wolfsburg. Und schließlich sei die Stadt ein Schlüsseldenkmal für ein industriell gebundenes sozialistisches Planstadtkonzept.

Vor allem der letztere Aspekt veranlasst Jörg Haspel dazu, den Blick auf das „Europäische Kulturerbesiegel“ zu richten. Dieses gibt es seit 2006. Es hat längst nicht die Bedeutung des Weltkulturerbesiegels, hat aber auch einen anderen Ansatz. Auswahlkriterium ist vor allem der symbolische Wert der Stätten für eine gemeinsame europäische kulturelle Identität. In Deutschland zählen das Hambacher Schloss sowie die historischen Rathäuser in Münster und Osnabrück als Orte des westfälischen Friedens zu den Stätten, die das Siegel erhalten haben.

Der Experte sieht da die Bedeutung von Eisenhüttenstadt im Zusammenhang mit anderen Stadtgründungen nach dem Krieg in Osteuropa. „Eisenhüttenstadt ist zwar singulär in Deutschland, aber in Osteuropa gibt es vergleichbare namhafte Architektur.“ Mit Nova Huta (Polen), Dimitrowgrad (Bulgarien) und Dunaújváros (Ungarn) entstanden nahezu zeitgleich weitere industrielle Planstädte als „Leuchtturmprojekte“ der sozialistischen Aufbauperiode.

Die Chancen für Eisenhüttenstadt stünden nicht schlecht. „Sie haben alles, was man für ein Kulturerbe-Siegel braucht“, sagte Jörg Haspel und warb dafür, die Kooperation mit den anderen Städten zu suchen. Gerade diese Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ist ein Kriterium für die europäische Auszeichnung. Als Beispiel nannte er die Werkbundsiedlungen, von der es eine unter anderem in Stuttgart gibt aber auch in anderen Ländern.

Dieser Austausch zwischen den Städten wäre eine Voraussetzung, um sich erfolgreich zu bewerben. Immerhin, was Jörg Haspel nicht eigens erwähnte, besteht zwischen Dimitrowgrad und Eisenhüttenstadt schon seit 1958 eine Städtepartnerschaft. Darüber hinaus sollten die Städte nicht damit rechnen, dass ihnen andere den beschwerlichen Weg abnehmen, die Bewerbungsunterlagen zu erstellen. „Es muss eine Bewegung von unten geben“, sagte der Experte. Beispiel dafür gibt es in Nowa Huta. „Es gibt keine Erfolgsgarantie. Aber ich ermutige sie, den Weg zu gehen“, sagte Haspel zum Abschluss seines Vortrages.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG