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Kulturerbesiegel Oderbruch

Kulturerbesiegel Oderbruch

Das Oderbruch ist der größte besiedelte Flusspolder Deutschlands. Mit der im 18. Jahrhundert begonnen Trockenlegung ist eine Kulturlandschaft entstanden, die zu den einzigartigsten Kleinlandschaften Europas zählt.

© Foto: Matthias Lubisch

Im Rahmen der 670-Jahr-Feier von Groß Neuendorf erhält der jüdische Friedhof das Kulturerbesiegel des Oderbruchmuseums Altranft.

Brauchtum
Kultursiegel als Zeichen gegen Unkultur

Ulf Grieger / 05.05.2019, 21:53 Uhr - Aktualisiert 06.05.2019, 18:32
Letschin (MOZ) Mit seiner 670-Jahr-Feier hat der Letschiner Ortsteil Groß Neuendorf einen würdigen Rahmen für die bereits zweite Übergabe eines Kulturerbesiegels im Rahmen der Bewerbung des Oderbruchs als Europäisches Kulturerbe gefunden.

Auch aus umliegen Ortsteilen waren am Sonnabend Gäste in die Kirche gekommen, wo sie von Pfarrer Frank Schneider, Ortsvorsteherin Karin Rindfleisch und dem Ensemble "Harry’s Freilach" herzlich begrüßt wurden. Harry Timmermann und sein Ensemble gehört zu den profiliertesten Klangkörpern ostjüdischer Klezmer-Musik. In der Kirche, die eine wunderbare Akustik hat, wurde ihr Konzert zu einem Gänsehauterlebnis.

Im Rahmen der 670-Jahr-Feier von Groß Neuendorf erhält der jüdische Friedhof das Kulturerbesiegel des Oderbruchmuseums Altranft. Der Kulturhafen hat das Siegel bereits erhalten
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2. Kulturerbesiegel für Groß Neuendorf

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Frank Schneider bewegte die Gäste mit seiner eindringlichen Predigt. Er machte deutlich, dass die jüdische Gemeinde zur 670jährigen Geschichte Groß Neuendorfs wie der vieler Orte im Oderbruch gehörte. Dass der jüdische Friedhof als Kulturerbe des Oderbruch nun auch deutlich gemacht wird, begrüßte er als Mittel gegen die Unkultur des wiedererwachenden Faschismus. Pfarrer Schneider zählte dazu die jüngsten Aufmärsche der Neonazis in Plauen und Duisburg auf, machte aber auch deutlich, dass die Nazis in neuen Gewändern auftreten. Als Hippis wie in Liepe oder als Ökobauern, die die sich entleerenden Dörfer mit ihrer Ideologie befüllen: "Man erkennt sie nicht mehr an Springerstiefeln!" In der Tradition der Bekennenden Kirche, die auch im Oderbruch starke Vertrerter hatte (in Groß Neuendorf allerdings nicht), beantwortete er auch mit theologischem Nachweis die Frage "Was gehen uns die Juden an?" Schneider zählte Namen und Schicksale von jüdischen Mitbürgern der Synagogengemeinschaft Groß Neuendorf , zu der Letschin, Kienitz, Sophienthal, Gerickensberg und Klein Neuendorf gehörten.  Sie alle waren von Berlin aus in KZ verschleppt und dort ermordet worden. Schneider beklagte zudem die Ignoranz, die die jüdischen Schicksale in der DDR erfahren hatten und regte an, dass sich Schulen des Themas annehmen mögen.

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