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Kulturerbesiegel Oderbruch

Kulturerbesiegel Oderbruch

Das Oderbruch ist der größte besiedelte Flusspolder Deutschlands. Mit der im 18. Jahrhundert begonnen Trockenlegung ist eine Kulturlandschaft entstanden, die zu den einzigartigsten Kleinlandschaften Europas zählt.

© Foto: Matthias Lubisch

Bis September muss die Region ihre Bewerbung um europäische Anerkennung einreichen. Minister Ludwig sichert Unterstützung zu.

Kulturerbe-Status
Das Oderbruch will’s wissen

Wagen des Museum Altranft beim 1.Oderbruchtag in Neutrebbin: Die Räder mit den Figuren symbolisieren das Wasserschöpfen. Ohne könnte das Oderbruch bis heute nicht in der jetzigen Form besiedelt und bewirtschaftet werden.
Wagen des Museum Altranft beim 1.Oderbruchtag in Neutrebbin: Die Räder mit den Figuren symbolisieren das Wasserschöpfen. Ohne könnte das Oderbruch bis heute nicht in der jetzigen Form besiedelt und bewirtschaftet werden. © Foto: Stefan List
Doris Steinkraus / 27.06.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 27.06.2019, 09:21
Seelow (MOZ) Schaffen es die Dörfer des Oderbruchs, das europäische Kulturerbesiegel für die Kulturlandschaft Oderbruch verliehen zu bekommen? Die Chancen stünden gut, ermutigte Justiz- und Europaminister Stefan Ludwig (Linke) beim 1. Oderbruchtag in Neutrebbin. Das Oderbruch stehe als Beispiel für die Veränderungen in Europa. Und auch dafür, wie Zuwanderer sich einbringen und ganze Landschaften prägen, sagte er mit Blick auf die Trockenlegung.

Europäer wanderten ein

Es waren Holländer, die diese ingenieurtechnische Meisterleistung vollbrachten. Und es waren Kolonisten aus vielen Ländern Europas, die später siedelten und deren Bau- und Alltagskultur zum Teil bis heute erhalten geblieben ist. Der Letschiner Gemeindevertretervorsteher Norbert Kaul und der Neulewiner Ex-Bürgermeister Horst Wilke sind die Sprecher der Arbeitsgruppe "Kulturerbesiegel". Beide berichteten vom Ist-Stand und wie es weitergeht. 2015 hatte sich nach dem 1. Landschaftstag in Wriezen die Initiative Kulturerbesiegel gegründet. Horst Wilke erklärte, dass bis auf Zechin, Bleyen-Genschmar, Alt Tucheband, Küstriner Vorland und Vierlinden alle Gemeinden dabei sind. "Und wir haben Signale, dass auch die Letzten einsteigen", erklärte Wilke. Die Mitgliedschaft wird mit einem symbolischen Beitrag von 20 Cent pro Einwohner unterstützt. "Wir sind dankbar, dass der Landkreis seit diesem Jahr jeden Betrag verdoppelt. Das unterstreicht die Bedeutung, die auch der Landkreis der Region beimisst", betonte Wilke.

Der Landstrich habe durch die Kolonialisierung eine neue Form des freien Bauerns hervorgebracht, erläuterte  Kaul. "Und eine besondere Baukultur, zu denen auch die Loosegehöfte gehören." Nirgendwo sonst in Brandenburg gebe es so viele Baudenkmäler wie im Oderbruch.

In diesem Jahr werde es nun ernst. Denn bis zum 30. September müssen die Bewerbungsunterlagen beim Land eingereicht werden. Im April 2020 gibt dann die Kultusministerkonferenz der Länder ihre Empfehlung. Erst im März 2021 werde von der europäischen Jury entschieden, ob das Oderbruch die Anerkennung erhält. Horst Wilke dankte dem Museum Altranft, das wichtiger Partner sei. Die Ausweisung von mittlerweile 23 Kulturerbeorten – z.B. Hafen Groß Neuendorf,  Korbmachermuseum Buschdorf,  Ringofen Bad Freienwalde oder das älteste Kolonistendorf Neulietzegöricke insgesamt – sei wichtiger und zugleich werbewirksamer Beitrag im Prozess der Bewerbung. Minister Ludwig versicherte, dass er auch er persönlich seine Netzwerke nutzen werde, um zunächst auf Bundesebene Zustimmung zu erhalten. "Bisher gibt es noch keine geschlossene Kulturlandschaft mit dieser Anerkennung im Land", so Ludwig.

EuropäischesKulturerbesiegel

Das europäische Kulturerbesiegel ist eine staatliche Auszeichnung für Kulturdenkmale, Kulturlandschaften oder Gedenkstätten, die auf europäischer Ebene als bedeutend erachtet werden. Es entstand 2006 aus einer Initiative europäischer Staaten und wurde 2011 in eine EU-Initiative mit Kriterien umgewandelt. Über deutsche Bewerbungen entscheidet die Kultusministerkonferenz.⇥red

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