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Ausflugstipp
Wein reift am Neuzeller Berg

Janet Neiser / 08.07.2019, 06:45 Uhr
Neuzelle (MOZ) Es sieht ganz gut aus." Uta Kaufmann ist der Optimismus anzumerken. Die Reben stehen gut, die Trauben entwickeln sich prächtig, die Vorsitzende der Neuzeller Klosterwinzer hofft, dass es ein gutes Weinjahr wird. Die Hitze der vergangenen Tage scheint keinen Schaden angerichtet zu haben – auf der Scheibe. Auf dem Neuzeller Weinberg, der sich gegenüber der evangelischen Kirche erhebt, gibt es nämlich eine Bewässerungsanlage. Die hat sich mehr als einmal bewährt, denn der Landstrich wird immer trockener.

"Derzeit geizen unsere Vereinsmitglieder unter anderem die Reben aus", erklärt Uta Kaufmann. Wo zu viele Trauben hängen, würden auch mal welche abgeschnitten, sodass die verbliebenen sich besser entwickeln können. Zu tun gibt es immer etwas auf dem Weinberg, auch nach Schädlingen muss geschaut werden. Auf etwa 1000 Quadratmetern wachsen auf dem terrassenförmig angelegten Weinberg rund 400 Rebstöcke verschiedener Sorten, da­runter Regent und Phönix. Die Scheibe darf sich zu den nördlichsten Weinbergen Deutschlands zählen. Angelegt wurde der Berg unter Abt Martinus (1678-1741). Schon die Mönche hatten dort Weinstöcke aus Burgund.

Aber auch der Priorsberg westlich des Klosterkerns hing einst voller Trauben. Dort, wo heute Einfamilienhäuser stehen, die einen wunderbaren Blick über Neuzelle ermöglichen, streifte man damals durch Rebstöcke.

Kartoffeln statt Wein

Doch irgendwann schlief der Weinanbau in Neuzelle ein. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden auf der Scheibe Kartoffeln angebaut, die waren wichtiger für die Ernährung und nicht so pflegeintensiv.

Im Jahre 2002 feierte der Wein dann eine Renaissance, dank des Vereins der Klosterwinzer. Die sind für die Stiftung Stift Neuzelle, die für sämtliche Immobilien und Flächen des historischen Klosters verantwortlich zeichnet, unentbehrlich. Allein hätte die Stiftung den Berg nicht pflegen, die Trauben nicht lesen können. 2005 erfolgte die erste Abfüllung.

Die Scheibe wird aber auch für die Wallfahrt genutzt. 1948 trugen Jugendliche von Görlitz bis Neuzelle ein großes Holzkreuz, das auf dem Berg aufgestellt wurde und noch immer dort steht. Wer einmal dort oben gestanden hat, möchte nicht mehr so schnell herunter. Es ist zwar kein Mount Everest und auch kein Fichtelgebirge, aber es geht durchaus hoch hinaus. Übrigens auch für Besucher. Die können dort Ruhe finden und manchmal, so wie derzeit, den klassischen Klängen der Oper Oder-Spree lauschen.

Immer wieder gibt es Führungen, nicht nur auf, sondern auch in den Weinberg. Was viele gar nicht wissen: In den Berg hinein wurde von 2011 bis 2015 das Museum "Himmlisches Theater" gebaut. Dass dafür zunächst etwa ein Drittel des Berges abgetragen wurde, lässt viele Besucher immer wieder staunen. Vor allem im Sommer, wenn die Sonne gnadenlos brennt, ist so ein Abstecher ins Innere der Scheibe eine wahre Erholung. 15 Grad herrschen dort – immer.  Denn die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab brauchen diese Temperaturen. Drei von insgesamt 15 Szenen des Passions­zyklus aus dem 18. Jahrhundert sind bereits ausgestellt worden. Weitere folgen.

Bei den Führungen unter dem Motto "In und auf dem Weinberg" darf natürlich auch probiert werden. "Doch, der schmeckt gut", meinte eine Dame aus Cottbus vor nicht allzu langer Zeit nach dem ersten Schlückchen des Neuzeller Tropfens.

Brandenburg und der Landwein

Und sie blieb nicht allein mit ihrer Meinung. "Schön leicht", sagte ein anderer. Dabei handele es sich um Landwein, erklärte Klosterwinzer Burkhard Jantke. Das gelte für alle Weine, die in Brandenburg gereift sind. "Uns fehlen bestimmte qualitätsprägende Merkmale, Mineralien zum Beispiel. Das haben wir nicht, das ist Sandboden." Zumindest konnten die Klosterwinzer im Vorjahr etwa 900 Kilogramm Trauben lesen, wesentlich mehr als sonst.

Die Besucherinformation hilft weiter

Das Zisterzienserkloster Neuzelle zählt zu den bedeutendsten Kunstschätzen im Land Brandenburg und ist weit über die Landesgrenze bekannt. Mittelpunkt bildet die Stiftskirche St. Marien, die auch als Barockwunder Brandenburgs bezeichnet wird. Zu sehen gibt es auf der Anlage viel – außen und innen. Die Besucherinformation, die auf dem Stiftsplatz zu finden ist, gibt Auskunft über eine Vielzahl an Führungen.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Tel. 033652 6102

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