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Lufthansa-Streik

Lufthansa-Streik

Für tausende Passagiere aus aller Welt war am 31. August am Frankfurter Flughafen Endstation: Der nächste Streik könnte schon bald folgen. Wann und wo es genau weitergeht, bleibt zunächst offen.

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Ostdeutsches Wirtschaftsforum
Steffen Kammradt: "Wir müssen zeigen, was wir haben"

Bald Realität: die künftige Halbleiterfabrik von Bosch in Dresden. Das in Bau befindliche Werk soll Ende des Jahres fertig sein.
Bald Realität: die künftige Halbleiterfabrik von Bosch in Dresden. Das in Bau befindliche Werk soll Ende des Jahres fertig sein. © Foto: Robert Bosch GmbH
Nina Jeglinsky / 22.05.2019, 10:00 Uhr - Aktualisiert 23.05.2019, 11:52
Bad Saarow (NBR) Beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum im brandenburgischen Bad Saarow ging gerade ein heftiges Gewitter runter, als das Thema "Hat Ostdeutschland ein Imageproblem?" diskutiert wurde.

Eingeladen waren die Geschäftsführer der ostdeutschen Wirtschaftsförderungsgesellschaften. Passend zum Wetter entwickelte sich eine heftige Diskussion: Berlin gegen Thüringen und Sachsen. Was war passiert?

Die Einschätzung Kai Uwe Bindseils, Prokurist und Abteilungsleiter Gesundheitswirtschaft, Industrie, Infrastruktur und Clustermanager Gesundheitswirtschaft bei Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, Ostdeutschland solle aufhören "hinter großen Industrieansiedlungen hinterherzuhecheln", der Digitalisierung gehöre nämlich die Zukunft und jetzt gelte es vor allem "Talente auszubilden", stieß auf heftige Gegenreaktionen.

Vor allem die Vertreter aus Thüringen und Sachsen hielten dagegen. "In Dresden baut Bosch gerade das größte Projekt seiner Firmengeschichte. Für über eine Milliarde Euro entsteht eine neue Chipfabrik", sagte Thomas Horn Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen.

Selbstbewusste Ostländer

In Jena ständen die Investoren Schlage, "weil Flächen für neue Ansiedelungen,  vor allem für Batteriefabriken gesucht werden", berichtete Arnulf Wulff von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen. Für solche Vorhaben brauche es Flächen mit 20 Hek­tar und aufwärts. "Anders als viele andere Kommunen können wir so was anbieten", sagt Wulff. Dazu käme in Thüringen noch eine sehr entwickelte Universitätslandschaft, die jährlich Fachkräfte entlässt, die "der Markt dann sofort aufsaugt".

Nicht ohne Stolz berichtet Wulff, dass vor zehn Jahren noch 80 Prozent eines Universitätsjahrganges das Bundesland verlassen hat. Diese Quote konnte auf derzeit 50 Prozent gesenkt werden. "Das ist immer noch zu hoch", findet Wulff, doch man habe das Problem erkannt und arbeite dem entgegen.

In Thüringen gäbe es 100 Firmen, die Weltmarktführer seien. Kein einziger dieser Betriebe sei "Nicht-Insidern" bekannt, beklagt Wulff. Auch daran müssen die Firmen arbeiten. Das ging am besten damit, dass die Unternehmen ihre Stammsitze in Ostdeutschland ansiedelten oder sie dort dauerhaft behalten. "Das hat Sogwirkung, weil die Entscheidungen dann vor Ort gefällt werden", so seine Einschätzung.

In Sachsen hat man dieses Problem bereits erkannt und geht neue Wege. Leipzig ist die derzeit am schnellsten wachsende Stadt Deutschlands. Nirgends sind die Geburtenraten höher. Um die jungen Leute zu halten, muss deshalb "auch die Infrastruktur mitwachsen, das sind Kitas, Wohngebiete, Straßen, Schiene", sagt Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Gut ausgebildete Fachkräfte hält man auch mit neuer, moderner Infrastruktur, "das war schon immer so", so Horn.

In Berlin sei das "verschlafen" worden. Die Boom-Metropole von einst zog vor 15 Jahren massenhaft junge, gut ausgebildete Menschen aus aller Welt an. Der Trend des Zuzugs ist ungebrochen, doch mittlerweile kommen die etablierten Fachkräfte. Viele Start-Ups werden hochgezogen und sobald es möglich ist, zu Höchstpreisen verkauft, "am liebsten an einen globalen Player", sagt Steffen Kammradt, Chef der Wirtschaftsförderung im Land Brandenburg. Zudem habe Berlin mittlerweile das Problem, dass nicht genug Fläche vorhanden sei. Das sei die Chance für die Regionen, die um Berlin liegen: "Wir müssen zeigen, was wir haben, was wir können", findet Kammradt. Die ostdeutschen Bundesländer müssten viel selbstbewusster auftreten als bisher, weil  im Osten vieles vorhanden ist, was es im Westen oftmals nicht mehr gibt: "Fläche und Menschen mit Erfolgshunger."

Das bestätigt auch Michal Pruski, Gründer und Geschäftsführer der Comach Swiss AG, einem Softwarehersteller, der vor allem Angebote für die Verwaltung, den Finanzsektor und den Gesundheitsbereich bereitstellt. Die Firma wurde 1993 in Polen gegründet und ist 1999 durch die sächsische Wirtschaftsförderung nach Dresden geholt worden. Heute hat das Unternehmen über 20 Standorte in der Schweiz, in Polen und in Deutschland und beschäftigt 6000 Mitarbeiter. In die betriebseigene Forschung und Entwicklung werden pro Jahr 60 bis 70 Millionen Euro investiert. Das Haupthaus befindet sich in Dresden, dafür sei damals auch ein Standort in Westdeutschland im Gespräch gewesen. "Aber die im Westen waren zu satt und zu langsam, da haben wir uns für Sachsen entschieden", berichtet Pruski.

Erfolgsgeschichten gibt es

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte erzählt Ullrich Geidel, Geschäftsführer der Turbinenwerkstatt N3 aus Arnstadt bei Erfurt. Die Firma ist ein Joint Venture von Lufthansa und Rolls Royce und wartet die Turbinen von Langstreckenjets. 2003 gegründet, arbeiten heute 700 Mitarbeiter im Werk, die Auswahl auf den Standort fiel unter anderem deshalb, weil genug Fläche zur Verfügung  stand und der Frachtflughafen Halle/Leipzig "gleich um die Ecke liegt", sagt Geidel. Die Firma will weiter wachsen, und "das ist uns in Thüringen sicher", so Ullrich Geidel.

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