Wenn man den Golf mit den drei Buchstaben noch auf die Spitze treiben will, bedient man sich der Bezeichnung Clubsport und haucht damit dem GTI noch mehr Performance in das ohnehin sehr sportiv ausgerichtete Konstrukt ein.

Motor

Und so erhält zuallererst der Motor eine Amphetamin-Kur, durch die der Zweiliter-Turbobenziner nunmehr 300 PS statt 245 PS und 400 anstelle 370 Newtonmeter maximales Drehmoment ausschüttet. Wie so etwas geht? Mehr Ladedruck, höherer Einspritzdruck und eine Kennfeldanpassung machen es möglich. Drehwillig ist der Motor in jedem Fall und das hält auch bis zum Erreichen des roten Bereichs an.

Karosserie/Ausstattung

Im Außendesign gibt es diverse Anpassungen für den GTI Clubsport, von denen einige wie ein Upgrade wirken, andere vielleicht weniger. Der Wegfall der wabenähnlichen Tagfahrlichter in der Frontschürze ist so ein Punkt, den man weniger akzeptieren möchte. Zumal als Ersatz eine durchgängige LED-Leiste horizontal über die Fahrzeugfront verläuft und der Clubsport dadurch irgendwie an die vollelektrischen Derivate von Volkswagen erinnert. Die Frontschürze selbst sieht allerdings mit ihren größeren Belüftungsöffnungen und den beiden Flügeln cool aus. Da der Clubsport nochmals 15 Millimeter tiefer über der Fahrbahn kauert, wirkt die flache Fahrzeugfront fast schon platt. Am Heck ploppt der Clubsport frech aus größeren, ovalen Endrohren und der Dachspoiler ist hier zweigeteilt.
Im Innenraum fallen die Unterschiede zum herkömmlichen GTI weniger markant aus – schade eigentlich. Der größte ist da noch die dezente Rautensteppung der Sitze anstelle der klassischen GTI-Karos und der Einsatz von Alcantara statt Stoffbezügen.
Ansonsten gibt es keine sofort ersichtlichen Unterschiede zum herkömmlichen GTI. Die Digitalisierung fordert auch hier ihren Tribut und so manches Untermenü muss erst durch Tippen und Sliden über berührungsempfindliche Flächen gefunden werden. Das gilt auch für die Tasten am Lenkrad mit ihren kapazitiven Steuerungen, die bei forscher Gangart auch beherztes Umgreifen beim Lenken als Bedienimpuls missverstehen und dadurch auch schon mal die Musikquelle verstellt oder die Lenkradheizung aktiviert wird.

Fahrverhalten

Gegenüber dem klassischen GTI wurde hier nochmals nachgeschärft und so erhielt beispielsweise die Vorderachse eine bessere Sperrwirkung, welche sich bei starken Beschleunigungsmanövern klar zu erkennen gibt. Denn diese liefert als Ergebnis vor allem eine erstaunlich gute Traktion, die auch in Kurven oder bei plötzlichen Lastwechseln großartig bestehen bleibt. Das 7-Gang-DSG – ein Doppelkupplungsgetriebe – erfüllt seine Aufgabe hier meisterhaft in Form von superschnellen Gangwechseln, die im Grunde nie den Anreiz aufkommen lassen, den Clubsport per Hand schalten zu wollen – auch wenn dies via Schaltwippen möglich ist. Diese sind übrigens in ihrer schnöden Kunststoff-Art für solch einen Hot Hatch fast eine Frechheit.
Dank Launch Control spurtet der Wolfsburger Top-GTI in nur 5,8 Sekunden auf 100 km/h und läuft 250 Stundenkilometer. Diese Höchstgeschwindigkeit erreicht er spielend und wird dann elektronisch eingefangen. Das Fahrwerk ist zwar hart, doch selbst im Sportmodus findet sich eine kleine Spur Restkomfort, wenngleich es dabei deutlich straffer zugeht. Beachtlich ist das Fahrverhalten, denn der Clubsport bleibt in fast jeder Lebenslage narrensicher, lässt sich exakt lenken und geizt kaum mit Rückmeldung. Fast unspektakulär durcheilt der Golf selbst enge Kurven in Geschwindigkeiten, die man so in nur wenigen anderen Autos dieser Klasse erreicht. Dennoch ist das alles tendenziell nicht mit der Euphorie gesegnet, wie es beispielsweise in einem Civic Type R der Fall ist. Der Clubsport beherrscht sein Handwerk nahezu makellos – keine Frage. Doch geschieht das alles in einer Unbeschwertheit und komplett fehlenden Aufgeregtheit, dass bei so manchem versierten Fahrer fast Langeweile aufkommen will.
Anders gesagt, ist der Clubsport ein Kompaktsportler, mit dem auch Laien sehr schnell unterwegs sein können und kleinere Patzer vom elektronischen Regelwerk und einem hervorragenden Fahrwerk erschreckend einfach kaschiert werden können. Als Sonderbonus besitzt der Clubsport den Fahrmodus Nürburgring, welcher eine spezielle Abstimmung für kurvenreiche und wellige Strecken darstellt. Überraschenderweise ist dieser Modus auch auf jeder anderen Strecke dieser Art bestens geeignet.
Passend zum Gesamtbild gibt die Abgasanlage im Sportmodus energisches Ploppen beim Hoch- und Runterschalten von sich. Im Alltagsmodus hingegen übt sich nicht nur die Abgasakustik, sondern das gesamte Auto in Zurückhaltung und kann hier – vollkommen alltagstauglich – kinderleicht im Verkehrsbild unerkannt mitschwimmen.

Wirtschaftlichkeit

Beim Verbrauch gilt: Jagst du ihn, tankst du ihn. Aufgedröselt bedeutet das, dass bei alltäglichem Gebrauch und nur dem einen oder anderen Überholmanöver im Drittelmix knapp unter acht Liter möglich sind. Lässt man den Clubsport dagegen über einen Track oder auf der freien Autobahn fliegen, geht es nah an den zweistelligen Bereich mit einer Zwei als erste Zahl heran.
Der Einstiegspreis für den aktuell kräftigsten GTI liegt bei 43.585 Euro und somit gut 5000 Euro über dem normalen GTI. Falls es noch etwas mehr Würze in der Optik sein und die Sperre bei Tempo 250 entfernt werden soll, kann alternativ der Clubsport 45 helfen. Dieser läuft 267 km/h lässt sich das alles mit zusätzlichen gut 5800 Euro entlohnen. Der 320 PS starke Golf R ist beim Standardsprint fast eine Sekunde schneller auf Tempo 100 als der Clubsport und schafft 270 km/h, kostet aber auch knapp 8000 Euro mehr als dieser.

Fazit

Der VW Golf GTI Clubsport ist ein Wandler zwischen den Welten, nämlich in jenen Welten, in denen dem geneigten Interessenten der normale GTI zu wenig und der Golf R zu viel Auto ist. Er ist ein in allen Lebenslagen schnelles und einfach zu fahrendes Auto. Viel Power, beste Traktion und eine auffallend neutrale Abstimmung machen den Kompakten zu einem gelassen wirkenden Hobbysportler. Vor allem das Leistungsplus und das geänderte Fahrwerk mit dem Nordschleifenbonus erheben Anspruch auf eine Abgrenzung zum konventionellen GTI.
Diese erfährt man allerdings auch am deutlichsten auf Rennstrecken oder gesperrten Pisten als auf öffentlichen Straßen. Der Golf R ist deutlich teurer, liefert aber ein noch besser abgestimmtes Gesamtpaket. Somit ist es neben monetären Aspekten wie immer auch eine subjektive sowie emotionale Entscheidung, die man am besten nach einer Probefahrt von allen drei Varianten fällt.