Sorento? Ja, das war der erste Kia auf dem deutschen Markt, für den es überraschend lange Wartezeiten gab - bis zu zwölf Monate. Der 2002 eingeführte Koreaner sah der Mercedes ML-Klasse ziemlich ähnlich, war standesgemäß ausgestattet und motorisiert, im Preis aber mit deutlich unter 30.000 Euro ein Schnäppchen sondergleichen. Jetzt geht die vierte Generation des hochbeinigen Koreaners an den Start. Die rangiert in Technik, Ausstattung und Verarbeitungsgüte eindeutig auf Oberklasse-Niveau, will sich aber nicht mit den großen SUVs aus Stuttgart, München oder Ingolstadt messen. Dabei bringt der neue Kia einiges mit, das die angestammte Premiummarken neidisch machen könnte.

Gestochen scharfes Bild

Zum Beispiel der direkte Einblick in den toten Winkel, der Abbiegen ganz ohne Risiko ermöglicht: Du setzt wie vorgeschrieben den Blinker rechts, um aus dem Keisverkehr auszufahren und schon erscheint statt des Drehzahlmessers rechts im virtuellen Cockpit ein gestochen scharfes Bild der Seitenkamera. Ob Radler oder Fußgänger, niemand kann übersehen werden. Und wenn doch, dann greift der aktive Totwinkel-Assistent mit Lenk- oder Bremseingriff ein. Das funktioniert natürlich auch mit dem linken Blinker, wobei das Kamerabild dann die Tachorundung links im Kombiinstrument ausfüllt.

Kleine Lücke ist kein Problem

Nachahmenswert auch der sogenannte Remonte Parkassistent. Die Parklücke ist zu eng, um noch einigermaßen bequem ein- oder auszusteigen? Kein Problem. Per Zündschlüssel lässt sich der Sorento fernbedienen und autonom in eine Parklücke fahren. Auch in anderen Situationen kann so der Wagen per Knopfdruck vor- oder zurückgesetzt werden. Und noch ein Beispiel - der Ausstiegsassistent: Um zu vermeiden, dass unaufmerksame Insassen im Fond einem Fußgänger oder Radfahrer die Tür vor die Nase knallen, verriegelt der Assi im Ernstfall die Türen und schlägt akustischen und optischen Alarm.

Auf neuer Plattform

Ungeachtet dessen pflegt Kia wie schon 2017 bei der Einführung der bildhübschen und technisch anspruchsvollen Sportlimousine Stinger asiatische Bescheidenheit. Dabei haben die Koreaner ihrem neuen Flaggschiff Sorento all das mitgegeben, was modernste Autoindustrie heute zu bieten hat. Da ist zunächst einmal die neue Plattform mit deutlich gestrecktem Radstand, verkürzten Überhängen, die auch auf Elektroantriebe ausgelegt ist und das Raumangebot nicht einschränkt. So startet der neue Sorento nicht nur mit Dieselmotor, wahlweise Front- oder Allradantrieb, sondern auch mit Hybridantrieb und Raum beinahe ohne Ende. Gegenüber dem Vorgänger gibt es vor allem mehr Beinfreiheit in den ersten beiden Sitzreihen sowie mehr Kopffreiheit in der optionalen dritten Reihe. Hinzu kommt ein deutlich gewachsenes Gepäckabteil. Das schluckt beim Dieselmodell mit fünf Sitzen bis zu 910 Liter - wohlgemerkt bis Fensterunterkante. Beim Vorgänger waren es 660 Liter.

Reisen erster Klasse

Obgleich der Sorento in den Außenabmessungen (Länge/Breite/Höhe) nur um je einen Zentimeter zugelegt hat, reisen die Passagiere auch in Reihe zwei erster Klasse.Selbst ganz hinten, wenn die dritte Reihe mit zwei im Fahrzeugboden versenkbaren Sesseln geordert wird, lässt es sich auch für Erwachsene ohne allzu große Einschränkungen aushalten. Dank der weit verschiebbaren, asymmetrisch geteilten Fondbank und stabiler Griffe an den C-Säulen wird auch de Einstieg ganz nach hinten nicht zum Balanceakt. Wie schon in der zweiten Reihe gibt es auch in der dritten USB-Anschlüsse und sogar ein separates Bedienteil für die Klimatisierung.

Hybrid-Zugmaschine

Das Hybrid-Doppelherz besteht aus einem 1,6-Liter Turbobenziner und einem 44,2 kW starken E-Motor, der im Gehäuse der Sechsstufen-Automatik untergebracht ist, was eine hocheffiziente Übertragung der Antriebskraft beider Aggregate gewährleistet. Die Systemleistung beträgt 230 PS. Damit beschleunigt der Fronttriebler in 8,6 Sekunden bis auf Tempo 100 (Allradler 9,0 Sekunden) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h. Der Normverbrauch soll nur 5,2 bzw. 5,6 Liter betragen. Anders als andere Hybrid-SUVs eignet sich der elektrifizierte Sorento auch als Zugmaschine. Er kann immerhin 1,65 Tonnen (gebremst) an den Haken nehmen.

Das kann sich sehen lassen

Das von uns schon gefahrene Dieselmodell zieht locker 2,5 Tonnen. Kia geht davon aus, dass sich bis zur Einführung eines Steckdosen-Hybrids (Plug-in) im kommenden Jahr die überwiegende Mehrheit der Sorento-Kunden für den neuen 2,2-Liter CRDI entscheiden wird. Das dürfte klappen, denn der vorbildlich laufruhige, dank 440 Newtonmeter Drehmoment jedoch auch souverän durchzugsstarke Selbstzünder mit leichtem Alu-Motorblock macht im Verbund mit dem serienmäßigen Acht-Stufen-DTC (Doppelkupplungsgetriebe) einen perfekten Job. Da ruckelt nichts – weder beim Rangieren noch bei Volllast, wenn die Gänge blitzschnell ohne Zugkraftunterbrechung wechseln. Das Dieselmodell meistert den Standardsprint in 9,0 bzw. 9,2 Sekunden und rennt bis zu 202 km/h. Und auch dann geht es unter anderem dank Doppelverglasung sehr leise zu in der geräumigen Fahrgastzelle. Diesel-Normverbrauch: 5,4 bis 6,0 Liter. Das kann sich sehen lassen für einen 4,81 Meter langen SUV mit knapp zwei Tonnen Leergewicht.
Die Preise beginnen für einen Sorento in der Grundausstattung (Edition7) bei zirka 41.400 Euro und das mit umfangreicher Ausstattung.