Jeep-Freunde, die am SUV-Format vor allem auch ausgeprägte Geländetalente schätzen, die freilich auch Allradantrieb einschließen, müssen jetzt tapfer sein: Die kompakten Bestseller der legendären Offroad-Marke im Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) sind ab sofort nur dann noch nach guter Jeep-Sitte umfassend für den Einsatz in Wald und Flur gewappnet, wenn sie mit Elektroantrieb geordert werden. Die soeben eingeführten Steckdosen-Hybride Renegade (Länge 4,24 Meter) und Compass (4,39 Meter) mit dem Zusatzkürzel 4xe schicken überdies auch den Dieselmotor aufs Altenteil. Und das ist nur der Anfang der Jeep-Antriebswende. Schon im nächsten Jahr folgt der knorrige Wrangler als 4xe-Version, 2022 soll die gesamte Modellpalette bis hin zum Flaggschiff Grand Cherokee unter Strom gesetzt werden

60 elektrische PS

Das Doppelherz beider Modelle besteht aus 1,3-Liter-Turbobenzinern mit 130 bzw. 180 PS für den Vorderachsantrieb per Sechsgang-Automatik und einem 60 PS starken Elektromotor auf der Hinterachse. Die Systemleistung beläuft sich auf stolze 190 bzw. 240 PS. Der E-Motor wird von Lithium-Ionen-Batterien versorgt, die im einstigen Kardantunnel und unter Fondsitzen Platz gefunden haben. Mit vollen Akkus (11,4 kWh) können beide Jeeps nahezu lautlos und emissionsfrei 50 km zurücklegen, immerhin mit Tempi bis maximal130 km/h. Die Höchstgeschwindigkeiten im Hybridmodus variieren zwischen 182 und 200 km/h, die Normverbräuche nach dem aktuellen, aber äußerst praxisfernen Messverfahren für Hybridantriebe zwischen 1,9 und 2,1 Liter Super

Echte Offroad-Qualitäten

Jeep wäre nicht Jeep, wenn die Elektrifizierung des 4x4-Antriebs seine Offroad-Qualitäten beschädigt hätte. Das Gegenteil sei der Fall, sagen die Entwickler. Denn dank des E-Motors anstelle einer mechanischen Verbindung spreche der Hinterradantrieb schneller und feinfühliger an. Schließlich zeigen sich auch Kilowatt im Unterboden der kompaken Kraxler ihrer Wattiefe nicht ganz und gar unverträglich. Der Renegade pflügt schadlos durch 40 Zentimeter tiefe Furten, für den Compass darf das Wasser noch sechs Zentimeter höher stehen. Beide Modelle bringen alles mit, was die Offroad-Kompetenz der Marke ausmacht – darunter fünf verschiedene Fahrmodi und Trailhawk-Versionen für den Einsatz im ganz Groben.

Drei Fahrprogramme

Wer vorwiegend onroad unterwegs ist, findet sich zwischen den drei zur Wahl stehenden Fahrprogrammen schnell zurecht. Die Einstellung „Electric“ bedarf keiner Erklärung. Bei „Hybrid“ teilen sich beide Motoren die Arbeit, wobei sich der Wechsel zwischen den Antriebsarten harmonisch vollzieht. Allerdings auch bei Kickdown mit eher verhaltenem Vortrieb, zumindest so lange der Sportmodus ausgeschaltet bleibt. Mit „E-Save“ kann die Batterie per Startergenerator des Benziners frisch gehalten oder bis zu 80 Prozent aufgeladen werden – gut für den, der noch am Ende der längeren Tour abgasfrei fahren willoder muss. Selbstverständlich wird beim Bremsen kinetische in elektrische Energie umgewandelt, was den Stromvorrat schont.

Schneller mit Wallbox

Schade nur, dass der Schalter für die Rekuperationsstufen ziemlich versteckt in der Mittelkonsole untergebracht ist und die Rekuperation selbst nie so stark ausfällt, dass man auf das Bremspedal beim Ausrollen verzichten könnte. Ein Ladekabel mit Schukostecker bringen beide Modelle serienmäßig mit. An der Haushaltssteckdose dauert es knapp vier Stunden, bis die Akkus wieder voll sind. Empfehlenswertes Extra ist Jeeps Easy Wallbox, die wie jedes andere Haushaltsgerät mit der nächstbesten Steckdose verbunden wird. Die Ladeleistung de kleinen Box lässt sich von einem Fachmann (Elektriker) ohne großen Aufwand von 2,3 auf 7,4 kW erhöhen. Das verkürzt den heimischen „Tankstopp“ auf etwa 100 Minuten.
Die Preise für den Renegade 4xe beginnen bei 37.237 Euro, der etwas geräumigere und komfortablere Compass 4xe schlägt mit mindestens 41.136 Euro zu Buche. Davon können laut Förderprogramm 6750 Euro Hybridprämie abgezogen werden. Wolfgang Brekeller