Diesotto? Was eher nach einem speziellen asiatischen Reisgericht klingt, ist tatsächlich ein revolutionärer Benziner, der wie ein Diesel arbeitet und somit die Vorteile beider Welten vereint. Auf einen einfachen Nenner gebracht, kombiniert der Motor die Sparsamkeit des Diesels mit der niedrigen Abgasbelastung und der quirligen Leistungscharakteristik eines konventionellen Otto-Motors. Es gibt zwar noch Zündkerzen (u. a. zum Kaltstart), ansonsten erfolgt die Kraftstoffentzündung durch Kompression.
Klingt recht kompliziert, ist es auch. Daher ist Mazda auch so stolz, diese Neuerung straßentauglich gemacht zu haben. Die Technik arbeitet im Brennraum mit zwei verschiedenen Benzin-Gemischen: Mit einem zwei- bis dreimal magerem Volumen als bei konventionellen Benzinern sowie einer fetten Mischung. Der Kraftstoffanteil im Gemisch liegt so niedrig, dass ein Zündfunke nur ausreicht, um es zu entzünden. Es genügt aber nicht zur vollständigen und gleichzeitigen Verbrennung. Um das zu erreichen, hat man die Verdichtung auf 16,3:1 erhöht. Die Zündkerze gibt es dennoch, auch wenn die Brennerei in den Zylindern wie beim Selbstzünder durch den Überdruck ausgelöst wird. Sie agiert nämlich beim Kaltstart und greift bei höheren Drehzahlen ins Geschehen ein.
Doch damit nicht genug. Weiterhin verbessert gleich noch ein Mild-Hybrid die Effizienz des Motors. Hierbei wandelt ein riemengetriebener integrierter Starter-Generator die in Rollphasen rekuperierte Bewegungsenergie in Elektrizität um und speichert sie in der  24-Volt-Batterie im Fahrzeugboden. Mit der Energie können über einen Gleichstromwandler elektrische Verbraucher an Bord bedient werden und der Verbrennungsmotor wird entlastet. Gleichzeitig wird der Verbrennungsmotor beim Beschleunigen mit maximal 4,8 Kilowatt versorgt und unterstützt. Allerdings ist in der Praxis das in Richtung Kraftübertragung geschlenzte Drehmoment von 224 Nm sehr überschaubar.
Zugegeben, wir hätten uns hier die Wucht anderer Turbos gewünscht, vor allem bei unteren und mittleren Drehzahlen. Zwar erhebt der Motor im 3. oder 4. Gang des 6-Gang-Getriebes kämpferisch seine Stimme, diese Puste wäre aber beim Überholvorgang nötiger. Theoretisch spart der Selbstzünder-Benziner beim Verbrauch 20 bis 30 Prozent im Vergleich zu normalen Benzinern. In der Praxis kommt es indes, wie auch sonst, immer auf die eigene Fahrweise an. Wir kamen auf etwa 6,5 Liter. Allerdings freut den Motor besonders das preiswertere Super-E10.
Fahrseitig wurde der Mazda3 statt mit einer Mehrfachlenker-Hinterachse hinten nur mit einer Verbundlenkerachse bestückt. Unterwegs gibt sich das Fahrwerk dennoch ausgewogen und fein abgestimmt, bleibt souverän in allen Lebenslagen.
Und was hat der 4,46 Meter lange Nippon-Golf sonst so zu bieten? Für seine sportliche Extravaganz und sein insgesamt fein herausgeputztes Design kriegt er von uns schon mal Beifall. Wurde doch das Blech mit viel Gefühl und vor Energie strotzenden Proportionen modelliert. Charakteristisch für die bei dem Neuling auf die nächste Stufe gehobene Kodo-Formensprache Soul of Motion, was so viel bedeutet wie "Seele der Bewegung", ist die von japanischer Ästhetik inspirierte, schlichte Eleganz. Bei der Form hat Mazda rundum auf Kanten, Falze oder spezifische Charakterlinien verzichtet. Stattdessen setzen die Kreativen auf feine Wölbungen und bauchig geformte Karosserieteile, die je nach Blickwinkel und Lichteinfall ganz speziell die Umgebung wiederspiegeln. Im Gesicht des auf Fülle getrimmten Schräghecks gibt es einen spacigen Grill samt langer Motorhaube und schmalen Matrix-LED-Schweinwerfern.
Und innen? Akribisch wurde hier Wert auf die Verarbeitungsqualität gelegt. Die feine Gestaltung mit hochwertigen und großflächig unterschäumten Kunststoffen hebt das Interieur im Vergleich zum Vorgänger auf eine völlig neue Ebene. Als Neuheit kommt hier ein von Mazda entwickeltes körniges Material zum Einsatz, das in Tiefe und Form an echtes Leder erinnert. Unsere Streichelprobe auf der komplett neu gestalteten Armaturentafel bestätigt das: Ein Fest für die Sinne, alles fühlt sich angenehm und hochwertig an. Im Cockpit über der Mittelkonsole in der tribühnendachartigen Blende ruht ein breiter, hochauflösender 8,8 Zoll Touchscreen. Löblich, dass es nur noch wenige Schalter und Knöpfe gibt. Werden doch die meisten Systeme über einen Dreh-Drück-Steller neben dem Ganghebel bedient.
Mazdas als Jinba Ittai bekannte Philosophie, eine intuitive und natürliche Harmonie zwischen Fahrer und Fahrzeug zu erreichen und gleichzeitig Belastungen für Körper und Geist zu minimieren, wurde auch beim neuen Dreier weiterentwickelt. So lässt sich der Fahrersitz nach allen Seiten präziser anpassen, rückte die Bedienung des Schalthebels und des Multi-Commanders weiter nach vorn.
Allerdings notieren wir auch einige Schwächen. Die Rundumsicht wäre ohne 360-Grad-Kamera grenzwertig, der Platz im Fond ist knapp bemessen und auch der Kofferraum könnte größer sein. Hinzu kommt, dass die elektrische Handbremse nicht automatisch löst und die Tempolimit-Anzeige im Head-up-Display unzuverlässig arbeitet.Serie sind in der Selection-Ausstattung neben  neuen Assistenzsystemen u. a. eine Klimaautomatik, Matrix-LED-Scheinwerfer, Head-up-Display, Navi, DAB-Radio, 18-Zoll-Alufelgen, Parksensoren vorn und hinten, 360-Grad-Rundumsichtkamera, beheizbares Lenkrad, getönte Fondscheiben.
Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Mazda3


Mazda3 Skyaktiv-X 105

2.0 M Hybrid Selection

Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Kompressionszündung, mit 24-Volt-M-Hybrid System, 180 PS

0 - 100 km/h: 8,2 Sekunden

Spitze: 216 km/h

Verbrauch: 5,8 Liter Super

CO²-Wert: 131 g/km

Kofferraum: 358 bis 1.026 l

Preis: ab 28.590 Euro