Natürlich ging die Corona-Krise auch an Audi nicht spurlos vorbei. Mit dem R8 dürften sie in jedem Fall auch eine krisenfeste Zielgruppe ansprechen, die bereit ist, viel Geld für ihren motorisierten Begleiter zu investieren.

Motor

Den Antrieb im Audi R8 Spyder übernimmt ein 5,2 Liter großer Zehnzylinder mit 620 PS in der von uns getesteten Performance-Version. Von Null auf 100 km/h geht es in 3,2 Sekunden, maximal sind 329 Sachen drin - auch mit geöffnetem Verdeck. Die im R8 verbaute intelligente Automatik hört auf den Namen S Tronic und geht mit sieben Gängen an den Start. Die adaptive Schaltstrategie passt sich quasi dem persönlichen Fahrstil an und schaltet die Gänge in Abhängigkeit zum gewählten Fahrmodus und zur Fahrweise.
Besonders markant ist der Klang des Zehnzylinders, der durchaus als einzigartig gelten darf. Ein bisschen nach Rennwagen klingend, lässt sich der Sound nur schwer einordnen - spielt dabei heller als ein V8 und weniger heiser als ein Zwölfzylinder. Freunde hubraumstarker Motoren werden hieran ihre helle Freude haben. Übrigens: Wenngleich der neue R8 aufgrund der geltenden Vorschriften einen Partikelfilter erhalten hat, büßt er in puncto Klang nur wenig ein. Sein kerniges, kräftiges Wesen ist ihm auch akustisch geblieben. Auf der anderen Seite wurde dem Supersportwagen eine Start-Stopp-Automatik verpasst. Diese soll beim Spritsparen helfen und tut es auch, wenn man viel in der Stadt unterwegs ist.

Karosserie/Ausstattung

Der R8 Spyder zeigt sich in Vegasgelb mit viel schwarzem Carbon von seiner Schokoladenseite - ganz gleich, aus welcher Perspektive man ihn sich anschaut. Er ist mehr Roadster als Cabrio, wurde als reiner Zweisitzer konzipiert und scheut auch den Ausflug auf die Rennstrecke nicht. Da das Fahrzeug sehr tief liegt, gelingt der Einstieg nur nach Eingewöhnung richtig gut, die Sitze sind als solches jedoch sehr bequem. Dass der Kofferraum gerade einmal 112 Liter Stauraum bietet, sei ihm verziehen - eine Verwendung als Packesel stand bei der Entwicklung des R8 sicherlich nicht auf der Agenda.
Die Front kauert tief auf dem Boden, aber nicht so tief, dass Bordsteine ihm gefährlich werden können. Das erhöht die Alltagstauglichkeit. Seitlich betrachtet, wird das Mittelmotorkonzept am deutlichsten. Direkt hinter den beiden Passagieren verrichtet der V10 seine Arbeit - frei von Turbos oder Kompressoren. Unter den 20-Zöllern blitzen die rot lackierten Bremssättel hervor und greifen den Farbton der R8-Logos auf. Das gefällt. Am Heck macht der R8 Spyder sofort deutlich, dass hier ein äußerst potentes Aggregat werkelt. Die riesigen Abgasendrohre (160 Millimeter; wir haben nachgemessen) sind in Schwarz gehalten, während die überarbeiteten Heckleuchten das Fahrzeug abermals in die Breite ziehen. Hinzu kommt der Diffusor, der Rennsportgefühle weckt.
Das Stoffverdeck verschwindet in 19 Sekunden unter der schicken Abdeckung. Das funktioniert bis 50 km/h, was auch für das Schließen gilt. Im recht kleinen Innenraum hat man den mittig platzierten Zentralbildschirm entfernt und sämtliche Steuerungen in das digitale Cockpit integriert. Hier bedarf es etwas Eingewöhnung. Einmal erlernt, gelingen die meisten Befehle dann meist auf Anhieb. Für den Fall der Fälle steht hier auch eine Sprachsteuerung bereit.
Die Verarbeitung ist tadellos und die Materialauswahl hochwertig. Nahezu alle Verkleidungen sind mit Leder bezogen, die Instrumente und Lüftungsdüsen sind mit dem feinen Kohlefaserverbundstoff gerahmt. Die Ausstattung umfasst bereits serienmäßig viele Annehmlichkeiten. So gehören LED-Scheinwerfer, das digitale Cockpit samt Navigation sowie eine Klimaautomatik zur Basisausstattung. Auf der Optionsliste unseres Testwagens schlagen dagegen neben einigen Kleinigkeiten vor allem das Technologie Paket mit rund 10.600 Euro, die speziellen 20-Zoll-Räder mit 2.300 Euro und die Nappaleder-Ausstattung mit 2.580 Euro zu Buche. Im Technologie Paket enthalten sind unter anderem das hervorragende Laserlicht, ein superb klingendes Soundsystem aus dem Hause Bang & Olufsen sowie das adaptive Fahrwerk Magnetic Ride plus Dynamiklenkung enthalten.

Fahrverhalten

Die Fahreigenschaften des R8 Spyder überraschten uns im Test am meisten. Denn dank der verschiedenen Fahrmodi des Audi Magnetic Ride Fahrwerks ist die Spreizung zwischen brachialer Fahrmaschine und langstreckentauglichem Cabriolet besonders groß. Wer im Comfort-Modus unterwegs ist, gleitet förmlich dahin. Das ist besonders für den Wochenendausflug sehr angenehm. Wird der kleine Knopf am Lenkrad mit der Zielflagge gedrückt, wechselt der R8 in den Performance Modus. Dann ändert der Supersportler blitzschnell seinen Charakter, schärft seine Sinne und generiert Vortrieb der Extraklasse.
Durch den permanenten Allradantrieb Quattro ist die Traktion enorm hoch, lediglich im absoluten Grenzbereich ist fahrerisches Können gefragt. Doch soweit werden die meisten R8-Fahrer ihren Begleiter wohl nie bringen, auf öffentlichen Straßen sowieso nicht. Die Lenkung vermittelt viel Feedback und ist sehr präzise. Dank der Dynamiklenkung gibt es stets die passende Lenkübersetzung in Relation zur Geschwindigkeit. Auch die serienmäßige Carbon-Keramik-Bremse leistete während unseres Testes hervorragende Arbeit. Die Verzögerung ist brachial und die Dosierbarkeit einwandfrei.
Wer hingegen viel in urbanen Gefilden unterwegs ist, muss sich ebenfalls keine Sorgen machen. Der R8 ist - wenn nicht gerade im Performance Modus bewegt - sehr neutral und gutmütig. Ganz gleich, ob enge Straßen oder Parklücken. Lediglich die Rundumsicht ist bei geschlossenem Verdeck stark eingeschränkt. Hier helfen sowohl Parksensoren als auch eine Rückfahrkamera.

Wirtschaftlichkeit

Wer einen Audi R8 – mit Quattro-Antrieb – fahren möchte, muss mindestens 165.714 Euro bezahlen, die Performance-Version startet bei 196.420 Euro. Als offener Spyder beginnen die Preise bei 178.386 Euro beziehungsweise bei 209.092 Euro für den Performance. Unser nahezu vollausgestatteter Testwagen bringt es auf knapp 232.000 Euro. Für Puristen gibt es darüber hinaus eine Variante mit reinem Heckantrieb. Dieser R8 RWD ist preislich attraktiver (ab 140.369 Euro), dürfte den Fahrer jedoch auch erheblich mehr fordern. Offiziell gibt Audi den Verbrauch mit 13,1 Litern an. Wer behutsam mit dem Gaspedal umgeht, kann diesen Wert sogar unterbieten, im Drittelmix mit einigen spaßigen Zwischengaseinlagen waren es dann ziemlich genau 14 Liter.

Fazit

Audi stellt mit dem R8 Spyder ein fahrdynamisch hervorragendes Fahrzeug auf die Räder, das zudem eine enorme Spreizung zwischen Komfort und Dynamik bietet. Dabei ist weder das eine noch das andere ein Kompromiss. Wer bereit ist, so viel Geld für ein Auto auszugeben, erhält eine Fahrmaschine höchster Güte, die einem Porsche 911 so dicht auf den Fersen ist, wie kaum ein anderes Fahrzeug.