Motor
In jedem Jaguar E-Pace verrichtet ein Vierzylinder aus der sogenannten Ingenium-Motorenfamilie seine Arbeit. Diese Motoren haben immer zwei Liter Hubraum und gleichen sich in ihrem Aufbau. Im Falle des D180 leistet das Aggregat 180 PS und stemmt maximal 430 Newtonmeter, die auf alle vier Räder verteilt werden. Den Spurt von Null auf 100 km/h erledigt die kleine Katze in passablen 9,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 205 Stundenkilometer. Serienmäßig rollt das Fahrzeug mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe vom Band, auf Wunsch gibt es eine Neungang-Automatik.
Der D180 bildet die goldene Mitte der Dieselmotoren. Als Einstiegsmotor gibt es noch eine 150-PS-Version, die wahlweise mit Front- oder Allradantrieb ausgerüstet wird. Ab dem D180 ist der AWD Serie. Darüber rangiert der D240, welcher 240 PS und 500 Newtonmeter bereitstellt. Der Top-Diesel kommt immer mit Automatik.
Wer lieber einen Benziner sein Eigen nennen möchte, hat die Wahl zwischen einem 250 PS starken Vierzylinder, der auf den Namen P250 hört oder einem 300 PS starken Pendant.
Karosserie/Ausstattung
Der Jaguar E-Pace ist schon auf den ersten Blick als Jaguar zu erkennen. Der in zurückhaltendem Grau lackierte Testwagen bietet mit diversen schwarzen Karosserieelementen einen gelungenen Kontrast, der niemandem optisch ins Auge sticht. Genug Spannung offeriert dafür die Karosserie des Briten. Die Front trägt einen großen Kühlergrill, der durchaus martialisch wirken könnte, jedoch von den rundlichen Scheinwerfern entschärft wird. Insgesamt blickt der E-Pace freundlicher drein, als man meinen könnte. Zudem bleibt er in seiner Erscheinung eigenständig.
Seitlich betrachtet, zeigt die Silhouette eine Mischung aus Crossover- und Sportwagen-Allüren, was zunächst ungewöhnlich wirkt. Kurze Überhänge vorne und hinten treffen auf eine sehr hohe Gürtellinie und eine schmale, nach hinten auslaufende Fensterpartie. Markante Knicke und Falze im Blech generieren eine Portion Dynamik und die schwarzen 20-Zoll-Räder wirken wider Erwarten ganz und gar nicht überdimensioniert.
Das Heck des E-Pace kommt ebenfalls wuchtig daher. Die Rückleuchten greifen die aktuelle Lichtsignatur auf, die man auch vom Sportwagen F-Type kennt und die beiden Endrohre - jeweils eins pro Seite - bringen Symmetrie ins Spiel, was gefällig wirkt. Hinzu kommt ein kleiner Dachkantenspoiler, der zwar gut aussieht, aber wohl von keiner Waschanlage dieser Welt vernünftig gereinigt werden kann.Kurzum: Optisch orientiert sich der E-Pace an den Crossover-Modellen á la BMW X2, während der Nutzwert deutlich in Richtung klassisches Kompakt-SUV geht.
Im Innenraum herrschen sehr üppige Platzverhältnisse. Egal, ob auf den vorderen oder auf den hinteren Plätzen - hier reist es sich bequem. Das einzige Manko, was uns sofort auffällt, ist die Zerklüftung, der E-Pace wurde innen ziemlich zugebaut. Das untermauert zwar die Dynamik, bietet aber nicht so viel Freiraum, wie beispielsweise im konzerninternen Konkurrenten, dem Range Rover Evoque.
Dafür bleibt die Verarbeitung - typisch Jaguar - auf einem sehr hohen Niveau. Die verwendeten Materialien sind weit abseits von preiswert, überwiegend kommt hier feines Leder zum Einsatz. Die Sitze sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Auch hinten kommen Personen bis 1,85 Meter gut unter und klagten auch nach 500 Kilometern am Stück nicht über Beschwerden.
Besonders auffällig ist im E-Pace die hohe Sitzposition. Durch die Nähe zu Land Rover ist dies ein Alleinstellungsmerkmal des Briten - in einem SUV aus hiesigen Gefilden sitzt man teilweise ein ganzes Stück tiefer. Das Ladevolumen beträgt 577 Liter und liegt damit im Klassenmittel. Legt man die Rücksitze im Verhältnis 60:40 um, werden maximal 1.234 Liter freigegeben.
In puncto Infotainment lässt sich der Jaguar ebenfalls nicht lumpen und stellt auf seinem 10-Zoll-Touchscreen sowie auf dem digitalen Cockpit eine übersichtliche und intuitive Menüführung bereit. Besonders hervorzuheben ist das optionale Soundsystem aus dem Hause Meridian, das auf jeden Fall als Empfehlung der Redaktion gelten darf.
Fahrverhalten
Grundsätzlich zeigt sich der Jaguar E-Pace als recht sportiver Geselle im SUV-Segment. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht hart. Der Restkomfort ist hoch genug, um auch lange Strecken stressfrei zu absolvieren. Dabei ist es unerheblich, mit wie vielen Personen und/oder Gepäck der Brite beladen ist. Hinzu kommt die sehr gute Dämmung. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten bleibt es im noblen E-Pace angenehm ruhig.Ebenfalls positiv können wir vom Automatikgetriebe berichten. Neun Gänge werden hier sanft und nahezu unmerklich durchgeschalten. Die Lenkung harmonierte bestens mit der kleinen Raubkatze. Sie liefert ausreichend Feedback und sollte dem Gros an SUV-Fahrern gefallen. Dass die Bremsen recht üppig dimensioniert wurden, ist ein entscheidender Vorteil. Immerhin wiegt der E-Pace mit der getesteten Motorisierung mindestens 1.843 Kilogramm.
Dank der verschiedenen Fahrmodi spürt man das jedoch kaum. Im Dynamic-Modus geht es auf Wunsch auch flink ums Eck, die Gasannahme wird spontaner und in Verbindung mit dem adaptiven Fahrwerk werden die Stoßdämpfer nochmals straffer. Auf der anderen Seite steht der Regen/Eis/Schnee-Modus. Hier wird das Ansprechverhalten reduziert, maximale Traktion ist jetzt oberstes Ziel. In Verbindung mit dem Allradantrieb dürfte es hier selbst bei widrigen Außenbedingungen sicher vorangehen.In der Stadt fallen die kompakten Abmessungen besonders auf. Parken und Rangieren ist mit dem E-Pace ein Kinderspiel, lediglich die Rundumsicht ist durch die massive C- beziehungsweise D-Säule arg eingeschränkt. Dies haben wohl auch die Ingenieure bemerkt und so rollt jeder E-Pace dankbarerweise mit Parksensoren und einer Rückfahrkamera vom Band.
Wirtschaftlichkeit
Mit einem Grundpreis von 35.980 Euro beginnt der Einstieg in die Welt des E-Pace, womit das Kompakt-SUV auch der günstigste Jaguar überhaupt ist. Für diesen Preis erhält der Kunde den E-Pace mit 150 PS starkem Diesel plus Handschaltung und Frontantrieb. Der von uns gefahrene D180 kostet mindestens 40.463 Euro, Allradantrieb ist hier immer an Bord. Wer mehr Leistung benötigt, kann auf den 300 PS starken Benziner P300 AWD (ab 52.990 Euro) oder auf den 240-PS-Diesel D240 (ab 50.484 Euro) zurückgreifen.
Natürlich gibt die Optionsliste bei allen Versionen viele Annehmlichkeiten her, auf die man zurückgreifen kann. Unser fast vollausgestatteter Testwagen bringt es in der Sonderedition "Chequered Flag" auf reichlich 59.000 Euro. Das ist nicht billig, für einen Jaguar in Relation gesehen jedoch noch als günstig einzustufen.
Fazit
In unserem Test zeigte sich der Jaguar E-Pace als gelungener Einstieg in die Welt der Raubkatzen. Selten kommt es vor, dass eine Premiummarke einen doch recht überschaubaren (Einstiegs-)Preis aufruft, was die kleine Katze somit einer breiteren Zielgruppe zugänglich macht. Die 180-PS-Diesel steht leistungstechnisch gut im Futter und reicht im Alltag vollkommen aus. Der Allradantrieb sorgt im Winter für ein Plus an Sicherheit und die reichhaltige Ausstattung hinterlässt in jedem Fall einen luxuriösen Beigeschmack.Als der Extravagante im Segment, richtet sich der E-Pace vorrangig an eine Klientel, die ein stilbewusstes SUV mit ausreichendem Nutzwert kombinieren möchte. Bedenkt man den Erfolg des Range Rover Evoque, dürfte auch der Jaguar E-Pace seine eigene Fangemeinde finden.