BMW nennt seinen 128ti den Rebellen unter den 1ern, manche betiteln ihn als den bayrischen GTI – doch eines scheint ihm ganz gewiss: Er ist ein echter Hot Hatch. Warum? Er ist in vielerlei Hinsicht auf Sport getrimmt.

Motor

Für ordentlich Performance greift man in München in das Motorenregal der Vierzylinder und überlässt diese Aufgabe einem zwei Liter großen Benziner mit Turbolader, der stolze 265 PS sowie 400 Newtonmeter maximales Drehmoment generieren kann. Letzteres liegt bereits bei niedrigen 1750 Touren an. Damit schließt er leistungstechnisch hervorragend die Lücke zwischen 120i mit 178 PS und dem M135i mit 306 PS.

Karosserie/Ausstattung

Da dieser 128ti zu den M Performance Fahrzeugen gehört, verfügt er selbstredend über diverse M-Merkmale wie die Frontschürze mit den großen Lufteinlässen oder den markanten Seitenschwellern, an deren Endungen jeweils ein rotes „ti“ aufgestempelt wurde. Allein die Front mit der tiefschwarzen Doppelniere, den rot gerahmten Lufteintritten und dem ernsten „Blick“ der LED-Scheinwerfer schreien optisch unübersehbar nach Respekt. Michelin-Sportreifen sind hier ab Werk drauf und zwei potente Endrohre am Heck zeigen schon mal, was für Musik hier gespielt wird.
Innen erwarten Fahrer und Insassen scharf konturierte Sportsitze, die wie ein Turnschuh passen und Homo sapiens exakt da halten, wo sie platziert wurden. Das dick gepolsterte Lenkrad ist haptisch eines der besten Volants, die man in dieser Klasse finden kann und der Materialeinsatz plus dessen Verarbeitung belegt bis ins Detail den Premiumanspruch der Marke.
Das Raumgefühl und die Platzverhältnisse sind für diese Klasse okay, die Ausstattung hingegen ergiebig. Serienmäßig gibt’s im BMW 128ti bereits Parksensoren vorn wie hinten, ein digitales Cockpit und ein großes Zentraldisplay inklusive Navi & Co., WLAN-Hotspot, Komfort-Freisprecheinrichtung, LED-Scheinwerfer, Tempomat, Lichtpaket, M-Fahrwerk, M-Sportbremse, DAB+ und vieles mehr. Die Aufpreisliste ist dennoch immer noch ellenlang und der Preis lässt sich damit noch weit nach oben drücken.

Fahrverhalten

Hier wurde von BMW mächtig Hand angelegt und das um zehn Millimeter tieferliegende M-Fahrwerk bekam Unterstützung in Form einer mechanischen Vorderachssperre – der 128ti ist ein Fronttriebler, was in dieser Leistungsklasse bei den Bayern eine Premiere darstellt. Ein neuer Hinterachsträger verbessert das Einlenkverhalten, diverse Streben verbessern die Verwindungssteifigkeit und deutlich härtere Dämpfer und Federn machen den 1er in der Tat bretthart.
Der Motor hängt gierig am Gas, setzt Befehle sofort um und die Acht-Gang-Sportautomatik ist ganz BMW-konform ein Meisterstück, das stets die passende Übersetzung kennt und wählt. Drehwillig spult der Benziner sein Drehzahlspektrum ab und feuert den Kompakten innerhalb von 6,1 Sekunden von null auf 100 km/h. Im Geradeauslauf sorgt die Sperre bei starker Beschleunigung auf schlechter Fahrbahn für eine ziemlich starke Sogwirkung in Richtung der jeweiligen Verwerfung, sodass man mit beiden Händen am Lenkrad gut zu tun hat, den Bavaren auf Kurs zu halten.
In Kurven kommt dann der Vorteil dieser Sperre voll zur Geltung, denn die Sperrwirkung lässt den BMW förmlich in die Kurve eintauchen, um danach fix aus dem Scheitelpunkt wieder heraus zu donnern. Das macht Spaß ohne Ende.
Trotz dieser aggressiven Sperrcharakteristik beim Beschleunigen auf der Geraden, darf sich die Lenkung als direkt bezeichnen und vermittelt stets genug Feedback. So erweist sich das gesamte Fahrverhalten des 128ti als ungemein sicher und extrem neutral. Über- oder Untersteuern ist im Alltag nahezu ausgeschlossen und selbst auf dem Track dürfte diese neutrale Abstimmung für ein hohes Maß an Sicherheit im Grenzbereich sorgen. Eine Idee mehr Extrovertiertheit wäre hierbei nicht unbedingt von Nachteil und würde den Hot-Hatch-Charakter noch besser unterstreichen.
Der Federungskomfort ist dafür auf ein Minimum beschränkt und sobald der Fahrbahnbelag keine jungfräuliche Ebenheit aufweist, wird man je nach Schwere der Verwerfungen kräftig durchgeschüttelt. Die M Sportbremse beherrscht jede Situation und vernichtet bei Bedarf die kinetische Energie mit brachialer Vehemenz. Ein waschechter Hot Hatch ist er auch in diesem Punkt zweifelsfrei.
Untermalt wird das Ganze von einem zwar kernigen, aber im Vergleich zu anderen Protagonisten eher zurückhaltenden Klang. Der vorhandene Klappenauspuff ist akustisch gesehen fast wirkungslos. Ein GTI klingt grimmiger, ein Hyundai i30N dagegen aggressiv vorlaut und ein Fokus ST böser. Auch den Restkomfort der genannten Wettbewerber besitzt der BMW nicht, sondern fordert deutlich mehr Stabilität der Bandscheiben aller Insassen. Doch in kurvenreichen Gefilden pulverisiert er diese Lücke mit einer Überdosis Fahrspaß, die man in solcher Dosis kaum woanders findet. Hier können nur die Überflieger Civic Type R oder eben der M135i noch mehr bieten.

Wirtschaftlichkeit

Beim Verbrauch gibt sich der Bayer je nach Fahrweise auch genügsam. Zwar erreicht man die Werksangabe von 6,9 Litern auf 100 Kilometer kaum, denn wer das Auto artgerecht bewegt, muss sich eher auf rund neun Liter einstellen. Doch wird der geschärfte 1er dezent und vorausschauend bewegt, schafft man sogar eine fünf vor dem Komma, wie wir auf unserer Verbrauchsrunde.
Dass man den BMW 1er als Premium einstuft, zeigt sich am Preis des 128ti. Der kompakte Sportler kostet mindestens 44.600 Euro, das ist über 8000 Euro mehr als ein 245 PS starker Golf GTI kostet oder sogar 11.500 Euro mehr als für einen Hyundai i30 N mit 250 PS aufgerufen werden. Volle Hütte im 128ti kostet heftige 55.000 Euro – ein Schnäppchen ist dieser Hot Hatch also wahrlich nicht.

Fazit

Keine Frage, mit dem 128ti haben die Münchner einen ernsthaften Konkurrenten in die GTI-Riege gebracht, der mit seiner unbeirrbaren Direktheit und Kraft alle Träume und Wünsche an einen typischen Hot Hatch erfüllt. Seine ruppige Art bei vor allem forscher Fahrweise muss man mögen, auch die Aufpreispolitik, doch unterm Strich ist das Gebotene sehenswert und Fahrspaß pur. Die Frage, ob der hohe Preis die Fans der Konkurrenz vom Umsteigen abhält, könnte nach einer Probefahrt mit dem BMW durchaus mit einem Nein beantwortet werden.