Mit dem Aston Martin DB11 haben die Engländer die neue Generation ihres V12-Supersportwagens vorgestellt. Auf den legendären DB9 folgte der DB10, der jedoch ausschließlich in einer streng limitierten Kleinserie produziert wurde – für den James Bond Film Spectre . Der DB11 ist somit der offizielle Nachfolger des DB9, das Cabriolet wird bei Aston Martin traditionell Volante genannt.

Motor

Die Zeiten des 6-Liter-Triebwerks sind Geschichte, was uns tatsächlich ein bisschen wehmütig zurücklässt. Der legendäre V12-Sauger war in Sachen Laufkultur und Leistungsentfaltung eine Klasse für sich, was demzufolge hohe Erwartungen an das Nachfolge-Aggregat stellt. Dieses kommt ebenfalls standesgemäß mit zwölf Zylindern und Biturbo-Aufladung daher. Den Hubraum hat man beschnitten, der DB11-Fahrer muss nun mit 5,2 Litern haushalten, was in der heutigen Zeit sicherlich immer noch weit oberhalb von jedweden Standard-(Sport-)Wagen ist.
Der von uns gefahrene Volante rollt allerdings mit der zweiten angebotenen Motorisierung zum Kunden. Ein vier Liter großer V8 aus dem Hause Mercedes-AMG wurde modifiziert, adaptiert und in die Front des DB11 verpflanzt. Die Leistung beträgt hier 535 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 675 Newtonmetern. Derart motorisiert, sprintet der Engländer in 3,9 Sekunden von Null auf 100 km/h. Schluss mit Vortrieb ist erst bei 309 Stundenkilometern.

Karosserie/Ausstattung

Betrachtet man den Aston Martin DB11 Volante zum ersten Mal, so zeigt sich eine Linienführung, die in ihren Grundzügen an die Vorgängermodelle angelehnt ist, aber völlig neu interpretiert wurde. Die Front kommt flach und geradlinig daher, wird aber von formschön integrierten Scheinwerfern aufgebrochen und schürt so den Performance-Gedanken. Ein Blick auf die Seitenpartie offenbart mehr GT als Sportwagen – nicht nur, was die Proportionen anbelangt. Vielmehr ist es die Linienführung, die mit ihrem spannenden Auf und Ab den Blick fesselt und entlang der plan wirkenden Türen bis hin zum Heck gleiten lässt. Dort angekommen, zeugen sichelförmige LED-Leuchten von einem stilsicheren Wesen, während die Endrohre keine geballte Potenz zur Schau stellen. Alles in allem also ein ideales Gentlemans Coupé.
Im Innenraum erspäht der geneigte Betrachter sogleich eine Landschaft aus feinstem Leder und weiteren, edlen Materialien. Sei es Echtholz oder Carbon – hier hat der Kunde die Wahl. Um ein Beispiel zu geben: Selbst die Sonnenblenden sind mit feinem Nappa bezogen.
Der Blick fällt auf einen digitalen Tacho im analogen Stil – ein bisschen Heritage kann ja nicht schaden. Der Zentralbildschirm ist wohlproportioniert und fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Zugegeben, auf den Fondplätzen sollten Passagiere maximal auf Kurzstrecken mitreisen, ansonsten möge dieser Platz doch bitte als zusätzliche Ablage dienen.
In Sachen Ausstattung schöpft der DB11 aus den Vollen – sobald es um das Thema Luxus geht. Sei es eine Lenkradheizung oder beheiz- und kühlbare Sitze, ein Stoffverdeck mit bester Dämmung oder ein Soundsystem, das keine Wünsch offen lässt – der Kunde steht hier im Fokus.Das spiegelt sich auch in der Aufpreisliste wieder. Dank „Q“ lässt sich jeder Aston Martin nach Belieben individualisieren, sodass am Ende die persönlichen Präferenzen in den Engländer einfließen.

Fahrverhalten

Nach dem Druck auf den Startknopf erwacht der Achtzylinder mit sonorem Grummeln. Das von Mercedes-AMG stammende Triebwerk klingt schön basslastig, aber soundtechnisch optimiert. Ein sehr harmonisches Aggregat, dass den noblen Briten adäquat in Bewegung setzt und dabei nie wirklich aufdringlich wirkt.
Dabei fällt besonders die lineare Kraftentfaltung auf, die schon beinahe einem Saugmotor gleichkommt. Und auch die Lenkung ist dermaßen gut abgestimmt, dass es wohl jedem Gentleman gelingen sollte, auch die engste Kurve spielerisch mit zügigem Tempo zu nehmen. Doch Obacht: Bei nasser Fahrbahn zeigt der heckgetriebene Sportwagen dem Fahrer frühzeitig auf, wo die Grenzen der Physik liegen. Bis dahin geht es jedoch absolut gesittet vonstatten.
Die Bremsanlage lässt zu keiner Zeit Zweifel am Potenzial selbiger aufkommen und das Getriebe beherrscht sowohl das zackige Wechseln der Gänge als auch die galante und nicht spürbare Arbeitsweise. In Summe gesehen, ist der DB11 Volante ein potenter Gran Turismo, der auch die Langstrecke nicht scheut – im Gegenteil. Nach mehreren hundert Kilometern am Stück steigen Fahrer und Beifahrer entspannt aus, während der Duft des feinen Leders noch ein Weilchen mitschwingt.

Wirtschaftlichkeit

Wer einen Aston Martin DB11 sein Eigen nennen möchte, muss mindestens 187.700 Euro an den Händler überweisen. Dafür gibt es den Gran Turismo als Coupé mit V8-Antrieb. Für den Zwölfzylinder werden mindestens 223.000 Euro fällig. Das hier getestete Cabrio startet bei rund 203.000 Euro und ist aktuell ausschließlich mit dem Achtzylinder erhältlich.
Der Kraftstoffverbrauch belief sich während unserer Testfahrten auf durchschnittlich 12,3 Liter Super Plus pro 100 Kilometer. Wer es ruhig angehen lässt, erntet problemlos Werte um zehn Liter und weniger. Möchte man das Potential des potenten Achtenders gerne abrufen, müssen rund 16 Liter und mehr einkalkuliert werden.

Fazit

Der Aston Martin DB11 Volante ist ein Traumwagen mit dem Hang zum Understatement. Seine Erscheinung ist präsent, aber zu keiner Zeit aufdringlich. Mit diesem Fahrzeug kann man sowohl auf hiesigen Flaniermeilen cruisen oder vor der Oper vorfahren.
Der Achtzylinder ist derweil ein gelungener Antrieb für das offene Gefährt. Dennoch kann es nicht schaden, wenn Aston Martin den DB11 auch als Cabriolet mit V12 anbieten würde – zumindest als Kleinserie.
Bleibt die Frage, ob der britische Gleiter auch ein echter Supersportler ist. Die Antwort hierauf ist einfach: Er ist ein Gentleman, der sowohl um seine Erscheinung als auch um seine Performance weiß. Mehr braucht man nicht zu sagen.