Der erste Audi A7 Sportback wurde bereits im Jahr 2010 vorgestellt, in zweiter Generation gibt es ihn seit 2018. Rund anderthalb Jahre später erblickte das stärkste Derivat das Licht der Welt – der hier getestete Audi RS 7 Sportback.

Motor

Für den Audi RS 7 Sportback gibt es nur eine Motor-Getriebe-Kombination. Den Antrieb übernimmt immer der aus vielen Konzern-Modellen bekannte 4,0-Liter-V8, der in den RS-Modellen glatt 600 PS leistet und maximal 800 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung stellt. Die Kraft geht selbstredend immer an alle vier Räder – Quattro sei Dank. Zudem hat Audi den großen RS-Modellen einen Mildhybrid-Antrieb spendiert, der zum einen den Kraftstoffverbrauch senkt und zum anderen das Drehmoment von ehemals 600 auf 800 Newtonmeter erhöht.
Derart motorisiert, beschleunigt der RS 7 in gerade einmal 3,5 Sekunden von Null auf 100 km/h, was trotz Winterbereifung 0,1 Sekunde schneller war, als die Werksangabe auswies. Je nachdem, ob und welches RS-Paket geordert wurde, ist das Fahrzeug 250, 280 oder 305 km/h schnell.

Karosserie/Ausstattung

Der Audi RS 7 Sportback ist schon auf den ersten Blick als Alphatier der Baureihe zu erkennen. Massiv ausgestellte Radhäuser verschaffen dem Boliden einen Präsenz, die ihresgleichen sucht. Der Blick auf die Front zeigt eine regelrecht böse dreinblickende Schnauze, die durch einen großen Kühlergrill und enorm große Lufteinlässe in Wabenoptik gekennzeichnet ist. Hinzu kommen schmale, zackig gezeichnete Scheinwerfer samt markanter Lichtsignatur.
Ein Blick auf die Seite zeigt einen avantgardistisch skizzierten Gran Turismo mit rahmenlosen Türen und einem nach hinten abfallenden Heck. Bis zu 22 Zoll große Räder unterstreichen derweil den sportlichen Anspruch und es ist verblüffend, wie groß die optionale Karbon-Keramik-Bremse mit ihren 440 Millimeter großen Scheiben an der Vorderachse ausfällt.
Beim Heck scheiden sich dann die Geister. Die einen lieben es, die anderen können nichts damit anfangen. Wir finden den exotischen Abschluss durchaus gelungen, beweist er doch mehr Eigenständigkeit als all seine Konkurrenzmodelle. Die spezielle, durchgehende Lichtleiste sorgt für hohen Wiedererkennungswert, während die beiden faustgroßen, ovalen Endrohre final klarstellen, dass dieser Audi nicht zu Späßen aufgelegt ist.
Im Interieur herrscht eine kühle Noblesse, die sich im Wesentlichen nicht vom klassischen A7 unterscheidet. Die Platzverhältnisse sind vorn sehr gut und auch groß gewachsene Personen finden schnell die ideale Sitzposition. Der Blick fällt auf ein volldigitales Cockpit und das Infotainment besteht aus zwei untereinander angeordneten Touchscreens. Die Bedienung ist nach kurzer Zeit verinnerlicht und wer während der Fahrt lieber konstant den Blick auf der Straße behält, der kann via Sprachsteuerung die meisten Funktionen verbal steuern. Dennoch verzichtet Audi nicht auf einen physischen Drehregler für die Lautstärke, was wir sehr begrüßen.
Im Fond wird der Platz zwar etwas knapper und auch die Sitzfläche ist hier nicht allzu breit ausgeführt, dennoch finden auch erwachsene Personen ausreichend Kopf- und Beinfreiheit, was man insbesondere aufgrund der abfallenden Dachlinie so nicht gleich erwartet. Der Zustieg ist jedoch für sehr große Personen mit Kopfeinziehen verbunden. Ebenso wenig Kritik muss der Kofferraum für sich verbuchen, denn mit einem Ladevolumen von 535 beziehungsweise 1390 Litern bei umgeklappten Rücksitzlehnen muss sich der RS 7 nicht einmal vor hiesigen Kombis verstecken.

Fahrverhalten

Typisch RS brüllt der Achtzylinder nach dem Anlassen einmal kurz auf, um seine Dienstbereitschaft zu signalisieren. Wir möchten vorwegnehmen, dass der V8 selbst im kalten Zustand außerordentlich kultiviert und laufruhig agiert, was wir durchaus überraschend fanden.
In urbanen Gefilden lässt sich der Bolide sehr zivil bewegen, außer der Optik fällt er hier nicht weiter auf. Das liegt nicht zuletzt an der optional verfügbaren und im Testwagen verbauten Hinterachs-Lenkung, welche das Fahrzeug außergewöhnlich wendig werden lässt. Dennoch ist mindestens die Unterstützung mittels Rückfahrkamera Pflicht, idealerweise wird auf die 360-Grad-Kamera zurückgegriffen, die auch eine 3D-Perspektive des Fahrzeugs darstellt.
Abseits der Stadt bleibt der Gran Turismo noch immer sehr flauschig – trotz des optionalen, adaptiven Sportfahrwerks. Serienmäßig rollt der Audi RS 7 Sportback mit einem Sport-Luftfahrwerk zum Kunden. Ein Wechsel in den Dynamic-Modus ändert die Charakteristik des Fahrzeugs, welches nun erheblich satter auf der Fahrbahn liegt. Auch Lenkung, Gasannahme und Schaltpunkte ändern sich nun, sodass der große RS sein Potential eindrucksvoll unter Beweis stellen kann. Selbst sehr zügig durchfahrene Kurven und Kehren nimmt der Neckarsulmer spielerisch, seine enorme Contenance im Zusammenspiel mit der schier nicht abreißen wollenden Traktion ist nicht nur ein Paradebeispiel für den Quattro Allradantrieb sondern auch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber seiner Konkurrenz.
Auf der Autobahn prescht der RS 7 auf Wunsch vehement voran. Ab rund 280 km/h wird der Vortrieb etwas geringer, 308 km/h zeigt der Digitaltacho maximal an. Ebenfalls bravurös arbeitet die Karbon-Keramik-Bremse, die zusammen mit der V-Max-Anhebung auf 305 km/h, dem Sportdifferenzial und der Hinterachs-Lenkung im RS Dynamikpaket Plus für 12.500 Euro erhältlich ist. Eine sinnvolle Investition, wenn man des RS auch wirklich als solchen nutzen will.
Noch mehr beeindruckt der RS 7 mit seinem stimmigen Gesamtkonzept, welches uneingeschränkte Alltagstauglichkeit bietet, aber auch den Ausflug auf die Rennstrecke oder den schnellen Ritt über die nächtlich-freie Autobahn nicht scheut.

Wirtschaftlichkeit

Mindestens 127.000 Euro müssen künftige RS-7-Fahrer an den Audi-Händler überweisen. Doch so wirklich „nackt“ wird wohl kein solches Fahrzeug das Band verlassen. Zu vielfältig sind die Individualisierungsmöglichkeiten und zu lang ist die Aufpreisliste. Unser gut, aber lange nicht vollausgestatteter Testwagen bringt es auf rund 156.000 Euro und ein Blick in den Konfigurator verrät, dass für ein vollausgestattetes Exemplar rund 196.000 Euro fällig werden.
Im Durchschnitt konsumierte der Audi RS 7 Sportback während unserer Testfahrten 12,3 Liter pro 100 gefahrener Kilometer, was erstaunlicherweise einen halben Liter unterhalb des kombinierten WLTP-Wertes liegt. Wer das RS im Namen jedoch wörtlich nimmt und dem Gran Turismo stets die Sporen gibt, der muss reichlich 16 Liter einkalkulieren, während die gemütliche Überlandtour 9,1 Liter zur Folge hatte.

Fazit

Schon der klassische Audi A7 ist designtechnisch ein Meisterstück – exzentrisch, extrovertiert und mit dem gewissen Etwas. Als RS eignet er sich besonders für eine anspruchsvolle und leistungshungrige Klientel, die den Boliden auch ganz kommod im Alltag bewegen möchte. Hier müssen keinerlei Abstriche gemacht werden, was in diesem Segment eher die Ausnahme, denn die Regel ist.
Natürlich lässt sich Audi dieses Designerstück gut bezahlen. Doch beim Blick auf die Konkurrenz relativiert sich der Preis recht schnell, was den souveränen Gran Turismo für besagte Klientel auch preislich attraktiv machen dürfte.