Der Audi TT RS Roadster stellt die Speerspitze der offenen Variante des Zweisitzers dar, der aktuell in dritter Generation im ungarischen Gyor vom Band läuft – so wie alle TT-Modelle. Das Kürzel TT steht für „Tourist Trophy“ und erinnert an das älteste und wohl gefährlichste Motorradrennen „Isle of Man TT“.

Motor

Als Herz trägt der TT RS einen einzigartigen Fünfzylinder mit 2,5 Litern Hubraum unter seiner Haube. Der überaus kernig klingende Turbobenziner leistet 400 PS sowie maximal 480 Newtonmeter. Der Motor dreht gierig bis zu 7000 Umdrehungen pro Minute und zeigt sich über den gesamten Drehzahlbereich hellwach und überaus agil. Dieser Motor werkelt übrigens mit zehn PS weniger auch im Cupra Formentor VZ5 – und ansonsten nur noch in den Audi-Modellen RS 3, RS Q3 und RS Q3 Sportback.

Karosserie/Ausstattung

Der Audi TT wurde mit seinen Generationen immer kantiger und verlor mit Ausnahme des Daches seine Rundungen immer mehr – bleibt aber dennoch gut als TT erkennbar. So zeigt sich der aktuelle TT von vorne kantig und breit. Die LED-Scheinwerfer bilden mit dem mächtigen Hexagon-Frontgrill sowie den beiden großen Lufteinlässen in der Frontschürze ein respekteinforderndes Antlitz, welches im Rückspiegel des Vordermanns schnell klarmacht, dass hier etwas sehr Flinkes herannaht.
Als Roadster besitzt der TT RS ein Stoffdach, welches nicht ganz so kuppelartig wie das des geschlossenen Pendants verläuft, aber dennoch sehr gelungen die Karosserieform begleitet. Dieses kann bis zu 50 km/h geöffnet und geschlossen werden, was jeweils rund zehn Sekunden dauert. Im offenen Zustand verströmt der Zweisitzer besonders in der Seitenansicht große Mengen an Dynamik und am Heck verraten die beiden ovalen Endrohre die Potenz dieses Ingolstädters. Zwischen den Endrohren wurde ein Heckdiffusor platziert und der Heckspoiler wurde anders als bei den herkömmlichen TT-Modellen fest installiert.
Im Innenraum fällt sofort auf, dass man hier auf den mittlerweile nahezu obligatorischen Zentralbildschirm verzichtet hat. Dessen Aufgabe übernimmt das volldigitale Cockpit, was anfangs ein bisschen Eingewöhnungszeit verlangt, aber nach Verinnerlichen des Bedienkonzepts dank MMI-Steuerung per Drehrad und Tasten in der Mittelkonsole leicht von der Hand geht. Apropos Hände: Das unten abgeflachte Sportlenkrad ist haptisch eine Wucht – Alcantara an den Griffseiten sorgen für besten Halt und Leder umschmeichelt den Rest des Volants auch optisch überaus schick. Die Sportsitze bieten mit einer sehr tiefen Sitzposition ordentlich Seitenhalt und bleiben dennoch freundlich zum Stützapparat der Insassen. Der Kofferraum bietet unabhängig davon, ob das Dach offen oder geschlossen ist, stets 280 Liter Volumen.
Die Materialauswahl macht unverkennbar klar, dass man hier im Premiumbereich unterwegs ist und die Verarbeitung lässt nirgendwo Anlass für Kritik zu. Ebenso Premium darf man das LED-Licht bezeichnen. Reichweite, Helligkeit und Homogenität sind erstklassig. Wer knapp 1000 Euro mehr investiert, darf sich dank Matrix-Technologie zusätzlich über die blitzschnelle Ausblendung anderer Verkehrsteilnehmer freuen.
Bluetooth, Android Auto sowie Apple CarPlay sind hier Standard und das optionale Navigationssystem bietet eine zuverlässige Routenführung. Nicht gefallen hat uns die zu klein geratene kabellose Ladebucht. Aktuelle Smartphones mit Bildschirmdiagonalen von 6,5 Zoll und größer passen hier nicht hinein.

Fahrverhalten

Der Fünfzylinder sorgt für hervorragende Fahrleistungen und setzt den rund 1,4 Tonnen schweren Roadster mit Vehemenz in Bewegung. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet je nach Fahrprogramm zügig bis überaus zackig, dazu immer zur jeweiligen Situation passend. Man hat daher kaum das Verlangen nach manuellen Gangwechseln was über die Schaltwippen am Lenkrad auch funktioniert – und zwar nicht weniger zackig.
Überlässt man der Automatik die Gangwahl, vergehen nur 3,9 Sekunden, bis 100 km/h erreicht sind. Das Ende der Fahnenstange liegt bei elektronisch begrenzten 250 km/h. Als Option kann man die Höchstgeschwindigkeit aber auf 280 km/h erhöhen.
Das Fahrwerk ist straff, aber nicht knochig abgestimmt. Der Audi TT RS überraschte mit einem souveränen Abrollverhalten und kann damit trotz der sportlichen Charakteristik auch weniger gewartete Straßen bewältigen, ohne seine Insassen zu stark zu malträtieren.
Die direkte Lenkung liefert emsig Rückmeldung und jedwede Kurvenhatz macht mit dem TT RS unheimlich Spaß. Dank Allrad mangelt es nie an Traktion und es ist eine Wonne, wie der Audi aus der Kurve herausbeschleunigt, um sich kurz danach sofort gierig in die nächste Kehre zu werfen. Doch er kann auch anders, dieser Audi TT RS. Im Fahrmodus Comfort kann man den Roadster völlig unaufgeregt auch mehrere hundert Kilometer am Stück bewegen, ohne danach den Chiropraktiker aufsuchen zu müssen. Insgesamt wirkt der TT sehr verbindlich und führt jedweden Befehl sehr gehorsam und frei von jedweden Allüren aus.

Wirtschaftlichkeit

Der Verbrauch hängt bei diesem Kraftpaket umso mehr vom Gasfuß des Piloten ab. Es beginnt mit dem Cruisen mit gut sieben Litern auf 100 Kilometer und endet bei Vollgashatz auf der freien Autobahn oder der abgesperrten Rennstrecke bei 16 Litern und mehr. Im Schnitt darf man einen Konsum irgendwo zwischen 10 und 12 Litern erwarten – inklusive dem ein oder anderen Leistungsabruf.
Auch sollte man genügend Budget für die Anschaffung des Audi TT RS Roadster bereithalten. Ab 75.500 Euro beginnt hier der offene Fahrspaß – das sind 2500 Euro mehr als für das TT RS Coupé und wenn man bei der Optionsliste jedes Häkchen setzt, ist man am Ende schnell über der 100.000-Euro-Marke gelandet.

Fazit

Der Audi TT RS Roadster bietet ein facettenreiches Repertoire offenen Fahrens, welches vom gemütlichen Cruisen durch den Taunus bis zum Rundenzeitjagen auf der Nordschleife reicht. Der Roadster kann all dies und so gut wie jede Nuance dazwischen bestens bedienen. Günstig ist das Ganze wahrlich nicht und im direkten Vergleich kommt die Konkurrenz beispielsweise aus Zuffenhausen zu ähnlichen Preisen. Dennoch hat er allein durch seinen fulminanten Fünfzylinder ein echtes Alleinstellungsmerkmal und trotz der mittlerweile achtjährigen Laufzeit der aktuellen dritten Generation, sieht der TT alles andere als altbacken aus – ganz im Gegenteil.