Auch wenn die Nächte noch kalt sind: Tagsüber macht die Sonne bereits wieder Lust auf offenes Fahren. Besonders schön ist das in einem BMW 8er Cabrio.

Motor

Insgesamt stehen für das 8er Cabrio vier Motorisierungen bereit. Den Einstieg macht der 840i mit 333 PS starkem Reihensechszylinder und wahlweise Heck- oder Allradantrieb. Darüber rangiert der M850i, der mit seinem 530-PS-V8 die zivile Speerspitze darstellt. Auch ein Diesel ist mit an Bord: Der 840d ist immer an den Allradantrieb xDrive gekoppelt und generiert aus ebenfalls sechs Zylindern 340 Pferdestärken. Wem dies immer noch nicht reicht, der kann auf den M8 Competition zurückgreifen, der aus 4,4 Litern Hubraum 625 generiert und an alle vier Räder schickt.
Unser Protagonist, der M850i, wird ebenfalls ausschließlich mit dem heckbetonten Allradantrieb xDrive angeboten. Das Drehmoment beträgt stattliche 750 Newtonmeter und liegt bereits ab 1800 Umdrehungen pro Minute an. Derart motorisiert, beschleunigt das Cabrio in vier Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und stürmt weiter bis 250 km/h. Diese Abriegelung lässt sich ausschließlich im M8 aufheben, dann sind bis zu 305 Stundenkilometer möglich.

Karosserie/Ausstattung

Ganz gleich in welcher Form man ihn bestaunt, der 8er ist immer eine mondäne Erscheinung. In unserem Falle setzte man auf eine klassische Lackierung in Carbonschwarz Metallic, die bei direktem Lichteinfall leichte Lila-Nuancen durchschimmern ließ. Ein Blick auf die Front zeigt zunächst, dass BMW hier auf etwaige „Nierenspiele“ verzichtete und dem größten Cabrio einen wohlproportionierten Kühlergrill spendierte. Dieser wird flankiert von schmalen Scheinwerfern, während eine markant konturierte und endlos lange Motorhaube klarstellt, dass es sich hier um kräftiges und gleichzeitig luxuriöses Fahrzeug handelt.
Die Seitenpartie offeriert leidenschaftlich gezeichnete Proportionen, die einem offenen Gran Turismo würdig erscheinen. Die lange Motorhaube fällt auch hier sofort auf, fügt sich jedoch harmonisch ins Gesamtbild ein. Viele Knicke im Blech und ein künstlerisch austariertes Heck ergeben ein stimmiges Gesamtbild, das dem Betrachter dargeboten wird.
Apropos Heck: Hier ist die Mischung aus Eleganz und Sportlichkeit bestens gelungen. Eine unübersehbare Zerklüftung trifft auf eine fast filigran anmutende Lichtsignatur, was in Summe ein Wechselspiel im Design darstellt und gerade deshalb die Blicke auf sich zieht. Dabei verzichtet BMW hier auf pompöse Endrohre oder Spoiler – dies bleibt dem M8 vorbehalten.
Im Innenraum bleibt es nonstop stilsicher und nobel. Unser Testwagen wurde mit hellem Leder in Elfenbeinweiß ausgekleidet und mit Details in Nachtblau kontrastiert. Das wirkt durch und durch edel, ist aber auch pflegeintensiver als ein dunkles Interieur. Dafür liegt das schwarze Lederlenkrad angenehm in den Händen, ist auf Wunsch beheizt und sehr dick gepolstert, was umgehend positiv auffällt. Die Mittelkonsole ist relativ breit und verfügt noch über einige physische Tasten, was in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Der Zentralbildschirm samt iDrive-Controller ist ausgesprochen intuitiv und wer weder „touchen“ noch drehen will, der diktiert seine Wünsch einfach der sehr gut funktionierenden Sprachsteuerung.
Die Sitze sind vorn sehr gut ausgeformt, mannigfaltig verstellbar und außerordentlich bequem. Lange Strecken verbringt man gern auf dem schicken Gestühl, zumal auf Wunsch auch eine Massagefunktion sowie eine Nackenheizung Einzug im offenen 8er halten. Im Fond geht es – und das war zu erwarten – deutlich enger zu. Wir empfehlen Personen ab einer Körpergröße von 1,75 Metern bei geschlossenem Verdeck nur kürzere Etappen zurückzulegen. Wird offen gefahren, dürfen die Fondgäste auch größer sein. Der Kofferraum bietet mit 350 Litern zwar nicht allzu viel Stauraum, jedoch bleibt dieser weitgehend unabhängig von der Verdeckposition und wer ohnehin nur zu zweit reist, dürfte hier sicherlich ausreichend Platz vorfinden.

Fahrverhalten

Nach dem Druck auf den Startknopf meldet sich der V8 mit kurzem, sehr dezentem Knurren zum Dienst, um sogleich in einen ruhigen, zurückhaltenden Leerlauf zu fallen. Schon allein diese Charaktereigenschaft wird die distinguierte Kundschaft zu schätzen wissen.
Die ersten Kilometer bewegen wir das große Cabrio ruhig durch innerstädtische Bereiche und stellen fest, dass der 8er ausgeprägte Cruiser-Eigenschaften besitzt. Keine spitze Gasannahme, keine übersensible Lenkung und keine übereifrige Bremse, die so manch Heißgetränk über das feine Leder verteilen möge. Nichts davon. Das M850i xDrive Cabrio bleibt souverän und stets gelassen, federt im Comfort-Modus nahezu alle Fahrbahnunzulänglichkeiten weg und teilt dem Fahrer nur die Infos mit, der er wirklich braucht.
Das ändert sich auch auf der Landstraße nicht. Die grandios schaltende Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF arbeitet derart präzise, dass nahezu nie der Wunsch aufkeimt, manuell über die schicken Wippen eingreifen zu wollen. Hinzu kommt eine angenehme Akustik, die beinahe an die eines Coupés mit festem Dach heranreicht. Im Übrigen ist es selbst bei Tempo 200 noch möglich, sich in Zimmerlautstärke zu unterhalten. Da wir mittlerweile auf der Autobahn unterwegs sind, möchten wir noch ein Wort über die Technik im 8er verlieren. Dank elektromechanischer Wankstabilisierung werden schnelle Spurwechsel genauso souverän abgehandelt, wie man es von einem Fahrzeug der Luxusklasse respektive von einem Sportwagen erwartet. Unterstützt wird das aufwendige Fahrwerk von einer HInterachslenkung, welche dem 4,85 Meter langen Fahrzeug in der Stadt eine enorme Wendigkeit und auf der Autobahn eine höhere Präzision beschert.
Mit offenem Verdeck – und im Fond verbauten Windschott – geht unsere Fahrt weiter und wir bemerken recht schnell, dass die Ingenieure viel Wert auf einen zugfreien Innenraum gelegt haben. Bis Tempo 140 bleibt es im Interieur angenehm windstill, erst darüber weht ein laues Lüftchen im 8er. Lau deshalb, weil die Nackenheizung viel Wärme spendet und Sitz- und Lenkradheizung ebenfalls fleißig unterstützen. So gibt es eigentlich keinen Grund, das bayrische Cabriolet bei niedrigen Temperaturen ständig geschlossen zu fahren.

Wirtschaftlichkeit

Der Grundpreis des BMW 8er Cabrio beträgt 104.900 Euro – dafür erhält der Kunde den 840i mit Heckantrieb. Für unseren getesteten M850i xDrive werden mindestens 136.100 Euro fällig, die sich durch ein wenig Ausstattungplus recht schnell auf 160.000 Euro steigern lassen, wie unser Testwagen eindrucksvoll zeigt.
Der Verbrauch des BMW M850i xDrive Cabrio betrug im Drittelmix 11,8 Liter Super pro 100 Kilometer. Bedenkt man die enorme Leistung (530 PS) und das hohe Gewicht (über 2,1 Tonnen), so geht der Wert aus Sicht der Redaktion in Ordnung. Verlangt man dem Achtender stets alles ab, dürfen rund fünf bis sechs Liter mehr einkalkuliert werden, während gemütliches Dahingleiten 8,2 Liter zur Folge hat.

Fazit

Das BMW M850i xDrive Cabrio erwies sich im Test als echter Gentleman, der einen gelungenen Spagat zwischen Sportwagen und Gran Turismo beherrscht. Im Grunde genommen positioniert er sich als Luxus-Cabrio mit uneingeschränkter Reisetauglichkeit, das auch den schnellen Ritt nicht scheut.
Ein Porsche 911 ist derweil rassiger, was Agilität und Kurvendynamik anbelangt. Und das verblichene S-Klasse Cabrio von Mercedes wartet mit noch höherem Komfortlevel auf. Weitere Konkurrenten sind jedoch rar und eher bei Bentley und Aston Martin zu finden. In Summe lässt sich der offene 8er kaum etwas ankreiden und darf so als eines der besten Cabriolets überhaupt gelten.