Seit Ende 2021 gibt es den vollelektrischen BMW iX auf dem Markt – ein Premium-SUV auf einer eigens für E-Fahrzeuge entworfenen Plattform. Das Auto ist ganzheitlich der Nachhaltigkeit verschrieben. Das bedeutet, es werden nur tierfreie, nachhaltige und recycelte Materialien im Innenraum verwendet, die Produktion des Akkus findet ausschließlich mit Grünstrom statt und der reduzierte Kobalt- und Lithiumanteil dafür ist aus kontrollierten Abbaugebieten.

Motor

Das xDrive50 bezeichnet beim von uns gefahrenen iX die Leistungsklasse, ohne dabei einen genauen Kennwert anzusprechen. Als Antrieb fungieren in diesem Bayern zwei Elektromotoren – pro Achse einer – die im Duo eine Systemleistung von 385 kW respektive 523 PS generieren. Das Drehmoment von insgesamt 765 Newtonmetern steht wie bei E-Antrieben üblich, ab der ersten Umdrehung vollumfänglich zur Verfügung.
Der Akku besitzt 105 Kilowattstunden nutzbare Kapazität und wird entweder über Gleichstrom an CCS-Schnellladestationen mit bis zu 200 kW oder über einen Typ-2-Anschluss an einer AC-Ladesäule mit maximal 11 kW geladen. Empfehlenswert ist das Aufladen per CCS, was eine gute halbe Stunde benötigt, um den Akku von zehn wieder auf 80 Prozent zu bringen. An der AC-Säule dauert einmal Vollladen knapp 12 Stunden.

Karosserie/Ausstattung

Der iX ist eine überaus massive, ja fast staatstragende Erscheinung. Knapp fünf Meter lang und drei Meter Radstand lassen ihn irgendwo zwischen BMW X5 und X7 eingliedern. Die riesige Doppelniere ist dabei der größte Anstoß für polarisierende Meinungsbildung. Superflache Scheinwerfer und auch Rückleuchten sorgen derweil für Dynamik, wie auch die abfallende Dachlinie, die ein bisschen an einen Crossover erinnern möchte.
Aufgrund des fehlenden Kardantunnels gibt es im Innenraum viel Platz, was für beide Sitzreihen gilt. Die Materialauswahl ist durchgängig auf Premiumniveau. Dass es sich um Naturleder oder recycelte Materialien handelt, ist nicht mal im Ansatz erkennbar. Superbequeme und vollklimatisierte Sitze mit Massagefunktion vorne und beheizte Sitze im Fond laden auch zu Fernreisen ein.
Das Lenkrad sieht aus wie aus einem Konzeptfahrzeug, liegt aber bestens in den Händen. Das „Curved Cockpit“ besteht aus zwei Displays, die zu einem verschmelzen und die freischwebende Mittelkonsole beherbergt den Dreh- und Drückregler, der einst iDrive hieß.
Dieser ist wie auch die Schalter für die Sitzverstellungen – letztere sind hier in die Türverkleidungen umgezogen – in Glasoptik gehalten, was etwas verspielt aussieht, aber irgendwie auch Charme hat. Ein riesiges Panoramadach flutet den Innenraum mit Licht. Der Clou: Auf Knopfdruck wird das Glas elektrochrom eingetrübt, wodurch das Sonnenlicht draußen bleibt. Ein weiterer Knopfdruck und der Blick gen Himmel wird wieder frei.
Einzig der Kofferraum ist für das riesige Auto mit 500 Liter etwas klein ausgefallen. Hinzu kommt, dass die Ladeluke sehr schmal ausfällt, was die Praktikabilität weiter einschränkt. Dafür kann der iX als Alleinstellungsmerkmal bis zu 2,5 Tonnen Anhängelast ziehen – das schafft sonst kein anderes E-Auto.
Die Assistenzsysteme im BMW iX sind durchgängig sehr innovativ. So kann das Fahrzeug dank der knapp zwei Dutzend Sensoren via Bildverarbeitung, Radar und Ultraschall die Umgebung interpretieren und das Fahrzeug vor Gefahren bewahren oder das Fahren selbst adaptiv an die aktuellen Gegebenheiten anpassen. Bremsenergie wird zurückgewonnen, wenn eine Ortschaft oder Kurve naht, die Stärke dieser sogenannten Rekuperation wird auch je nach Steigung oder Gefälle angepasst und vieles mehr. Parkvorgänge können aufgezeichnet und später exakt so automatisch wiederholt werden und der Sprachassistent kommt selbst mit undeutlicher Aussprache zurecht. Obendrein beherrscht er auch den Small Talk oder erzählt auf Kommando Witze.
Last, but not least ist die Bowers & Wilkins Soundanlage ein absolutes Sahnestück. Die 5.300 Euro Aufpreis vergisst man sofort, wenn man dieses System erstmals probehört. Es gehört zusammen mit der Bespoke von Rolls-Royce zu den besten beiden Anlagen in der automobilen Welt.

Fahrverhalten

Der BMW iX xDrive50 hat ordentlich Power, erreicht nach nur 4,7 Sekunden aus dem Stand die 100-km/h-Marke und beschleunigt weiter vehement bis Tempo 200 – hier wird elektronisch die Grenze gesetzt. Diese ist allein zugunsten der Reichweite eingerichtet – der BMW könnte noch viel schneller.
Das Luftfahrwerk federt extrem komfortabel und filtert nahezu alles heraus, was die Insassen stören könnte. Beim Fahrverhalten selbst bleibt der iX trotz seines hohen Gewichts sehr neutral, zeigt dieses nur bei forcierter Behandlung durch spürbares Aufschaukeln und im Grenzbereich schiebt er über die Vorderräder, was sofort durch das ESP unterbunden wird.
Besonders hervorzuheben ist zudem die fast himmlische Ruhe im Innenraum. Die Fahrgeräusche sind dank ausgeklügelter Dämmung und den leisen E-Motoren auf einem sehr niedrigen Niveau. Damit steht Fernreisen nichts mehr im Wege, oder?

Wirtschaftlichkeit

Nun, die Achillesferse eines jeden Elektrofahrzeugs ist bekanntlich seine Reichweite. Der BMW iX xDrive50 verbrauchte im Durchschnitt bei je 33,3 Prozent Stadt/Landstraße/Autobahn – so nennt man den Drittelmix – etwas über 23 kWh auf 100 Kilometer. Damit kommt man mit einer Akkuladung rund 443 Kilometer. Aber: Bleibt man defensiv innerorts und über Land unterwegs, sind durchaus Reichweiten von knapp 600 Kilometern drin, was in etwa der Herstellerangabe entspräche.
Am Ende bleibt noch die Frage, ob die Geldbörse dick genug ist, um sich diesen Bavaren gönnen zu können. Der Einstieg zum xDrive50 beträgt 102.500 Euro und der Testwagen kostete mit allerlei weiterer Ausstattung fast 130.000 Euro. Viel Geld für ein (E-)Auto. Doch der Gegenwert ist ein absolut alltagstaugliches Elektrofahrzeug mit extrem viel Komfort und innovativen Technologien.

Fazit

Setzen, eins, BMW. Was die Münchner hier auf die Räder gestellt haben, ist beachtlich. Die Innovationen sind so vielschichtig, dass man aktuell kaum ein Fahrzeug findet, welches auf diesem Technologiestand mithalten kann. Dazu kommen ein bärenstarker Antrieb, moderate Ladezeiten und eine akzeptable Reichweite. Nicht zu vergessen ist das überaus komfortable Fahrverhalten des iX. In Summe also viele Dinge, die für dieses E-Auto der Premiumklasse sprechen. Die Konkurrenz sitzt nicht weit entfernt in Ingolstadt als Audi e-tron und in Stuttgart als Mercedes-Benz EQS. Tesla versucht mit dem Model X Paroli zu bieten. Doch in vielen Punkten kann der BMW den Wettbewerb überflügeln und dürfte für die angesprochene Klientel mehr Wert sein als nur ein flüchtiger Blick auf die riesige Doppelniere.