Mit dem DS 9 bringt die noch junge französische Automobilmarke, erst 2016 aus der Marke Citroën ausgegründet, erstmals eine Premiumlimousine auf den Markt, die sich in Gefilden eines Audi A6, BMW 5er oder Jaguar XF positioniert. Produziert wird der DS9 in China und basiert auf der EMP2-Plattform, auf der auch ein Peugeot 508 und das SUV DS 7 Crossback aufbauen.

Motor

Als Antrieb dient im Test-DS-9 ein Duo, bestehend aus einem 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner und einem Elektromotor. Gemeinsam treiben diese als Plug-in-Hybrid die Limousine mit 225 PS Systemleistung sowie 320 Newtonmetern Drehmoment an. Der Verbrenner hält sich geräuschtechnisch überwiegend dezent im Hintergrund, wird ausschließlich bei Vollgas akustisch dominierend. Alternativ zu unserem „E-Tense 225“ stehen aktuell noch ein Plug-in-Hybrid mit 250 PS sowie mit 360 PS und Allradantrieb zur Wahl.
Die Energie wird in einem Lithium-Ionen-Akku mit 11,8 kWh Kapazität gespeichert. Geladen wird dieser über einen Typ-2-Anschluss mit bis zu 7,4 kW. Laut Hersteller fährt der DS 9 damit bis zu 52 Kilometer rein elektrisch. Wir haben ihn aufgeladen und als Reichweite 40 Kilometer prophezeit bekommen. Am Ende wurden dann bei normaler Fahrweise 42 Kilometer daraus. Maximal kann man rein elektrisch bis zu 135 km/h schnell sein. Das Aufladen dauerte im Test an einer AC Wallbox 2 Stunden und 21 Minuten und wer es über die normale Haushaltssteckdose durchführt, muss mit gut sieben Stunden Ladezeit rechnen.

Karosserie/Ausstattung

Der DS 9 zeigt sich als überaus elegante Limousine, die eine ästhetische Linienform vorweist und skulptural wie aus einem Guss erscheint. Die Front ist spitz zulaufend und eine über die Haube verlaufende Zierleiste erinnert wie eine Reminiszenz an vergangene Zeiten. Die Scheinwerfer samt Tagfahrlicht wurden vom DS 7 adaptiert und stehen dieser Limousine nicht weniger gut. Elektrisch ausfahrende Türgriffe werden bei Annäherung sichtbar und große Räder füllen die Radhäuser perfekt in der gestreckt wirkenden Seitenansicht. Am Heck erwarten den Betrachter beidseitig echte Endrohre und wunderschöne Heckleuchten mit einem 3D-Rautendesign.
Das Interieur besticht durch noble Materialien, wie umfangreicher Ledereinsatz in Rubi Rot. Doch kennt man die Innenarchitektur bereits vom DS 7, welche hier eins zu eins adaptiert wurde. Wohlbemerkt, von einem Auto, das bereits vier Jahre auf dem Markt ist. Doch sorgen muss man sich nicht, denn altbacken wirkt hier zumindest optisch absolut nichts. Verarbeitung und Materialeinsatz ist bei deutschen Premiumherstellern kaum besser zu bewerten.
Die vollklimatisierten Sitze bieten neben diversen Massagefunktionen auch besten Sitzkomfort und laden sogleich auf die Langstrecke ein. Das Raumgefühl ist vorne sehr gut, hinten fast verschwenderisch. Man hat im Fond durchaus den Eindruck, in einer BMW 7er Limousine zu sitzen, so opulent sind die Platzverhältnisse für Kopf und Beine. Der Kofferraum fasst trotz Hybridtechnik üppige 510 Liter. Leider gibt es weder eine Durchlademöglichkeit noch lassen sich die Rückenlehnen umklappen, wodurch die Praktikabilität eingeschränkt wird.
An Ausstattung mangelt es dem DS 9 derweil nicht. Wenngleich das Infotainment etwas lange Rechenzeiten benötigt und der Bildschirm größen- und darstellungstechnisch eher im Mittelfeld rangiert, macht es seine Aufgaben zufriedenstellend und lässt sich intuitiv bedienen. Die LED-Scheinwerfer sorgen beim Entriegeln des Fahrzeugs für ein hübsches Schauspiel, indem die drei runden Lichteinheiten pro Scheinwerfer in einem zarten Pink illuminiert werden und sich dabei wie Edelsteine in einer Auslage beim Juwelier drehen. Den Lichtteppich gibt’s fleckenfrei und mit hoher Reichweite. Der Fernlichtassistent könnte derweil etwas zackiger arbeiten.
Soundtechnisch spielt das System von Focal deutlich über dem guten Mittelfeld. High-End-Systeme a la B&W kann es allerdings nicht das Wasser reichen. Konnektivität ist dank Android Auto oder Apple Carplay gegeben. Bei letztgenanntem mussten wir allerdings wiederholt Verbindungsabbrüche registrieren. Sehr hilfreich ist der Nachtsichtassistent, der Fußgänger, Radfahrer oder Tiere deutlich eher erkennt und farblich anzeigt, als der Fahrer diese bemerkt.

Fahrverhalten

Der DS 9 ist konsequent auf Komfort getrimmt. Entsprechend ruhig und gediegen geht es in der Limousine während der Fahrt zu. Im E-Modus ist es so leise, dass man bei Unterhaltungen vor Demut fast flüstern möchte. Dies wird unter anderem einer guten Dämmung sowie einer Akustikverglasung verdankt. Das Fahrwerk schluckt sehr souverän alle Unebenheiten und ähnelt hier durchaus Luftfahrwerken aus der Oberklasse, die in dieser Disziplin kaum etwas wirklich besser können. Allerdings müssen sich die großen Räder zumindest Querfugen und kurzen Verwerfungen geschlagen geben und melden diese dann leicht polternd weiter an den Innenraum.
Die Lenkung ist passenderweise leichtgängig und gibt genügend Rückmeldung. Auch die Bremsen haben die Limo fest im Griff. Die 225 (System-) Pferde sorgen zudem auf Wunsch für flottes Vorankommen, ohne dabei wirklich sportlich zu wirken – das wäre hier auch irgendwie unpassend. Dennoch geht es in unter neun Sekunden auf Tempo 100 und das Ende des Vortriebs ist erst bei 240 km/h erreicht.

Wirtschaftlichkeit

Verbraucht hat der DS 9 im Test bei leerem Akku im Gesamtdurchschnitt 6,8 Liter auf 100 Kilometer. Fährt man sehr zurückhaltend, sind sogar nur gut vier Liter möglich. Die Leistung konsequent ausgereizt, wurden maximal 12,5 Liter daraus – wohlbemerkt, alles mit leerem Akku gemessen. Bei vollem Akku schafft der DS 9 die ersten 100 Kilometer bei normaler Fahrweise mit einem Durchschnitt von 3,3 Litern.
Der DS 9 startet ab 48.550 Euro als Benziner mit 225 PS. Die Hybridvarianten bieten ein Leistungsspektrum von 225 PS bis 360 PS und sind preislich entsprechend intensiver. Der allradgetriebene E-Tense 4x4 360 als Speerspitze startet bei 64.250 Euro. Alles keine echten Schnäppchen, aber man erhält viel fürs Geld und hiesige Wettbewerber sind mit derartiger Ausstattung gut und gerne auch um fünfstellige Summen teurer.

Fazit

Der DS 9 etablierte sich im Test als gelungene Limousine, die nicht nur als Alternative zu den bestehenden Platzhirschen gelten muss. Abstriche muss man dennoch in Form des angestaubten Infotainments oder fehlenden Ausstattungsoptionen wie einem Head-up Display machen. Wenn schon Premium, dann überall, so meinen wir.
Ein weiterer Nachteil ist das dünne Servicenetz mit rund 30 Standorten deutschlandweit. Da muss man schon in einer Metropole wohnen und selbst dann gibt’s keine Gewähr für einen Händler in der Nähe.
Dennoch möchten wir bei aller Kritik noch einmal feststellen, dass es kein anderes Auto in diesem Segment gibt, das imstande ist, Avantgarde mit Komfort so zu verknüpfen wie der DS 9. Das gibt’s sonst nur in der Oberklasse.