Als Mini-SUV feierte der 500X bereits 2014 seine Premiere, bekam 2018 eine Modellpflege und präsentiert sich nun zusätzlich als Dolcevita als Beinahe-Cabrio. Der Yacht Club Capri ist davon ein Sondermodell.

Motor

Beim Antrieb in unserem Testwagen handelt es sich um einen 1.3-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung. Der Benziner mit dem klangvollen Namen Firefly Turbo leistet 150 PS und 270 Newtonmeter maximales Drehmoment, das bereits ab 1800 Touren zur Verfügung steht. Damit ist dieser Motor der stärkste verfügbare Antrieb im Fiat 500X. Die Kraftübertragung übernimmt ein Doppelkupplungsgetriebe, welches die Kraft an die Vorderachse leitet und leider viel zu oft das Leistungsvermögen des Motors verschluckt – dazu kommen wir noch. Allradantrieb gibt es für den Fiat 500X nicht.

Karosserie/Ausstattung

Die Sonderfarbe Venezia Blau des Yacht Club Capri steht dem Mini-SUV ausgesprochen gut. Tiefsinnig und beruhigend wirkt diese auf den Betrachter, der sogleich die Badges auf den B-Säulen und am Heck entdeckt, die den Fiat als Sondermodell deklarieren. Das riesige Stoffverdeck erstreckt sich tatsächlich über den gesamten Dachbereich und kommt dadurch im Rahmen seiner Karosserieform einem Cabrio weitestgehend nahe. Eine elfenbeinfarbene, doppelt verlaufende Linie – Fiat nennt diese Beauty Line – gibt gemeinsam mit einigen Chrom-Applikationen einen zusätzlichen Touch, der dem Thema Yacht & Co. ziemlich gerecht werden kann.
Noch intensiver wird das Thema im Innenraum aufgegriffen. Feinstes elfenbeinfarbenes Leder verziert das Gestühl und blaue Stickereien sorgen zudem für die passende Akzentuierung. Holzdekor in der Instrumententafel erinnert zusätzlich an edles Plankenholz von Yachten. Dennoch will dieser Push in Richtung High Society nicht so richtig greifen, denn im nicht unbedingt harmonisierenden Kontrast zeigt der Rest des Interieurs immer wieder recht einfach gehaltenen Kunststoff als fokussierte Materialauswahl.
Als Highlight gilt selbstredend das Stoffdach, welches im offenen Zustand durchaus für Freiheitsgefühle in Cabrio-Manier sorgt. Wie so oft, rufen derartige Vorteile auch gern Nachteile auf den Plan, die da einmal als erhöhte Fahrgeräusche und als eine geringere Kopffreiheit im Fondbereich zu benennen wären. Letztgenanntes ist auch der einzige Unterschied zum Platzangebot im herkömmlichen Fiat 500X.
Ganz im digitalen Zeitalter angekommen, zeigt sich der Fiat 500X auch als Sondermodell dank Android Auto sowie Apple CarPlay sehr konnektivitätslüstern und ist mit Dingen wie einem Uconnect Navigationssystem, diversen Assistenten und komfortfördernden Klimatisierungsmöglichkeiten gesegnet. DAB+ und Voll-LED-Scheinwerfer gehören ebenfalls zum Repertoire des Sondermodells.

Fahrverhalten

Fahrtechnisch gibt sich der Fiat 500X als tendenziell straff gefedert, ohne dabei dem Komfort gänzlich abzuschwören. Die Lenkung ist eine Spur zu leichtgängig und insbesondere in Neutralstellung – also beim Geradeausfahren – vermisst man Rückmeldungen vom Fahrbahnkontakt.
Diese Lenkung und die Schaltcharakteristik der Doppelkupplungsautomatik ersticken leider die potenziell existente Dynamik dieses Autos. Denn vor allem bei Lastwechsel benötigt das Getriebe eine gehörige Gedenksekunde, bevor der Kraftfluss wiederhergestellt ist. Auch erweisen sich die Schaltvorgänge selbst nicht immer als passend und häufig als zu träge. Dadurch wirkt der 150-PS-Antrieb mitunter deutlich schwächer. Einzige Ausnahme: Auf der Autobahn oder auf der freien Landstraße. Bleibt der Antrieb permanent im Futter, wirkt das Triebwerk des Fiat durchaus potent und souverän. Leider gibt es diesen Motor ausschließlich in Kombination mit dieser Doppelkupplungsautomatik.
Bei höheren Geschwindigkeiten ab ungefähr Tempo 150 neigt das Mini-SUV zudem zu einer spürbaren Windanfälligkeit und die Windgeräusche sind dank des Stoffdachs deutlich stärker zu vernehmen als in der geschlossenen Variante. Bei Bedarf ist das Pseudo-Cabrio etwas über 200 km/h schnell und die Beschleunigung aus dem Stand bis 100 km/h ist in 9,6 Sekunden ad acta.

Wirtschaftlichkeit

Sofern man diese Leistungsdaten nicht permanent abruft, fährt man den Fiat im Schnitt mit knapp sieben Litern auf 100 Kilometer Fahrstrecke. Das ist rund ein dreiviertel Liter mehr als die Werksangabe verspricht. Bei sensitiv agierendem Gasfuß plus vorausschauender Fahrweise ist aber sogar eine fünf vor dem Komma drin. Bleifußorgien lassen den Durchschnittswert hingegen auch in den zweistelligen Bereich springen.
Und von einem Schnäppchen kann man beim Verkaufspreis von diesem Sondermodell auch nicht sprechen. Mit der hier getesteten stärksten Motorisierung kostet der 500X als Yacht Club Capri mindestens rund 33.500 Euro und mit ein paar Ausstattungsoptionen war unser Testwagen bereits über 35.000 Euro wert. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher 500X mit dem 130 PS starken Mildhybrid-Benziner startet aktuell bei 24.062 Euro als Sonderpreis bei einer Onlinebestellung.

Fazit

Der Fiat 500X Yacht Club Capri ist ein Sondermodell der Dolcevita-Ausstattung, welches dem leicht angestaubten Design der letzten acht Jahre ein hübsches Makeup auferlegt. Gänzlich kann es aber das Alter des hübschen Italieners nicht kaschieren und mitunter – insbesondere im Innenraum, wo sich diese Aufwertungen mit teilweise einfacher Plastik beißen – wirkt der Versuch nicht vollständig gelungen.
Dafür offenbart das riesige Stoffdach ein herrliches Gefühl von Freiheit und liegt damit nur eine unbedeutende Handbreit entfernt vom Flair eines echten Cabriolets. Ausstattungstechnisch findet man im Italiener alles, was man heutzutage erwartet – spätestens als Option ist auch für die letzten Annehmlichkeiten gesorgt.
Als Mini-SUV zelebriert dieser Fiat „La Dolce Vita“ in einem typisch italienischen, sehr sympathischen Stil und dürfte dadurch trotz seines selbstbewussten Preises sehr schnell seine Fans und Freunde finden.