Als italienischer Golf tritt der Fiat Tipo im schicken Sportdress und mit leidenschaftlicher Farbgebung in Passione Rot zum Test an.

Motor

Den Antrieb in unserem Fiat Tipo Sport übernimmt ein 1,6 Liter großer Turbodiesel mit 120 PS. Die 320 Newtonmeter Drehmoment stehen bereits ab 1.750 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. Die Kraftübertragung übernimmt wahlweise ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder - wie in unserem Testwagen - ein Doppelkupplungsgetriebe mit ebenfalls sechs Gängen.
Wer möchte, kommt in 10,1 Sekunden von Null auf 100 km/h und ist maximal 199 Stundenkilometer schnell. Dabei wird der Tipo grundsätzlich mit Frontantrieb ausgerüstet.
Neben dem 120-PS-Diesel steht noch ein Pendant mit 95 PS und 1,3 Litern Hubraum bereit. Wer lieber auf einen Benziner zurückgreifen möchte, hat die Wahl zwischen ebenfalls 95 und 120 PS, die immer von 1,4 Liter großen Vierzylinder generiert werden.

Karosserie/Ausstattung

Schon beim ersten Blick auf den Fiat Tipo Sport fällt auf, dass er einen dynamischen Charakter besitzt. Die Front zeigt eine ernste Miene mit in den Kühlergrill mündenden Xenon-Scheinwerfern. Dank Sport-Trimm gibt es hier eine geänderte Frontschürze sowie diverse Applikationen in Schwarz, die einen angenehmen und gleichzeitig sportiven Eindruck hinterlassen.
Dieser Eindruck setzt sich auch an der Seitenpartie fort. Türgriffe und Außenspiegelkappen sind ebenfalls rabenschwarz ausgeführt, die 18-Zoll-Räder unterstreichen den sportlichen Anspruch und der Seitenschweller grenzt den Top-Tipo dann endgültig von seinen Geschwistermodellen ab.
Am Heck angekommen, bestaunt man dann einen aufgesetzten Dachkantenspoiler, der durchaus üppig dimensioniert wurde. Die maskuline Heckschürze bildet einen stimmigen Abschluss und auf etwaige Endrohre wird gänzlich verzichtet - man möchte hier keinen protzigen Eindruck hinterlassen, sondern vielmehr subtil mit sportlicher Eleganz punkten.
Im Innenraum macht sich indes ein ganz anderer Charme breit. Nachdem Fahrer und Beifahrer auf angenehm konturierten, aber dennoch breiten Sitzen Platz genommen haben, fällt der Blick auf eine gleichermaßen simple wie intuitive Cockpit-Landschaft. Die Tachoeinheit besteht - ganz klassisch - aus zwei analogen Rundinstrumenten, die in der Mitte ein kleines Infodisplay beherbergen. Wirkt etwas oldschool, ist es auch.
Die Klimaautomatik ist selbsterklärend, darunter befindet sich ein USB-Anschluss sowie die Tasten für die einstufige Sitzheizung. Etwas aus der Zeit gefallen ist dagegen der große Wählhebel für die Automatik - Minimalismus sieht anders aus. Ganz anders hingegen der aufgesetzte Zentralbildschirm, der trotz geringer Größe von sieben Zoll bestens ablesbar bleibt und dankbarerweise über zwei Drehregler verfügt. Und wo wir gerade dabei sind: Das Navigationssystem stammt aus dem Hause TomTom und leistete während des gesamten Testzeitraums hervorragende Arbeit. Routenberechnung und -führung lassen keinerlei Grund für Kritik zurück. Gleiches gilt für das Koppeln von Smartphones via Apple CarPlay und Android Auto.
Der Laderaum offeriert mindestens 440 Liter, womit der Tipo ein ganzes Stück oberhalb eines neuen VW Golf 8 rangiert. Auf Wunsch lässt sich das Volumen auf bis zu 1200 Liter erweitern.

Fahrverhalten

Wer mit dem Namenszusatz „Sport“ nicht gleich eine Rennmaschine erwartet, wird vom Tipo nicht enttäuscht sein. Der Vierzylinder hängt gut am Gas und sprintet dank seines früh einsetzenden Drehmoments adäquat und motiviert voran. Einen signifikanten Kritikpunkt, den wir schon früh ausmachen konnten, war das träge Ansprechverhalten des DCT genannten Doppelkupplungsgetriebes. Sowohl beim Anfahren als auch beim Wechsel zwischen Vorwärts und Rückwärts verging gefühlt mehr als eine Sekunde, bis sich der Tipo sortiert hatte. Insbesondere beim Rangieren sorgte dies oftmals dafür, dass der Fahrer mehr Gas gab, was nach dem Kraftschluss einen „Sprung“ nach vorne oder hinten zur Folge hatte. Wer mag, darf hier also gern auf die Sechsgang-Handschaltung zurückgreifen.
Der zweite Kritikpunkt ist eine fehlende Berganfahrhilfe. Löst man an einer Steigung die Bremse und betätigt das Gas, rollt man gerne mehr als 20 Zentimeter zurück, bevor die Vorwärtsfahrt wieder einsetzt. Hier herrscht Nachholbedarf.
Ansonsten gibt es am Fahrverhalten des Fiat Tipo Sport nichts auszusetzen. Das Fahrwerk ist schön straff, bietet aber immer noch genügend Restkomfort, um mit dem Italiener auch längere Strecken stressfrei abzuspulen. Dabei konnten auch die Bremsen in Gänze überzeugen.
In urbanen Bereichen empfanden wir die Lenkung als etwas zu synthetisch und wenig Feedback liefernd. Doch hier hat Fiat noch ein Ass im Ärmel, welches auf den Namen Cityfunktion hört. Mittels eines kurzen Drucks auf den „City-Knopf“ wird die Lenkung adhoc leichtgängiger und der Tipo lässt sich einfach in jede Parklücke manövrieren. Nachdem wir dies herausgefunden hatten, ließen wir den Citymodus gleich dauerhaft aktiv.
Im Vergleich zur deutschen Konkurrenz wartet der Italiener nicht mit adaptiven Dämpfern oder anderen Helferlein dieser Art auf. Aus Sicht der Redaktion ist dies aber auch nicht notwendig, die Abstimmung des Fahrzeugs erscheint ausgewogen und sportlich akzentuiert.

Wirtschaftlichkeit

In diesem Kapitel kann der Tipo seine Trümpfe ausspielen. Der Einstiegspreis für den italienischen Kompakten beträgt 15.790 Euro mit dem kleineren Benziner. Unser Testwagen hat als „Sport“ mit dem großen 120-PS-Diesel einen Grundpreis von 26.748 Euro, bietet seinen Kunden jedoch bereits ab Werk eine sehr gute Serienausstattung an. Folgerichtig fällt auch die Aufpreisliste im Falle unseres Testwagens sehr überschaubar aus.
So stehen unter Einbeziehung der Bicolor-Lackierung, dem Komfort- und dem Sicherheitspaket Plus, einer 12-Volt-Steckdose im Kofferraum und der Sitzheizung für das vordere Gestühl 28.568 Euro als Endpreis. Vergleich man dies mit der bereits angesprochenen, deutschen Konkurrenz, spielt der Tipo auf einmal ganz vorne mit.
Ebenfalls bemerkenswert ist der Kraftstoffverbrauch des großen Diesels. Ohne diesen zu geschont zu haben, standen bei uns am Ende des Testzeitraums 6,6 Liter pro 100 gefahrener Kilometer auf der Uhr. Ein guter Wert.

Fazit

Der Fiat Tipo Sport zeigte sich im Test als pragmatische Alternative zu den Etablierten in der Kompaktklasse. Wobei reiner Pragmatismus hier schon lange nicht mehr ausschlaggebend ist. Auch in Sachen Design kann sich der Italiener sehen lassen, bietet darüber hinaus eine üppige Serienausstattung und einen vernünftigen Antrieb.
Den Mangel in Bezug auf das DCT kann man sicherlich verschmerzen, im Gegenzug gibt es ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis und einen kleinen Exotenstatus on top.
Wer auf der Suche nach einem schicken Kompakten ist und sein Budget mit Adleraugen überwacht, sollte sich den Tipo gern einmal näher anschauen.