Das Fullsize-SUV aus Korea erobert seit Sommer 2021 den europäischen Markt und zielt ungeniert auf die Premiumklasse mit seinen diversen Platzhirschen aus renommierten Häusern auch und vor allem mit deutscher Herkunft. Dabei möchte der GV80 mit einer fulminanten Ausstattung sowie einem erstklassigen Preis-Leistungsverhältnis die geneigten Interessenten überzeugen.

Motor

Der Testwagen von Hyundais Edelmarke Genesis wurde durch einen Turbodiesel-Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum angetrieben. Der Selbstzünder offeriert 278 PS bei 3800 Touren und 588 Newtonmeter maximales Drehmoment in einem Drehzahlbereich von frühen 1500 und anhaltend bis zu 3000 Touren. Die Laufkultur des Reihenmotors ist bauartspezifisch sehr kultiviert, bei höheren Drehzahlen angenehm kernig. Die Glattgeschliffenheit eines Reihensechszylinders aus München oder aus dem Hause Jaguar Land Rover erreicht er allerdings nicht in Gänze.

Karosserie/Ausstattung

Die optische Erscheinung des GV80 kann mit Fug und Recht als massiv bezeichnet werden. Dabei wirkt der Koreaner alles andere als plump. Die leicht nach vor abfallende Haube und der massiv wirkende Frontgrill mit den zweigeteilten adaptiv arbeitenden LED-Scheinwerfern haben eine aristokratische, ja staatstragende Ausstrahlung. Sehr harmonisierend dazu, fällt das lange Dach zum Heck stetig ab und erfährt mittels einem schräg an einer Spoilerkante endenden Heckfenster seinen Abschluss. Die großen 22-Zoll-Räder passen perfekt in die lang gestreckte Seitenansicht und wirken dabei nicht mal allzu groß. Der großzügige Einsatz von Chrom soll zudem den Premiumanspruch weiter anfachen.
Noch feudaler wird es im Innenraum, der allein als Raumwunder ebensolche Platzverhältnisse überall bescheren kann. Zudem wurde beim Materialeinsatz weder gegeizt noch bei dessen Verarbeitung irgendein Detail dem Zufall überlassen. Das dabei erreichte Niveau kann sogar einige der deutschen Platzhirsche überflügeln. Die überaus komfortablen Sitze bieten vorne Vollklimatisierung und zwölf elektrische Einstellwege. Die Rückbank kann außerdem längs verstellt werden, wodurch die Variabilität nochmals erhöht wird.
Als Testwagen fuhren wir den 5-Sitzer und möchten mutmaßen, ohne ihn live getestet zu haben, dass der 7-Sitzer die dritte Sitzreihe nur als Sparmaßnahme anbieten kann. Will heißen, dass der Platz auf der zweiten Reihe des Fünfsitzers opulent ist, aber nicht in Gänze die Ausmaße wie beispielsweise in einem BMW X5 erreicht – dies gilt insbesondere für den Fußraum. Knöpft man hier noch etwas für eine weitere Sitzreihe ab, dürfte das nochmals knapper werden. Die Rückenlehnen im Fond können elektrisch fernentriegelt werden, sodass der Kofferraum maximiert deutlich über 2100 Liter offenbart – das ist wahrlich riesig.
Als Luxury Line erhielt der Testwagen die bessere der zwei Ausstattungsportfolios und so kann man sich über eine ganze Armada an Annehmlichkeiten freuen. Vom 3D-Cockpitdisplay – welches allerdings ab und an mit flackernden Anzeigen kämpfte – über ein großes 14.5-Zoll-Infotainment inklusive Augmented-Navigation oder weiterer innovativer Dinge wie einem Ruhemodus für den Fond oder eine Fahrer-Unterhaltungsfunktion, die das Gesprochene des Fahrers über die Lautsprecher im Fond wiedergibt, ist eine wahre Heerschar bereits serienmäßig an Bord dieses großen SUVs.
Nicht minder überzeugend war der ausgezeichnete Klang des Lexicon-Soundsystems. Über hübsch verkleidete Lautsprecher spielte diese Anlage locker in der Riege so mancher Premium-Soundsysteme. Viele Assistenzsysteme unterstützen derweil den Fahrer. Der Abstandstempomat ist beim Spurhalten eine Spur hibbeliger als deutsche Pendants, bleibt dies auch, trotz permanentem Lernmodus auch bei abgeschaltetem System, indem er ständig den Fahrstil überwacht, um diesen so gut es geht während der nächsten Aktivierung zu adaptieren.
Das große Head-up Display zeigt zahlreiche Parameter an, unter anderem auch den Totwinkelassistenten, der im Test erstklassig arbeitete. Auch Fahrspuren wurden gut erkannt; nur in Baustellen kam das System an seine Grenzen und erschien mitunter verwirrt.

Fahrverhalten

Die 8-Gang-Automatik verteilte die Kraft meist sanft, aber vereinzelt auch etwas hakelig. Von einer vergleichbaren Automatik von BMW oder Range Rover ist man hier noch ein Stück entfernt. In Summe federt der Genesis GV80 sehr komfortorientiert und dies steht mit der passablen, aber nicht so agilen Leistungsabgabe des Sechszylinders gut im Einklang. Lediglich Querfugen oder kurze Stöße vermasselt der Genesis mit ihn scheinbar überraschenden Erschütterungen, die er dann komplett durchreicht und sich pikiert zu schütteln scheint.
Dennoch liegt er überwiegend satt und souverän auf der Straße, neigt sich in Kurven zwar deutlich stärker als die Premiumkonkurrenz aus Europa, bleibt aber auch dann stets beherrschbar und sicher in der Spur. Die Lenkung ist leichtgängig und glänzt mit einer ausgeprägten Rückmeldung – sehr schön. Die Bremsen machen eine ebenfalls gute Figur, lassen sich leicht dosieren und blieben in unserem Praxistest auch standfest bei harscher Beanspruchung. Weniger gefallen hat uns die Start-Stopp-Charakteristik. Da hier keine Mildhybrid-Technik, sondern ein klassischer Anlasser zum Einsatz kommt, vergeht für den erneuten Start des Motors mitunter eine Gedenksekunde zu viel.

Wirtschaftlichkeit

Verbrauchstechnisch zeigte sich der Sechszylinder im guten Mittelfeld. Im Schnitt bewegten wir uns bei 8,9 Litern auf 100 Kilometer. Das können andere besser, zugegeben. Dafür blieb der Turbodiesel auf der Sparrunde mit 5,8 Litern in ähnlichen und damit akzeptablen Bereichen.
Noch interessanter wird es beim Blick auf den Preis. Los geht es bereits ab 64.950 Euro als Ausstattungsvariante Premium. Für die hier getestete, üppig bestückte Luxury Line legt man 70.600 Euro als Startpreis hin und erhält dafür ein echtes Premium-Fahrzeug, für das im ausstattungsbezogenen Vergleich mit der deutschen Konkurrenz beispielsweise als BMW X5 30d – um bei den Münchnern zu bleiben – rund 30.000 Euro und mehr berappt werden muss.

Fazit

Das Dickschiff aus Fernost zeigt eindrucksvoll, dass man auf einem guten Weg ist, den europäischen Konkurrenten die Stirn zu bieten. Was in der Vergangenheit mehrfach gescheitert ist, könnte mit dieser neuen Strategie von Genesis erstmal funktionieren. Dabei macht man nichts Vorhandenes einfach nach, sondern versucht sich an neuen, eigenen Wegen. Als komfortables Premium-SUV schafft es dieses auch ohne sportlichen Anspruch, die Fulminanz und den Feudalismus ebendieser Fahrzeugklasse zu vermitteln. Mit einem gelungenen Design – der Designverantwortliche Luc Donckerwolke hat auch Bentleys kreiert, was man auch in Nuancen hier erahnen möchte – und innovativen wie luxuriösen Prestigepaketen bis unters Dach, sollte dieses SUV auf der Liste aller Interessenten für ein luxuriöses Etablissement auf Rädern sein. Frei nach dem Motto: Innovation versus Image.