Der Hyundai Bayon ist ein Crossover-SUV in der Kleinwagenklasse und zeigt sich dabei bereits optisch ziemlich abgrenzend vom Rest der Riege.

Motor

Der Antrieb des Testwagens besteht aus einem Dreizylinder Turbobenziner mit einem Liter Hubraum, der mit einem 48-Volt-Mildhybridsystem kombiniert wurde. Mit seinen 120 PS und 200 Newtonmetern maximales Drehmoment ist er auch die stärkste verfügbare Motorisierung für den Bayon. Der Dreizylinder ist typisch rau und etwas heiser im Klang, der bei höheren Drehzahlen auch deutlicher als solcher erkennbar wird.

Karosserie/Ausstattung

Das Karosseriekleid ist überall von Sicken und Kanten durchzogen. Die gedeckt wirkende Außenfarbe Mangrove Green verstärkt diese recht betonend. Beginnend mit einer zerklüftet wirkenden Front, an der die auf zwei Etagen untergebrachten Leuchtmittel im Zusammenspiel mit dem massiven Frontgrill für einen ernst erscheinenden Auftritt sorgen, geht es gleich in der Seitenansicht munter weiter mit dem expressionistischen Auftritt. Die Dachkante fällt nach hinten recht stark ab und am Heck zeigt sich der Koreaner mit einer abgeknickten Heckklappe, die mittels ebenfalls abknickenden, bogenförmig verlaufenden Rückleuchten flankiert wird. Dazu gibt es ein diese LED-Bumerangs verbindendes Reflektorband.
Im Innenraum wagte man derweil keine derartigen Experimente und als Fahrer könnte man zunächst glauben, man säße in einem klassischen i20 – Lenkrad und Cockpit unterscheiden sich nicht. Der Rest der Instrumententafel ebenfalls nicht, doch die erhöhte Sitzposition gegenüber dem i20 ist spürbar, gefiel unseren Testern ohne Ausnahme. Die Verarbeitung wurde sauber durchgeführt, die verwendeten Materialien gehen in Ordnung, wobei der Kunststoffanteil – auch im sichtbaren Bereich – doch recht hoch ist. Das Platzangebot ist auf besserem Kleinwagen-Niveau, wobei der Kofferraum mit seinen mindestens 334 Litern einen Daumen nach oben verdient.
Dank der höchstmöglichen Ausstattung „Prime“ unseres Testwagens darf man sich serienmäßig über Dinge wie die Voll-LED-Scheinwerfer freuen, welche im Test ein hervorragendes, weil sehr helles, weitreichendes und vor allem fleckenfreies Lichtbild generieren konnten. Ebenfalls bei dieser Ausstattung ab Werk dabei sind die hübschen 17-Zoll-Räder und das schlüssellose Zugangssystem. Das Parken wird durch Sensoren ringsum und eine Rückfahrkamera erleichtert.
Das Navigationspaket kostet zwar stolze 1480 Euro Aufpreis, ist aber sehr empfehlenswert. Einmal, weil dieses Navi zu den besten am Markt gehört und neben diesem weiteren Dinge im Paket inkludiert wurden. Dazu gehören die acht Lautsprecher umfassende Bose-Soundanlage, die übrigens sehr dynamisch und – typisch für diese Marke – bassbetont aufspielt. Außerdem gibt’s dazu den größeren 10.25-Zoll-Zentralbildschirm, diverse Telematikdienste und Life-Services, da der Bayon permanent online bleibt. Nur die Sprachsteuerung konnte nicht überzeugen und tat sich schwer im Verständnis gesprochener Befehle.
Vorbildlich arbeitete dagegen die Verkehrszeichenerkennung und der Spurhalteassistent ließ Fahrbahnmarkierungen nicht mal in die Nähe des Bayon, um sofort Alarm zu schlagen. Hier wäre etwas weniger Nervosität wünschenswert.
Fahrverhalten
Der Dreizylinder liefert seine Kraft an ein 6-Gang-Handschaltgetriebe. Dieses ist ein sogenanntes „iMT“, was so viel wie intelligentes Schaltgetriebe bedeutet. Es arbeitet mit einer elektronisch gesteuerten Kupplung, die zum Beispiel das Segeln – also das automatische Auskuppeln trotz eingelegtem Gang – ermöglicht. Im Test ist dies allerdings erstaunlich selten passiert. Die Schaltanzeige ermahnt obendrein sehr oft und überaus zeitig zum Hoch- oder Runterschalten – hier hat die Elektronik permanent den Wunsch, die Gänge zu wechseln. Der agile Dreizylinder erlaubt allerdings auch untertouriges Fahren und brummelt dann zufrieden vor sich hin.
Das Fahrwerk wurde komfortorientiert abgestimmt und das Gros an Unebenheiten filtert die Federung adäquat heraus. Die Lenkung ist leichtgängig und vermittelt nur im Sportmodus – eines von drei Fahrprogrammen – eine gewisse Direktheit. Die Schaltung besitzt kurze Schaltwege und die Gänge lassen sich knackig einlegen. Da kommt insbesondere im Sportmodus durchaus Fahrspaß auf.
Für den Standardsprint vergehen gute zehn Sekunden bis Tempo 100 erreicht ist und das Maximum für den Bayon liegt mit dieser Motorisierung bei 185 km/h. Das reicht vollkommen, um souverän im Alltagsverkehr mitzuschwimmen.

Wirtschaftlichkeit

Beim Verbrauch sollte man sich offenbar akribisch an die Schaltempfehlungen halten, denn nur dann kommt man mit Gelassenheit in die Nähe von sechs Litern auf 100 Kilometer. Die 5,5 Liter als Werksangabe waren als Drittelmix nicht zu schaffen – hier standen am Ende 6,9 Liter. Doch auf der Sparrunde ließ sich der Spritkonsum bei äußerst defensiver Fahrweise auf gute vier Liter reduzieren. Im Alltag ist dies allerdings nicht dauerhaft umsetzbar. Insgesamt ist der Verbrauch für ein Fahrzeug dieser Klasse mit Mildhybridtechnik aus unserer Sicht etwas zu hoch.
Der geneigte Interessent kann den Hyundai Bayon bereits ab gut 17.000 Euro als Basismodell erwerben. Eine manuelle Klimaanlage, ein Fernlichtassistent mit Lichtsensor, das Digitalradio DAB+ und ein Frontkollisionswarner plus Fußgängererkennung sind hier bereits dabei. Soll es der stärkste Antrieb und die beste Ausstattung wie im Fall des Test-Bayon sein, müssen schon 25.500 Euro berappt werden. Sollte der Wunsch nach einer Doppelkupplungsautomatik dazukommen, müssen nochmal rund 1500 Euro draufgelegt werden.

Fazit

Mit dem Hyundai Bayon erhält man einen Crossover mit einem ausdrucksstarken wie auch polarisierenden Design, der sich dadurch bestens für Individualisten eignet, welche sich mit diesem Koreaner spürbar vom Mainstream abgrenzen können.
Dass der Bayon auf dem Hyundai i20 basiert, spürt man in diversen Bereichen, doch das Platzangebot ist hier besser und vor allem die erhöhte Sitzposition dürfte einer nicht unbedingt kleinen Klientel besonders gut gefallen. Dafür muss man am Ende einen doch überschaubaren Mehrpreis von guten 2000 Euro gegenüber einem i20 in Kauf nehmen. Den leichten Mehrverbrauch allerding auch – trotz Hybridtechnik unter der Haube.
Ansonsten fährt sich der Bayon wie ein typischer Hyundai: Unaufgeregt, sicher und komfortabel. Die fünf Jahre Werksgarantie erhält selbstredend auch dieser Neuzugang und sorgt damit für ein beruhigendes Gefühl bei seinen neuen Besitzern.