Der Jaguar F-Pace war das erste SUV der britischen Marke und kam vor fünf Jahren auf den Markt. Mittlerweile erhielt das ausgewachsene SUV ein Facelift.
 

Motor

Einhergehend mit der Modellpflege wurde auch die Antriebspalette überarbeitet und im Fall des Testwagens werkelt ein D300 – ein Dieselmotor mit 300 PS. Auch wenn die Bezeichnung mit den Motoren von Land Rover identisch ist, unterscheiden sie sich. Hier kommen nämlich V6-Motoren und keine Reihensechszylinder zum Einsatz. Die Leistungswerte sind dennoch identisch, selbst das maximale Drehmoment von 650 Newtonmetern gleicht dem des D300 aus dem Land Rover. Dafür klingt der hier gefahrene V6 kerniger, besitzt eine Prise mehr an akustischer Dynamik, wohingegen der Reihensechser kultivierter bleibt. Als Mildhybrid übernimmt auch hier ein Riemenstartgenerator die Aufgabe des Anlassers und die Start-Stopp-Funktion gelingt damit deutlich schneller und viel komfortabler.
 

Karosserie/Ausstattung

Die Modellpflege erkennt man zuallererst an der überarbeiteten Fahrzeugfront mit den neuen, flacher verlaufenden Voll-LED-Scheinwerfern, welche den ebenfalls neuen Frontgrill flankieren und eine neue, weiter nach unten zu ebendiesem Frontgrill abfallenden Haube. Dadurch wirkt das SUV von vorne breiter und auch eleganter. In der Seitenansicht gibt es derweil keine nennenswerten Änderungen, wenn man von den Radgrößen absieht, die jetzt bei 19 Zoll beginnen und bei 21 Zoll enden. Am Heck zeigen sich neue Rückleuchten, die sich an dem Design des vollelektrischen Jaguar i-Pace zu orientieren scheinen. Gemeinsam mit einem Mix aus Unterfahrschutz und Diffusor, der zwei große Endrohrblenden beherbergt, zeigt sich das Heck des SUVs eine ganze Spur charismatischer als zuvor. Das Metallic-Rot des Testwagens kommt mit den vielen schwarzen Elementen des Black Packs sehr gut zur Geltung und schafft dadurch emotionale Kontraste.
Doch so richtig intensiv kam die Modellpflege erst im Innenraum zur Geltung. Sofort auffallend ist der neue Materialeinsatz – endlich entspricht die Wertigkeit wieder vollumfänglich der eines Jaguar. Kein Vergleich mehr mit dem Kunststoffdebakel der ersten Generation, nein, hier herrschen feinstes Leder, Softtouch-Oberflächen und Aluminiumdekor in hoher Dosis. Alles akzentuiert, mit feinen Kontrastnähten und in Summe in tadelloser Verarbeitung – toll!
Nicht minder umfangreich fällt das Update im Bereich Infotainment und Multimedia aus. Der Jaguar ist von nun an permanent online, kann dank dem Pivi Pro Dual Sim Infotainment alle Updates „over the air“ – also dank permanenter Internetverbindung – selbst durchführen und hat Zugriff auf eine Heerschar an Online-Diensten wie Cloud-Connect, der Wettervorhersage oder Parkraumverfügbarkeit und vieles mehr. Zwei Sim-Karten und LTE-Modems stellen dies sicher und neben einer WLAN-Hotspot-Funktion berücksichtigt auch das Navi jede Verkehrsstörung in Echtzeit. Eine App-Steuerung erlaubt zudem das Überwachen und Klimatisieren des F-Pace per Handy aus der Ferne. Sehr erfreulich: Das neue System ist nach dem Fahrzeugstart trotz immenser Leistungssteigerung viel schneller bedienbereit, weil es bereits beim Entriegeln des Fahrzeugs mit Strom versorgt wird und nicht erst hochfährt, wenn die Zündung aktiviert wird. Das Bedienkonzept erweist sich als intuitiv und einfach.
Die Vordersitze im Testwagen mit der R-Dynamic-Ausstattung können 18-fach verstellt werden, besitzen Sitzmemory und erwiesen sich im Praxistest als überaus bequem und uneingeschränkt langstreckenkonform. Das Platzangebot ist überall großzügig.
 

Fahrverhalten

Der F-Pace gehört definitiv zu den Großen, was man ihm auch beim Fahren anmerkt. Doch er kann dynamischer bewegt werden als angenommen. Das Fahrwerk bietet eine angenehme Grundsträffe, ohne unkultiviert zu wirken und federt dennoch gekonnt über das Gros an Unebenheiten hinweg. Das SUV wirkt in jedem Belang fahraktiv und das bringt insbesondere für den Fahrer viel Fahrspaß. In der Nähe des Grenzbereichs vermeldet das Auto mittels Wankbewegung frühzeitig, wann dieser erreicht sein wird. Die Lenkung arbeitet sehr gefühlvoll, liefert permanent vollumfänglich Rückmeldung und sorgt dadurch für ein hohes Maß an Sicherheit und Handlichkeit. Per Fahrprogrammschalter kann man den Jaguar auch zu einer schrofferen Gangart animieren, bei der Dämpfernachgiebigkeit und benannte Wank- und Nickbewegungen auf ein Minimum reduziert werden – auf Kosten des Komforts.
Der Turbodiesel setzt das SUV mit Kraft und auf Wunsch auch mit Nachdruck in Bewegung. Das hohe Drehmoment bietet viele Kraftreserven in bereits niedrigen Drehzahlen. Wer die Raubkatze auf schnellen Tatzen sprinten lässt, erreicht aus dem Stand die 100-km/h-Marke nach 6,4 Sekunden und der Vortrieb endet erst bei 230 km/h. Dank Allradantrieb gibt es überaus selten, und zwar nur bei echten Wetterkapriolen, Traktionsdefizite. Die Automatik schaltet stets passend und bietet per Schaltpaddels auch die Möglichkeit, das Sortieren der acht Stufen per Hand durchzuführen. Die Bremsen hatten den gut zwei Tonnen schweren Briten gut im Griff und verzögerten dabei fein dosierbar.
 

Wirtschaftlichkeit

Als Leichtölkonsument mit sechs Brennkammern offenbarte der F-Pace eine erstaunliche Genügsamkeit. Die Werksangabe von 7,4 Litern haben wird auf das Zehntel genau getroffen. Um das Sparpotenzial ganz auszureizen, fuhren wir zudem auf unserer Sparrunde mit defensivem Gasfuß, doch ohne als Verkehrshindernis aufzufallen und konnten so den Verbrauch auf beeindruckende 5,4 Liter auf 100 Kilometer reduzieren.
In der Anschaffung ist die Raubkatze im Premiumbereich angesiedelt, was sie ausstattungstechnisch mit dem Facelift auch klar bestätigen kann. Der Einstieg in das F-Pace-Vergnügen beginnt bei 54.000 Euro mit einem 2.0-Liter Diesel und 164 PS. Als R-Dynamic werden mindestens 60.400 Euro fällig und wenn es wie im Testwagen der D300 sein soll, startet man bei 71.950 Euro. Nach oben gibt’s noch viel Luft, ein F-Pace SVR mit V8 und 550 PS kostet beispielsweise mindestens 105.450 Euro. So ein SUV auf Raubtiertatzen ist eben kein Schnäppchen. Doch im direkten Vergleich zum Wettbewerb relativiert sich dies plötzlich wieder. Denn insbesondere im Premiumbereich langen nahezu alle Hersteller ordentlich zu.
 

Fazit

Man darf es ruhig mit einem britischen Statement zusammenfassen: Well done, Jaguar. Die Modellpflege hat die anfänglichen Misstöne zum SUV vollständig beseitigen können. Das optische Facelift fiel dezent, aber wirkungsvoll aus, die Qualitätsanmutung steigerte sich hingegen um Welten und ist dem eines Jaguars wieder vollkommen würdig. Technologisch kann sich der Brite nun ebenso mit seinen Konkurrenten auf Augenhöhe betrachten. Der F-Pace ist ein ausgereiftes und fahrdynamisches Premium-SUV, was eine echte Bereicherung im Pool dieses Fahrzeugsegments darstellen kann.