Fast scheint es so, als würde man mit Limousinen der Oberklasse heutzutage keinen Blumentopf mehr gewinnen. Jahrzehntelang sehr beliebt und mittlerweile überwiegend ins Luxussegment abgeschoben, fristen die letzten verbliebenen Modelle ihr Dasein. Völlig zu Unrecht – wie wir finden.

Motor

Angetrieben wird der Jaguar XF ausschließlich von Vierzylinder-Benzin- und Dieselmotoren. Ebenfalls serienmäßig an Bord eines jeden Business-Jaguars ist eine Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF.
Den Einstieg macht der P250, der aus einem zwei Liter großen Vierzylinder mit Turboaufladung 250 PS generiert. Darüber rangiert unser Testkandidat, der P300. Dieser offeriert ebenfalls zwei Liter Hubraum und wuchtet stattliche 300 PS auf die Kurbelwelle.
Auf der Diesel-Seite steht der D200. Auch hier handelt es sich um ein Zweiliter-Triebwerk, das mit 204 PS um die Gunst der Kunden buhlt. Sämtliche Sechszylinder wurden mit der Modellpflege aus dem Portfolio des XF verbannt.
Allradantrieb ist den Modellen D200 (optional) und P300 (serienmäßig) vorbehalten; die anderen Versionen rollen mit Heckantrieb zum Händler.

Karosserie/Ausstattung

Schon ein Blick reicht und der Jaguar ist sofort als solcher überführt. Die charmante Linienführung wurde auch beim Facelift nicht unterbrochen, sondern in Nuancen modernisiert. Schmale Scheinwerfer mit neuester LED-Technik zieren die Front, während die Seitenpartie die Form einer klassischen Limousine zeigt. Das kann eigentlich nur gefallen – anecken dürfte diese Raubkatze optisch nirgendwo. Wobei: Das Heck als solches darf als überaus gelungen bezeichnet werden. Aber: Endrohre hätten wir uns dennoch gewünscht. Stattdessen ähnelt das Heck im unteren Bereich eher dem eines elektrisch angetriebenen Fahrzeugs. Bei einer Topmotorisierung sollte dies anders sein.
Im Innenraum herrschen feine Verhältnisse vor. Die tollen Ledersitze sind vorn sehr bequem und bestens konturiert. Auch im Fond reist man zu zweit sehr entspannt – Person Nummer 3 des Fonds sollte allerdings lieber ein Taxi nehmen. Das seidig-weiche Leder ist derweil typisch Jaguar und so verwundert es nicht, dass man auch den Wählhebel, das Lenkrad und Teile des Armaturenträgers damit bespannt hat. Zu guter Letzt gibt es ein großes Glasdach, welches Licht von oben in den Innenraum scheinen lässt.
Die Ausstattung des Jaguar XF ist bereits ab Werk gut, kann aber je nach gewählter Ausstattungslinie nach Belieben erweitert werden. Besonders interessant sind die Sitzfunktionen, bestehend aus Heizung, Belüftung und Massage. Auch das Infotainment hat ein Update erhalten. Die Bedienung ist nun wesentlich schneller verinnerlicht und auch Layout und Funktionen wurden verbessert beziehungsweise erweitert. Das erleichtert die Bedienung während der Fahrt enorm, was wir sehr begrüßen. Einen Kritikpunkt haben wir aber auch hier: Wenngleich es sich nur um ein Facelift handelt, hätte man den 11,4 Zoll großen HD-Zentralbildschirm dennoch etwas eleganter in die Mittelkonsole integrieren können. So wirkt er – vornehm britisch ausgedrückt – etwas unpassend.

Fahrverhalten

Die Zeiten, als ein Jaguar sich mit kurzem Aufbrüllen zum Dienst meldet, scheinen vorbei zu sein. Nach dem Anlassen bekommen Fahrer und Passagiere so gut wie nichts mehr vom Antrieb mit, was ja prinzipiell auch keine schlechte Sache ist. Doch insbesondere bei hohen Drehzahlen, die bei sportlicher Fahrweise nun mal nötig sind, fällt schnell auf, dass ein Vierzylinder eben kein Sechszylinder ist.
Doch insgesamt ist das Fahrverhalten dennoch als standesgemäß zu bezeichnen. Die Automatik verrichtet tolle Arbeit, Schaltvorgänge spürt man in der britischen Limousine so gut wie nie. Auch der Abrollkomfort ist hoch; die adaptiven Dämpfer arbeiten im Comfort-Modus sehr weich, ohne jedoch zu starke Nick- oder Wankbewegungen zuzulassen. Umgekehrt wird es allerdings auch nie wirklich kompromisslos sportlich. Eine etwas breitere Spreizung der Fahrmodi wäre hier sicher keine schlechte Idee gewesen. Auch die Bremsen verzögern brachial – zu keiner Zeit verspürten unsere Testfahrer den Wunsch nach mehr Bremsleistung.
Die Lenkung ist angenehm leichtgängig, liefert aber genug Feedback und bei hohem Tempo erhärtet sie spürbar, was im Test allen Redakteuren gleichermaßen gefiel. Ein besonderes Feature betrifft die Ruhe im Innenraum. Hier wird mit Gegenschall gearbeitet, um den Innenraum so leise wie möglich zu halten. In der Praxis bekommt man davon quasi nichts mit, die Wirkung ist jedoch gegeben und es bleibt bis zirka Tempo 160 ziemlich ruhig im britischen Gleiter.

Wirtschaftlichkeit

Der Einstieg in die Welt des Jaguar XF beginnt bei 56.230 Euro für den D200 mit Heckantrieb. Mit der hier getesteten, höchsten Motorisierung P300 müssen mindestens 76.500 Euro an den Händler entrichtet werden.
Die Ausstattungspolitik ist grundsätzlich überschaubar, wird aber teilweise auch in Paketen angeboten. Für unseren fast vollausgestatteten Testkandidaten wurden knapp 88.000 Euro fällig.
Der Verbrauch pendelte sich im Test bei knapp zehn Litern ein, was ziemlich genau einen Liter oberhalb der Werksangabe liegt, für das Gebotene aber in Ordnung geht. Wer die 300 Pferdestärken dauernd nutzt, erntet 13,8 Liter als Verbrauchswert, während entspanntes Gleiten mit rund acht Litern belohnt wird.

Fazit

Um es kurz zu machen: Der Jaguar XF ist auch in seiner jüngsten Generation ein nobles Gefährt, das sich kaum etwas zu Schulden kommen lässt. Er wirkt feiner als ein A6 und elitärer als eine E-Klasse. Diesen Sonderstatus bewahrt sich Jaguar – nicht zuletzt aufgrund der eigenständigen Innenarchitektur und dem Verzicht auf unreife Technik-Spielereien.
Als Business-Limousine deklariert, hat die britische Raubkatze nur ein großes Manko: den Wegfall des Sechszylinders. Mit dem seidenweichen Reihensechser, den einige Land-Rover-Modelle tragen dürfen, wäre diese Limousine sicherlich die erste Wahl für viele Privat- und Geschäftskunden. Aber: Was nicht ist, kann ja noch werden.