Schon seit Ende 2014 rollt er über die Straßen der Welt. Mittlerweile wurde er dezent überarbeitet – der Jeep Renegade, kleinster Vertreter der Marke.

Motor

Für den Renegade stehen aktuell drei Motorisierungen bereit. Den Einstieg macht ein 1,5 Liter großer Vierzylinder mit 130 PS und Mildhybrid-Unterstützung, der immer an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist und stets über Frontantrieb verfügt. Darüber rangieren die Plug-in-Hybrid-Modelle mit dem Namenszusatz 4xe mit wahlweise 190 oder 240 PS.
Der von uns gefahrene Einstiegsmotor steht aktuell nicht zur Verfügung. Er generiert aus einem Liter Hubraum 120 PS und wartet serienmäßig mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe auf. Von Null auf 100 km/h geht es in glatt elf Sekunden, Schluss mit Vortrieb ist bei 185 Stundenkilometern.

Karosserie/Ausstattung

Er ist schon eine Ausnahmeerscheinung, der Renegade. Seit seiner Markteinführung polarisiert dieser Jeep mit seiner Optik, die von vielen geliebt und anderen eher kritisch bewertet wird. Wir finden, das markante Außenkleid steht dem Fahrzeug außerordentlich gut und hebt sich vor allem vom Einheitsbrei der vielen (Pseudo-) SUVs ab.
Die Front trägt – wie bei Jeep üblich – die sieben Lamellen im Kühlergrill, gefolgt von einer fast schnurgeraden Motorhaube, wiederum gefolgt von einer steilstehenden Frontscheibe. Aus runden Kulleraugen strahlen auf Wunsch Leuchtdioden, während die üppige Bodenfreiheit schon auf den ersten Blick ersichtlich ist.
Von der Seite betrachtet, kommt der kastenartige Eindruck besonders zur Geltung – und genau hier hebt sich der Renegade noch mehr von seinen Konkurrenten ab. Extrem hohe Türen und sehr klare Proportionen schließen jede Verwechslungsgefahr aus. Am Heck zeigt sich der Jeep mit hoher Gürtellinie und klassischem, aber leicht zerklüftetem Touch. Das gefällt und bringt eine zusätzliche Nuance Moderne in die Gesamtoptik. Übrigens zeugt ein einzelnes, echtes Abgasendrohr von Authentizität, die bei Jeep seit jeher groß geschrieben wird.
Im Innenraum stellt sich schnell ein robust-klassisches Flair ein, das man bereits von anderen Modellen der Marke kennt. Dabei wartet unser Test-Renegade mit dem 1590 Euro teuren Leder-Paket auf, sodass Fahrer und Passagiere auf dicken und unverwüstlich wirkenden Ledersitzen Platz nehmen. Das Lenkrad ist angenehm dick gepolstert und zudem beheizt. Das Infotainment wird über einen mittig integrierten, 8,4 Zoll großen Zentralbildschirm gesteuert, der eine in sich schlüssige Menüstruktur offeriert. Sehr gut: Die Klimaeinheit sitzt eine Etage tiefer und wird über konventionelle Tasten gesteuert, sodass die Bedienung selbiger auch während der Fahrt kaum ablenkt. Ebenfalls angenehm empfinden wir den Umstand, dass es einen großen, unüberfühlbaren Drehregler für die Lautstärke gibt.
Im Fond reist es sich ebenfalls recht angenehm, sofern man nicht größer als 1,85 Meter ist. Das gilt jedoch nur für die Beinfreiheit. Die Kopffreiheit hingegen ist – der Form geschuldet – exorbitant, sodass hier selbst Personen mit zwei Metern und mehr nicht mit dem Dachhimmel in Berührung kommen.
Bereits ab Werk rollt der Renegade mit einer üppigen Ausstattung vom Band. So gehören 17-Zoll-Räder, ein Abstandsregeltempomat, ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem sowie ein Infotainment mit 7-Zoll-Touchscreen samt Bluetooth, DAB-Radio, Apple CarPlay und Android Auto zur Basisausstattung.
Optional gibt es unter anderem ein riesiges Panorama-Glasdach, sehr gute Voll-LED-Scheinwerfer sowie zusätzliche Assistenzsysteme und – hierfür möchten wir eine explizite Empfehlung aussprechen – ein Soundsystem aus dem Hause Kenwood, das mit 690 Euro sowohl preislich attraktiv ist und klangtechnisch ein Feuerwerk abfackelt, das wir sonst nur von deutlich teureren Systemen kennen.

Fahrverhalten

Bereits nach dem Anlassen gibt sich der Renegade als Dreizylinder zu erkennen – besonders im Kaltstart. Einmal auf Temperatur gebracht, hält er sich akustisch zurück, sofern keine hohen Drehzahlen abgerufen werden. Die braucht es aber, um mit dem kleinen Jeep ordentlich Fahrfreude zu generieren – doch der Reihe nach.
In urbanen Gefilden zeigt sich der Fronttriebler recht gutmütig und unauffällig. Was jedoch sofort auffällt, ist das sehr straff abgestimmte Fahrwerk, das wir bis dato so von noch keinem Jeep kannten. Diese Abstimmung ist zwar weniger komfortabel, unterstützt jedoch dynamische Fahrweisen enorm. Außerhalb der Stadt testeten wir dies ausgiebig und waren überrascht, wie stabil der Renegade in zügig durchfahrenen Kurven bleibt. Lediglich nahe des Grenzbereichs fordert der hohe Aufbau seinen Tribut und der Fronttriebler schiebt leicht über die Vorderräder.
Auf der Autobahn sind maximal 185 Sachen drin und bis Tempo 160 geht es auch recht flott voran – vorausgesetzt man dreht die Gänge hoch aus. Ziemlich ruhig bleibt es derweil im Innenraum – hier haben wir keinen Grund für etwaige Kritik auszumachen. Das Sechsgang-Getriebe erhielt übrigens durchgängig Lob. Sowohl die satt einrastenden Gänge als auch die kurzen Schaltwege fielen allen Testern positiv auf. Lediglich der Umstand, dass man das Einliter-Triebwerk mit seinen 190 Newtonmetern ordentlich fordern muss, stieß nicht bei jedem Redakteur auf Gegenliebe. Ein Kollege vermerkte derweil, dass ein Vergleich mit den Dreizylindern aus dem Volkswagen-Konzern hervorbringe, dass diese ein ganzes Stück kultivierter seien.

Wirtschaftlichkeit

Der Grundpreis unseres Testwagens beträgt 28.250 Euro als 80th Anniversary Edition. Mit Leder- und Park-Paket (1590 und 790 Euro), der Zweifarb-Lackierung (1090 Euro) und dem Kenwood-Soundsystem (690 Euro) kommen wir so auf einen Gesamtpreis von 32.410 Euro.
Der aktuelle Renegade E-Hybrid mit 1,5-Liter-Vierzylinder startet ab 31.700 Euro, für die PHEV-Modelle 4xe werden mindestens 38.900 Euro vor Förderung fällig.
Der Verbrauch des Jeeps pendelte sich bei rund 7,5 Litern ein, was recht deutlich oberhalb der Werksangabe von 6,1 Litern liegt. Wer dem Kleinen ständig alles abverlangt und auf der Autobahn mit Dauervollgas unterwegs ist, erntet rund zwölf Liter pro 100 Kilometer. Auf unserer Sparrunde hingegen begnügte sich der Dreizylinder derweil mit vernünftigen 5,8 Litern Super.

Fazit

Der Jeep Renegade zeigte sich als extrovertiertes Kompakt-SUV, das eigentlich gar keins ist. Wieso? Weil die echten Jeep-Gene trotz Fronantrieb omnipräsent sind und das Fahrzeug sich somit gewissermaßen als echter Jeep qualifiziert – irgendwie eine eigene Klasse, auch ohne Allradantrieb. Wenngleich er in seinem Wesen das typisch raubeinige Flair ausstrahlt, bleibt er dabei jederzeit authentisch und genau das bringt ihm jede Menge Sympathie-Punkte ein.
Der Dreizylinder ist ein solider Geselle und wer ohnehin überwiegend in urbanen und suburbanen Gefilden unterwegs ist, dürfte mit der hier getesteten Motor-Getriebe-Kombination nichts falsch machen. Alle anderen dürfen auch gern einen Blick auf die Mild- und Plug-in-Hybrid-Versionen werfen. Besonders Letztere sind nach Abzug der Förderung unter Umständen eine lohnenswerte Option.