Mit dem Kia Sorento bringen die Koreaner ihr Fullsize-SUV neu auf den Markt. Nicht etwa der Name ist neu, doch diese aktuelle Generation vermag es, auch renommierten Premium-Konkurrenten das Leben schwer zu machen.

Motor

Kia stellt sein Flaggschiff mit mehreren Antriebsvarianten bereit. Neben einem Plug-in-Hybriden und einem konventionellen Hybridantrieb gibt es darüber hinaus auch einen klassischen Diesel. Dieser 2,2 Liter große Vierzylinder ist kein Unbekannter, denn er kam bereits im Vorgängermodell zum Einsatz.
Das Aggregat leistet hier 202 Pferdestärken, also insgesamt ganze zwei PS mehr als im Vorgänger. Gekoppelt ist der Selbstzünder an ein neues Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, welches die Kraft mittels Allradantrieb auf alle vier Räder verteilt.

Karosserie/Ausstattung

Die Optik des neuen Kia Sorento lässt viele Betrachter verwundert zurück – nicht zuletzt aus dem Grund, dass man hier oftmals den Eindruck gewinnt, es handele sich nicht um ein Modell der Koreaner. Die Front zeigt sich derart massiv, dass lediglich die adaptierte und für Kia typische Tigernase erhalten blieb.
Die Seitenpartie gibt den Blick frei auf ein ausgewachsenes Fullsize-SUV, das in seinen Proportionen dem Lehrbuch hätte entstammen können. Beim Blick aufs Heck werden dann amerikanische Einflüsse deutlich; eine etwaige Verwandtschaft zu beispielsweise einem Ford Explorer scheint nicht von ungefähr zu kommen. In jedem Falle polarisieren die vertikal angeordneten Heckleuchten.
Auch der Innenraum wurde nicht gerade behutsam angefasst und so erwartet den Fahrer ein schickes, modernes Cockpit mit ausreichend Digitalisierung für jedermann, aber ohne die totale digitale Überfrachtung. Das bedeutet, dass man beim Sorento zwar auf große Screens für Tachoeinheit und Zentralbildschirm setzt, dem Fahrer jedoch noch genügend physische Tasten erhalten bleiben. Das begrüßen wir sehr.
Die Platzverhältnisse sind vorne wie hinten wahrlich üppig und als Siebensitzer taugen selbst die zwei zusätzlichen Plätze. Allerdings sind diese zugegebenermaßen recht schwierig zu besteigen– eine gewisse Grundfitness wird hier von Passagier Sechs und Sieben vorausgesetzt.
Der Kofferraum darf (mit fünf Sitzen in Nutzung) als groß bezeichnet werden. 705 Liter passen in Standardkonfiguration hinein; bei umgeklappten Rücksitzlehnen werden maximal 2100 Liter freigegeben; dem Ausflug in den Baumarkt steht folglich nichts mehr im Wege.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten des neuen Kia Sorento ist durch und durch auf Komfort getrimmt. Dabei spielt der Dieselmotor seine Vorzüge besonders auf der langen Strecke aus. Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe passt sich dem solide werkelnden Motor an und nutzt das Drehmomentplateau beinahe exzellent, sodass selten der Wunsch nach mehr Leistung aufkommt. Das ändert sich allerdings, wenn man beabsichtigt, mit dem Sorento sportlich umzugehen. Dann macht sich der Vierzylinder akustisch bemerkbar und die gut 200 PS reichen schlichtweg nicht aus, um dem großen SUV richtig Beine zu machen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass man derartige Behandlungen – ausgenommen sind hier Überholmanöver – lieber bleiben lässt.
Diese komfortable Abstimmung wird unterstrichen von einem Fahrwerk, welches das Gros an Unebenheiten locker schluckt, ohne dabei schroff zu wirken. Leichte Wank- und Nickbewegungen sind hier die Ausnahme und auch Windanfälligkeit ist kein Thema beim Koreaner.
Die Lenkung darf als etwas leichtgängig bezeichnet werden, lieferte aber per se keinen Grund für harsche Kritik. Gleiches gilt für die Bremsen am SUV, die sich der Mentalität des Fahrzeugs anpassen.
Im Übrigen verfügt der neue Kia Sorento AWD auch über nicht zu verachtende Offroad-Eigenschaften, die in Summe gesehen jedem Ausflug ins seichte Off gerecht werden.

Wirtschaftlichkeit

Der Verbrauch des Sorento belief sich während unserer Testfahren im Drittelmix auf 7,9 Liter Diesel pro 100 gefahrener Kilometer. Wer mit dem Gaspedal behutsam umgeht, erreicht auch eine Sechs vor dem Komma. Vollgasfahrten bei freier Autobahn werden mit Werten um die 13 Liter quittiert.
Der Grundpreis für den Kia Sorento mit Dieselmotor beträgt 42.490 Euro. Der Zuschlag für den Allradantrieb beläuft sich derweil auf knapp 5000 Euro; hierbei muss allerdings erwähnt werden, dass die AWD-Variante bereits an die nächsthöhere Ausstattungslinie gekoppelt ist, sodass der reine Aufpreis für den Allradantrieb nicht derart hoch ist.
Insgesamt stehen für das koreanische SUV vier Ausstattungslinien bereit. Die höchste und von uns gefahrene trägt den Namen Platinum und verfügt bereits über nahezu alles, was für den Sorento erhältlich ist. Legt man diese Version zugrunde und stattet sie mit allen noch möglichen Extras aus, bleibt der Gesamtpreis knapp unter der 60.000-Euro-Grenze. In Anbetracht des Gebotenen ein wahrhaft guter Preis – besonders beim Blick auf die Konkurrenz.

Fazit

Der Kia Sorento AWD konnte im Test für so einige Überraschungen sorgen. Sein nahezu unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis ist eines der vielen Pro-Argumente des Fahrzeugs. On top kommt noch die bei Kia übliche Sieben-Jahres-Garantie, die natürlich auch für den Sorento gilt.
Legt man seinen Preis – selbst mit Vollausstattung – zugrunde, wird die Luft im Segment schnell sehr dünn. Einzig sein nächster Verwandter, der Konzernbruder Hyundai Santa Fe, kann hier noch mitspielen.
Wer einen hohen Platzbedarf benötigt und sein Budget dabei im Auge behalten will, kommt am Sorento eigentlich kaum vorbei.