In kaum einer anderen Fahrzeugklasse als der oberen Mittelklasse ist die Frage nach dem Image ausgeprägter – vor allem bei den Limousinen. Dies bedeutet, dass die deutschen Platzhirsche hierzulande leichtes Spiel haben. Das will dieser fernöstliche Kandidat gern ändern.

Motor

Angetrieben wird der Lexus durch einen 178 PS starken 2.5-Liter Reihenvierzylinder. Dieser Benzinmotor kommt ohne Turbolader aus und besitzt als Antriebspartner einen Elektromotor mit 120 PS. Gemeinsam generieren die beiden 218 PS Systemleistung und treiben die Vorderachse an.

Karosserie/Ausstattung

Außen zeigt sich die Limousine sehr elegant, wobei die fehlenden Außenspiegel – sie wurden durch Stege mit Kameralinsen ersetzt – anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein könnten. Allerdings ist dies optional; standardmäßig kommen hier klassische Außenspiegel zum Einsatz. An der Front gibt’s den typischen scharfen Kühlergrill, gefolgt von einer langen Haube und einem schwungvoll nach hinten abfallendem Dach. Dieses verläuft nahezu fließend in den Heckbereich und als Abschluss gibt es modern gezeichnete, flache Heckleuchten und zwei horizontale Chromlinien erwirken optisch mehr Breite.
Im Inneren der japanischen Limousine umgarnt ein Zusammenspiel wertiger Materialien die Augen des Betrachters. Leder, Holz, Edelmetall und Softtouch-Oberflächen geben ein opulentes Wechselspiel asiatischer Komfort-Attitüden wieder. Das sieht wirklich gut aus, bis auf den etwas zu stark zerklüfteten Armaturenbereich, der mit seinen vielen Etagen und Ebenen für etwas Unruhe sorgt. Dies nicht unbedingt verbessernd, wirken die beiden Monitore für den Außenspiegelersatz, deren Positionierung fast schon lieblos anmutet. Da kommt schnell der Vergleich zu mobilen Navigationsgeräten, die ähnlich desintegriert in den Innenräumen mancher Autos platziert werden. Das Kamerabild ist allerdings scharf und auch bei Dunkelheit gut ablesbar. Nur das Flackern von LED-Lichtern nachfolgender Fahrzeuge und deren Lichtflutung bei Nacht ist mitunter etwas störend.Beim Rangieren muss man auch zunächst die Perspektive verinnerlichen, was aber sehr schnell durch den Gewöhnungseffekt eintritt.
Dafür gibt es Platz in Hülle und Fülle. Die sehr bequemen Sitze taugen in jedem Fall für die Fernreise und auch hinten gibt es keinen Grund für Kritik. Der mittlere Platz sollte besser frei bleiben, denn nur wenn die Armauflage nach unten geklappt wurde, wird das Konglomerat an Tasten für die Sitzheizung und Lehnenverstellung sicht- und bedienbar. Der Kofferraum bietet großzügige 454 Liter Volumen und eine Durchlademöglichkeit erweitert dessen Einsatzmöglichkeiten.
Ausgestattet war der als Topversion „Luxury“ getestete Lexus ES 300h wahrlich opulent. Das Bedienkonzept des Infotainments benötigt allerdings etwas Übung. Vor allem die Bedienung über das Touchpad erfordert Eingewöhnung und erinnert anfangs irgendwie an das legendäre Moorhuhnspiel. Hat man dies jedoch verinnerlicht und die Bedienempfindlichkeit den eigenen Bedürfnissen angepasst, geht das Durchforsten der Untermenüs relativ fix von der Hand. Navigationssystem, Head-Up-Display, schnurloses Aufladen von Smartphones, Sitzbelüftung und -heizung und vieles mehr bietet dieser Lexus. Das LED-Licht mit Matrix-Funktion leuchtet so messerscharf aus, wie die Optik der Fahrzeugfront bereits erahnen lässt. Vor allem die Reichweite des Fernlichts und die zuverlässige Ausblendung anderer Verkehrsteilnehmer ist überaus beeindruckend.
Akustisch äußerst zufridenstellend erwies sich zudem das Soundsystem von Mark Levinson, dessen Klang sich definitiv auf Augenhöhe von den Topsystemen aus dem Hause Harman/Kardon oder Focal befindet.

Fahrverhalten

Die Prämisse dieser Limousine liegt eindeutig auf entspanntem Dahingleiten. Fahrkultur wird hier großgeschrieben und sportives Fahren liegt dem Lexus nicht unbedingt. Das kümmert einen als Fahrer erstaunlicherweise auch gar nicht, denn sobald man am Steuer dieses Autos sitzt, verfällt man in eine Art entspannende Gelassenheit. Wer es dennoch will, erreicht im Sprint aus dem Stand nach 8,5 Sekunden die 100-km/h-Marke und das Maximum ist bei Tempo 180 erreicht – hier wird elektronisch begrenzt.
Das Fahrverhalten ist dabei unbeirrbar komfortabel und sicher. Die Federung schluckt alles, was die Insassen stören könnte und so wiegt die asiatische Limousine seine Passagiere gerne auch auf längeren Strecken durch ruhige Momente der Entspannung. Die Ruhe ist dabei wortwörtlich zu nehmen, nur bei hastigen Gasbefehlen ermuntert die stufenlose Automatik den Benziner zu hohen Drehzahlen.
Dieser Lexus ist ein Vollhybrid. Das heißt, er besitzt Verbrenner und E-Antrieb, kann aber auch gewissen Strecken rein elektrisch zurücklegen. Extern kann er allerdings nicht geladen werden, es ist also kein Plug-in Hybrid. Daher bleibt es bei maximal zwei Kilometern am Stück ohne Verbrennungsmotor. Doch zwischendurch ist der Lexus immer wieder im EV-Mode – also nur elektrisch – unterwegs. Das Antriebsmanagement ist – typisch Toyota-Technik – sehr ausgewogen und das Zusammenspiel absolut harmonisch, fast durchgängig merkt man nichts vom Zu- oder Abschalten der Komponenten und die Bremsenergierückgewinnung arbeitet so ausgeklügelt, dass der Akku praktisch nie ganz leer ist.

Wirtschaftlichkeit

Diese Gelassenheit beim Fahren setzt sich auch beim Verbrauchsverhalten fort. Der Lexus ist ein echter Knauserer und brillierte auf unserer Sparrunde mit phänomenalen 3,2 Litern auf 100 Kilometer. Im Drittelmix waren es knapp sieben Liter – für eine Limousine in dem Format ist das bemerkenswert.
Der Einstieg in die Lexuswelt in Form des ES 300h beginnt bei 47.940 Euro. Unser Testwagen in der höchsten Ausstattung kostete knapp 69.000 Euro, offenbart dann aber eine nahezu vollständige Ausstattung, die kaum Wünsche offenlässt.

Fazit

Der Lexus ES 300h entpuppte sich als eine Wellnessoase auf Rädern. Die scharfe Optik der Fahrzeugfront weicht im Inneren einem komfortorientierten Ambiente mit viel Platz, was den Japaner zu einem sehr guten Reisegefährten macht. Die adäquate Leistung offenbart sich hier vielmehr einem gelassenen Vorankommen, ohne Stress oder Hektik. Die Ausstattung ist üppig, die Rückspiegel in Kameratechnik nicht unbedingt notwendig, wie wir finden. Alles in allem zeigt sich diese Limousine auch durch ihre hohe Effizienz als ernstzunehmende Alternative zu deutschen Mitbewerbern, wenn es nicht um Autobahnhatz und von Termindruck verschlissene Gaspedale geht.