Der Pick-Up Navara rollt aktuell in seiner vierten Generation über die gern auch reparaturbedürftigen Straßen. Als zuletzt hinzugekommene Topausstattung N-Guard hat man das japanische „Nutztier“ nochmals um einiges stärker domestiziert und in einer noch edleren Ausbaustufe den Kunden vorgesetzt
 

Motor

Gleichbleibende Souveränität sichert der fortgeführte Einsatz des robusten und in seiner Laufcharakteristik durchaus auch burschikosen Vierzylinders. Der Turbodiesel macht keineswegs einen Hehl aus seiner Verbrennungsart und nagelt vor allem im Kaltstart selbstbewusst vor sich hin. Mit 190 PS sowie 450 Newtonmetern maximales Drehmoment steht der Selbstzünder aber gut im Futter und hat wenig Mühe, das 2,2 Tonnen schwere Gefährt bei allen Anforderungen adäquat in Bewegung zu halten.
 

Karosserie/Ausstattung

Als N-Guard wurde dem Navara diverses Dekor in Vinyl-Schwarz verliehen. Dazu gehören neben Applikationen im Frontgrill auch die Umrahmungen der Nebelscheinwerfer, die Außenspiegelgehäuse und die Fensterrahmen. Ebenso der dunklen Farbgebung verpflichtet, erhielt der Pick-Up schwarze Leichtmetallfelgen und ein auffälliges schwarzes Dekor seitlich über den ebenfalls schwarzen Trittbrettern, das sich bis zum Fahrzeugende fortsetzt. Ein kleiner blauer Modellschriftzug in diesem Dekor weist den Navara als solchen aus.
Zusammen mit einer ab der B-Säule getönten Verglasung macht der Japaner insgesamt eine durch und durch dynamisch-attraktive Figur. Der Test-Pick-Up war mit der sogenannten Double Cab ausgerüstet – eine Fahrgastkabine mit vier vollwertigen Türen, in der bis zu fünf Personen Platz finden. Im Innenraum erkennt man den Willen, dem Nutzfahrzeug eine ordentliche Portion Wohlfühlatmosphäre mitzugeben, was auch funktioniert hat. So legt sich über alle Funktionalität und Praktikabilität eine angenehme Decke der Wertigkeit. Die bequemen Sitze mit ihren teilweise aus Leder bestehenden Bezügen treffen auf viele Softtouch-Oberflächen und diverse Akzentuierungen in Metalloptik, während blaue Nähte derweil hübsche Kontraste setzen. Einzig das Lenkrad will in seiner schweißtreibenden Plastik-Art nicht gefallen – hier möchten wir uns was Feineres wünschen, was im Übrigen auch dem Rest des Interieurs besser entsprochen hätte. Das Infotainment wurde leicht überarbeitet und darf sich glücklicherweise weiterhin mit echten Drehknöpfen zieren.
Das Navigationssystem verrichtet seinen Dienst ohne Murren, die Berücksichtigung von Verkehrsstörungen könnte aber schneller und auch genauer erfolgen. Android Auto oder Apple CarPlay funktionieren bestens, verlangen dafür aber die Verkabelung per USB. DAB+ und einige Assistenten wie ein Spurverlassenswarner oder ein klassischer Tempomat sind bereits mit an Bord. Die Klimaautomatik besitzt einen Sonnenstrahlungssensor und reguliert auch entsprechend unterschiedlich den Luftstrom. Als Highlight in jeder Hinsicht entpuppten sich die LED-Scheinwerfer, durch deren hellen und auch weitreichenden Lichtkegel jede Fahrt bei Dunkelheit eine kleine Freude war.
Die Ladefläche wurde mit einer rutschfesten schwarzen Pulverbeschichtung versehen und eine Heerschar an Ösen sowie eine Montageleiste erlaubt vielfältige Befestigungsmöglichkeiten des entsprechenden Ladeguts. Die Heckklappe ist in der Zentralverriegelung mit inkludiert und muss nicht separat verschlossen werden.
 

Fahrverhalten

Am Steuer des Pick-ups spürt man anhand der Lenkung sogleich, dass man in einem Nutzfahrzeug sitzt. Es benötigt schon gefühlt eine Lenkradumdrehung mehr, wenn man von links nach rechts einschlagen möchte. Dies gelingt aber sehr leichtgängig und außer diesem Mehraufwand konnte die Lenkung durchaus auch mit Feedback gefallen. Das Fahrwerk ist zwar eindeutig dem eines Nutzfahrzeugs zuzuordnen – der Navara kann über eine Tonne zuladen – doch deswegen ist er längst kein ungehobelter Geselle. Im Gegenteil, das Abrollverhalten ist überraschend komfortabel, die Federung sehr „smooth“ und das gelingt dem Pick-Up auch ohne übermäßiges Aufschaukeln oder Wank- und Nickbewegungen bei schnellen Richtungswechseln.
Dank zuschaltbarem Allradantrieb inklusive Untersetzung und Sperre kann man auch im mittelschweren Gelände mit dem Nissan gut vorankommen. Obendrein ist es möglich, diesen abzuschalten und auf reinen Heckantrieb zu reduzieren. Das bringt nicht nur Verbrauchsvorteile, sondern so lässt sich der Navara mit abgeschaltetem Allradantrieb auch deutlich besser rangieren. Bleibt hierbei nämlich Allrad zugeschaltet, spürt man beim Einlenken deutlich die Verspannungen im Antriebsstrang, die durch die Differenzialgetriebe nicht völlig ausgeglichen werden können.
Selbst bei höheren Geschwindigkeiten wirkt der Navara sehr sicher, bleibt absolut spurtreu und liegt sehr souverän auf der Straße. Dadurch sind selbst Geschwindigkeiten von 180 km/h kein Problem und es gibt hierbei nicht den Hauch von Nervosität. Das kennt man auch von einem VW Amarok in dieser Art, doch ist dies längst nicht bei vielen anderen Fahrzeugen aus der Pick-Up-Fraktion auszumachen. Die Windgeräusche nehmen ab Tempo 160 spürbar zu, weswegen die Wohlfühlzone ungefähr bis zu dieser Geschwindigkeit gut ausgeprägt bleibt. Das Bremsverhalten ist dem Gewicht entsprechend gut, die Dosiermöglichkeit geht in Ordnung. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass die Bremswege vor allem im beladenen Zustand deutlich länger werden.
 

Wirtschaftlichkeit

Der Verbrauch des raubeinigen Turbodiesels ist stark abhängig von der jeweiligen Einsatzart. Geht es mit ungefähr der Hälfte der erlaubten Zuladung gemächlich durch Ortschaften und über Land, kann man mit respektablen 7,5 Litern auf 100 Kilometer rechnen. Auf der Autobahn steigt der Verbrauch entsprechend, bleibt bis ungefähr 140 Stundenkilometern noch knapp unter zehn Litern. Unbeladen und mit defensiver Fahrweise reduzierte sich im Test der Verbrauch auf 5,8 Liter auf 100 Kilometer. Den Navara bekommt man ab 33.195 Euro als Einstiegsmodell mit der kleineren Fahrgastkabine „King Cab“ und dem 163-PS-Diesel. Mit der Double Cab beginnt der Pick-up-Spaß ab 33.955 Euro und als hier getestetes Topmodell „N-Guard“ werden mindestens 47.700 Euro fällig. Soll es wie im Testwagen ein Automatikgetriebe statt der Handschaltung sein, kommen nochmals 1700 Euro dazu.
 

Fazit

Summa summarum kann dem neuen Flaggschiff unter den Ausstattungsvarianten eine nochmals verbesserte Wertigkeit und Komfortnote bescheinigt werden. Der Nissan Navara gab sich über den gesamten Testzeitraum als unkompliziert und vollkommen alltagstauglich – vom benötigten Parkraum mal abgesehen. Sein burschikoser, aber auch kräftiger Antrieb sichert ein problemloses Vorankommen auch im Gebirge – wir testeten den Nissan in den Alpen.
Vorteilhaft ist bei der großen Kabine, dass die Platzverhältnisse ungefähr denen in einer Mittelklasselimousine entsprechen und daher auch Fernreisen keinerlei Probleme verursachen. Etwas über eine Tonne Zuladung wird obendrein den Nutzfaktor dieses Pick-ups weit oben einordnen.